Minister Tesch zu PISA: Selbstständige Schule setzt weiteres Leistungspotential frei

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den 6 Bundesländern (BB, SN, ST, TH, HB), die ihre Leistungen im Bildungsbereich seit der ersten PISA-Erhebung 2000 am deutlichsten verbessern konnten. Das geht aus dem Ländervergleich zu PISA 2006 hervor, der heute vorgestellt wurde. Danach liegt Mecklenburg-Vorpommern in den Kompetenzbereichen Naturwissenschaften (Schwerpunktthema) auf Platz 7 und in Mathematik auf Platz 5.

18.11.2008 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Bildungsminister Henry Tesch:" Ich freue mich, dass sich Mecklenburg-Vorpommern so verbessern konnte. Die Bemühungen für einen guten Unterricht waren erfolgreich. Aber es ist uns noch nicht gelungen, die Lesekompetenz ausreichend zu entwickeln. Daran müssen wir noch intensiv arbeiten. So werden ab dem nächsten Schuljahr alle Grundschulen zusätzliche Stunden für die Stärkung der Lesekompetenz bekommen. Außerdem wird die Selbstständige Schule mit ihren weit aus besseren Möglichkeiten für die individuelle Förderung der Schüler viel Potential bei der Verbesserung der Lernleistungen frei setzen. Dafür brauchen wir die Änderungen im Schulgesetz. Ohne die entsprechende Schulgesetzänderung wird es zu Rückschritten kommen."

Ebenso wie in allen anderen Bundesländern hat sich auch in Mecklenburg-Vorpommern die Lesekompetenz im Vergleich zu Pisa 2000 am wenigsten entwickelt. Hier belegt Mecklenburg-Vorpommern Platz 14 im Vergleich der Bundesländer und liegt damit unter dem OECD-Mittelwert. Außerdem wurde bei den Mädchen eine stärkere Lesekompetenz als bei den Jungen festgestellt, die im Geschlechtervergleich einen Unterschied von bis zu einem Schuljahr beträgt.

Die PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gilt als internationaler Leistungsvergleich von Schülern gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit. Bei der Untersuchung im Jahr 2006 stand das naturwissenschaftliche Verständnis der Jugendlichen im Mittelpunkt. Bewertet wurden ebenso die Mathematik und Lesen. An diesem Vergleich nahmen in Mecklenburg-Vorpommern 76 Schulen mit 2227 Schülerinnen und Schüler teil.

So gehört laut PISA-Studie Mecklenburg-Vorpommern zu den sieben Bundesländern (SN, TH, BY, BW, ST, SL), denen es gelungen ist, im Bereich der Naturwissenschaften die Schüler so zu fördern, dass der Anteil der Schüler mit schwachen Leistungen unter 15 Prozent liegt.

Besonders gute Ergebnisse werden im Rahmen der Studie den Gymnasien des Landes bescheinigt. Sie liegen in allen Bereichen deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Weitere Informationen unter www.pisa.ipn.uni-kiel.de

Hintergrund

PISA-E 2006

Ergebnisse des nationalen Vergleichs der Bundesländer für Mecklenburg-Vorpommern und Schlussfolgerungen

Was ist PISA?

  • Programme for International Student Assessment
  • weltweit größter Schulleistungstest der OECD, an dem sich inzwischen rund 60 Staaten beteiligen

Was wurde getestet?

  • Kompetenzen von fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften
  • Gleiche Bereiche wie auch in den vergangenen Erhebungen mit wechselnder Schwerpunktsetzung
  • Hälfte der PISA-Testaufgaben beschäftigte sich 2006 mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen aus den Bereichen Biologie, Chemie, Geowissenschaften und Physik.
  • Bereiche Lesen und Mathematik machten jeweils die anderen Viertel der Testaufgaben aus.
  • Schwerpunkt 2000 Lesen, 2003 Mathematik

Welche Population im internationalen Vergleich?

  • In Deutschland wurden an 225 Schulen jeweils 25 fünfzehnjährige Schülerinnen und Schüler getestet und zusätzlich je Schule zwei komplette 9. Klassen.
  • In M-V betraf es 7 Schulen.

Was ist PISA-E?

  • nationaler Vergleich der 16 Bundesländer
  • bundesweite nationale Ergänzungsstichprobe 57.000 Schüler an 1500 Schulen.
  • in M-V 69 Schulen mit 2529 Schülern
  • bundesweite Federführung beim Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel.
  • dritter und letzter nationaler PISA-Ergänzungstest
  • Ab 2009 bundesweite Ländervergleiche durch das IQB zur Überprüfung der Bildungsstandards
  • bundesweite Bildungsstandards entstanden als Konsequenz aus dem ersten Test 2000

Mathematik

Welche Kompetenzen wurden getestet?

  • Anwendungsaufgaben aus dem Alltag bis hin zu einfachen wissenschaftlichen Fragen oder Problemstellungen
  • Anwendbares Grundverständnis von Mathematik, um Anforderungen des Lebens zu verstehen und zu bewältigen

Aktuelle Ergebnisse Mathematik

  • Durchschnitt Deutschland 504 Punkte
  • International Platz 14 von 57
  • M-V 500 Punkte,
  • Platz 5 hinter Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen
  • OECD-Durchschnitt: 498 Punkte

Entwicklung

2000 2003 2006
Gesamt Punkte (Platz) 484 (9) 493 (10) 500 (5)

40 Punkte entsprechen etwa einem Schuljahr

Schlussfolgerungen

  • Der begonnene Weg der Umsetzung der Bildungsstandards ist richtig.
  • Sowohl Prüfungsaufgaben, die sich an den Bildungsstandards orientieren, als auch die standardbasierten Vergleichsarbeiten in den Klassenstufen 3, 6 und 8 tragen zur Verbesserung des Mathematikunterrichts bei und fördern die Kompetenzentwicklung bei den Schülern.

Naturwissenschaften

Was ist naturwissenschaftliche Kompetenz?

  • Fähigkeit, "naturwissenschaftliches Wissen anzuwenden, naturwissenschaftliche Fragen zu erkennen und aus Belegen Schlussfolgerungen zu ziehen, um Entscheidungen zu verstehen und zu treffen, welche die natürliche Welt und die durch menschliches Handeln an ihr vorgenommenen Veränderungen betreffen

Was steht im Blickpunkt der Naturwissenschaften?

  • das Verständnis zentraler naturwissenschaftlicher Begriffe und Prinzipien (Konzepte),
  • die Vertrautheit mit naturwissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen (Prozesse) und
  • die Anwendung dieses Wissens auf realistische Fragestellungen und Probleme (Anwendungsbereiche).

Aktuelle Ergebnisse Naturwissenschaften

  • Durchschnitt Deutschland 516 Punkte
  • International Platz 8 von 57
  • M-V 515 Punkte
  • Platz 7 hinter Sachsen, Bayern, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz
  • OECD-Durchschnitt: 500 Punkte

Entwicklung

2000 2003 2006
Naturwissenschaft 478 (9) 491 (11) 515 (7)

40 Punkte entsprechen etwa einem Schuljahr

Schlussfolgerungen

  • Der Anteil des naturwissenschaftlichen Unterrichts an der Stundentafel wirkt sich positiv auf die Ergebnisse aus.
  • Im Naturwissenschaftlichen Unterricht ist es besser als in anderen Fächern gelungen, mit realistischen Aufgabenstellungen zu arbeiten. Dies muss weiterentwickelt werden.
  • Der Kompetenzzuwachs in den naturwissenschaftlichen Fächern ist statistisch signifikant.

Lesekompetenz

Was ist Lesekompetenz?

  • vor allem die Fähigkeit, geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer Form zu verstehen und in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können
  • wird als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben angesehen.

Aktuelle Ergebnisse Lesekompetenz

  • Durchschnitt Deutschland 495 Punkte
  • International Platz 14 von 57
  • M-V 480 Punkte
  • Platz 14 vor Hamburg und Bremen
  • OECD-Durchschnitt: 492 Punkte

Entwicklung

2000 2003 2006
Lesekompetenz 467 (11) 473 (15) 480 (14)

Schlussfolgerungen

  • Trotz vielfältiger Ansätze und Bemühungen zur Entwicklung der Lesekompetenz in den Schulen ist die Entwicklung nicht ausreichend
  • seit 2007 die Bemühungen im Land verstärkt.
  • Die in den Schulen vorhandenen Ergebnisse der Vergleichsarbeiten und der externen Evaluation sind verstärkt als Grundlage für die Unterrichtsentwicklung zu nutzen. Damit ist eine Basis für die schulbezogene Förderung in diesem Kompetenzbereich gegeben.
  • Die Schulen müssen die Verbesserung der Lesekompetenz in ihren Schulprogrammen und schulinternen Lehrplänen zum Schwerpunkt ihrer Arbeit machen.
  • Vorhandene Unterstützungssysteme wie Unterrichts-, Fach- und Schulberater sind durch die Schulen verstärkt zur Entwicklung der Lesekompetenz heranzuziehen.
  • Der Stand der Entwicklung der Lesekompetenz in der einzelnen Schule ist ein zentraler Gegenstand der externen Evaluation und muss in den Zielvereinbarung zwischen dem Schulamt und den Schulen einen Schwerpunkt bilden.
  • Unverzichtbar wird die Zusammenarbeit mit den Eltern sein. Sie müssen in diese Aufgaben stärker mit eingebunden werden, um schneller Erfolge in der Steigerung der Lesekompetenz zu erreichen.
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Fortbildung, den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit der Schulen zu intensivieren.

Abhängigkeit der Kompetenzentwicklung von der sozialen Herkunft

  • Soziale Abhängigkeit der naturwissenschaftlichen Kompetenz liegt im Bundesdurchschnitt
  • Abhängigkeit der Lesekompetenz vom sozialökonomischen Status liegt für M-V unter dem Bundesdurchschnitt und nimmt tendenziell ab. (leichte Verbesserung)

Zusammenfassung

  • für den Bereich der Lesekompetenz als Hauptarbeitsbereich sind landesweit koordinierte Anstrengungen nötig; Nebeneffekt: Steigerung der Lesekompetenz wirkt sich auch positiv auf die naturwissenschaftliche Kompetenz aus
  • für den Bereich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung sind Kompetenz fördernde Maßnahmen vor Ort in der Schule zu entscheiden, Grundlage sind schulspezifische Rückmeldungen aus Vergleichsarbeiten und Prüfungsauswertungen

Weitere Ausgestaltung der Selbständigen Schule auf der Grundlage eines neuen Schulgesetzes

  • Es gibt einen unterschiedlichen Entwicklungsstand der einzelnen Schulen. Um dieser Situation gerecht zu werden, müssen die Schulen unterschiedliche Schwerpunkte in der Unterrichtsentwicklung setzen. Die durch das neue Schulgesetz ermöglichte flexiblere Handhabung der schulischen Rahmenbedingungen ist jetzt unbedingt notwendig.
  • Erfolgreiche Länder wie Thüringen, Sachsen haben Mittel, die durch die Demographie freigesetzt wurden, in großem Umfang zum Zweck der Qualitätsentwicklung im System belassen.
  • Diese Länder haben frühzeitig den Schulen mehr Selbstständigkeit, d.h. mehr Verantwortung für ihre Ergebnisse übertragen (Schulprogramm, Stundentafel)
  • Sie gestehen den Schulleitungen mehr Kompetenzen (Personalmanagement, Qualitätsmanagement, Fortbildung) zu und arbeiten seit langem erfolgreich mit Diagnostik über Vergleichsarbeiten
  • Thüringen hat bereits erfolgreich die schülerbezogene Stundenzuweisung eingeführt
  • M-V hat den Erfolg solcher Maßnahmen im Modellprojekt (Selbstständige Schule) wissenschaftlich begleitet, nachgewiesen
  • Die Schulen haben landesweit mit der Vorbereitung auf die Einführung der Selbstständigen Schule im nächsten Schuljahr begonnen. Sie haben sich fortgebildet, haben Steuergruppen eingesetzt, arbeiten an Schulprogrammen, planen Stundentafeln und entwickeln schulinterne Lehrpläne, …

Sollte die Schulgesetznovelle nicht wie geplant zum Schuljahr 2009/10 in Kraft gesetzt werden, verliert die Bildungspolitik an Glaubwürdigkeit und ein weiterer Motivationsverlust in den Schulen wäre die Folge. Das neue Schulgesetz eröffnet den Paradigmenwechsel. Eine verbesserte Ausstattung kann und muss ein ständiges Thema der Politik bleiben.


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