Social Media und Schule

"Mit Twitter hole ich Experten in den Unterricht"

(red) Wie sollen Lehrer mit sozialen Netzwerken umgehen? Eine dienstliche Kommunikation ist – schon aus Gründen des Datenschutzes – immer problematisch und in manchen Bundesländern deshalb sogar explizit verboten. Heißt das aber für Facebook, Twitter und Co. in jedem Fall: Wir müssen draußen bleiben? Oder gibt es doch Möglichkeiten, soziale Netzwerke erfolgreich in den Schulalltag einzubinden? Wie können Lehrkräfte beispielsweise Facebook im Unterricht nutzen? Tipps und konkrete Beispiele von unserem Interviewpartner Richard Heinen von der Universität Duisburg-Essen.

26.02.2014 Artikel
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Herr Heinen, wenn es den Lehrern freigestellt ist Facebook und Co. zu nutzen, sollten sie es auch tun?

Richard Heinen: Schüler nutzen Facebook, WhatsApp und zunehmend auch sicherere Messenger bereits zum Lernen, zum Austausch von Hausaufgaben, zum Diskutieren über Hausaufgaben oder zur Vorbereitung auf Klausuren. Es bietet sich also für Lehrer an, dieses Potenzial nicht einfach am Unterricht vorbei fließen zu lassen und diese Lebenswelt der Schüler einfach auszuschließen. Vielmehr gilt es, den Schülern einerseits kluge Wege zu zeigen, wie sie sich dort kompetent bewegen können und auf der anderen Seite diese Netzwerke auch didaktisch zu nutzen. Natürlich muss man vorsichtig mit sozialen Netzwerken im Unterricht umgehen. Das heißt, Lehrer müssen erstens aufpassen, was sie für Ihre Schüler preisgeben. Dafür brauchen sie ein Bewusstsein und müssen ihr Facebook-Profil entsprechend einstellen. Sie müssen zweitens darauf achten, auch in diesen Medien eine kluge Grenze zu ziehen, also eine professionelle Distanz zu wahren. Und das dritte, was ein Lehrer im Blick haben muss, ist, dass keine personenbezogenen Daten über ein solches Netzwerk verbreitet werden, wie zum Beispiel Noten. Wenn es jedoch um fachliche Inhalte geht, können solche Netzwerke durchaus nützlich sein. Lehrer aus Projektschulen in den Niederlanden beispielsweise sagen uns: Wenn ich für meine Klasse keine Facebook-Gruppe hätte, würde ich die Schüler nicht mehr wirklich erreichen können. Denn ihre E-Mails lesen sie nicht mehr.

Wie werden soziale Netzwerke in deutschen Schulen genutzt?

Richard Heinen: Anders als in den Niederlanden sind die Einsatzszenarien in Deutschland noch sehr zurückhaltend. Hier bei uns geht es eher um Organisatorisches, also um Hausaufgaben oder Termine. Viele Schüler hingegen nutzen solche Räume, um sich - nicht im negativen Sinn - hinter dem Rücken des Lehrers über den Unterricht auszutauschen. Ich habe selbst miterlebt, wie der Klassenprimus einen Tag vor der Klausur eine quasi Onlinesprechstunde abgehalten hat, bei der alle anderen ihn fragen konnten und er hat den Stoff erklärt. Das heißt, die Schüler haben sich auf Facebook gemeinsam auf eine Klassenarbeit vorbereitet.

Und gute Unterrichtsbeispiele mit sozialen Netzwerken – gibt´s die auch?

Richard Heinen: Ja, die gibt es. Eine Möglichkeit ist, Diskussionen über Twitter zu führen, die über gut gesetzte Hashtags auch eine Öffentlichkeit miteinbeziehen können. Wenn ich im Unterricht ein aktuelles politisches Themen behandele, dann kann ich die Schüler an real existierenden Diskussionen teilnehmen lassen. Ich kann ganz gezielt auf Persönlichkeiten zugehen und sie befragen. Ich kann also ohne großen Aufwand Experten in den Unterricht holen. Ein anderer Vorteil von Twitter ist, dass sich Schüler in bestimmten Diskussionen auch hinter Nicknames vor ihren Mitschülern verstecken können. Das heißt, diese Diskussionen sind einerseits öffentlich, weil sie im Netz stattfinden, andererseits geben sie aber dem einzelnen Schüler eine gewisse Privatsphäre, weil er sich hinter einem Nickname verbergen und in diesem Twitterdialog bereitwilliger seine wirkliche Meinung kundtun kann, als er das in der Klasse machen würde.

Weiterführende Informationen

Richard Heinen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Learning Lab der Universität Duisburg - Essen und Koordinator des Interreg-Forschungsprojekts School-IT Rhein-Waal, bei dem die Schüler ihre privaten Geräte (Smartphones, Tablet PCs) im Unterricht einsetzen.

Dazu auf der didacta 2014 in Stuttgart

25. 03.2014

Lerninfrastrukturen in Schulen - IT erfolgreich integriert! Erfahrungsberichte gelungener Medienprojekte in Schulen

Digitale Medien bieten vielfältige Potenziale, Unterricht anders und besser zu gestalten. Häufig werden diese Potenziale noch nicht ausgeschöpft. Eine einseitige Fokussierung auf technische Aspekte lässt oft Fragen der Unterrichts- und Schulentwicklung außen vor. Im Gespräch mit Praktikern und erfolgreichen Projekten werden Ansätze und Strategien erläutert, wie schülerorientierter Medieneinsatz umfassend ermöglicht und dabei möglichst viele Kolleginnen und Kollegen eingebunden werden. Herausforderungen an vernetzte Infrastruktur an der Schnittstelle Pädagogik/Technik werden vorgestellt.

Mit Jan Hofer, WDR, diskutieren Christian Brust, Eschbach-Gymnasium Stuttgart, Richard Heinen, Universität Duisburg-Essen, Eva Wingerter, Initiative Digitale Bildung Neu Denken und Matthias Wolf, Wilhelm-Ostwald-Gymnasium Leipzig. 14.45 - 15.30 Uhr, Forum didacta aktuell, Halle 4, Stand C48

25. - 29.03.2014

Forum eLearning und Sonderschau eLearningSUMMIT@didacta2014

Im neuen Ausstellungsbereich "Neue Technologien" in Halle 8 bietet die Sonderfläche eLearningSUMMIT @ didacta2014 einen praxisnahen Einblick in die eLearning-Branche. Ein Schwerpunkt des Programms sind Best-Practice-Reports: Projektverantwortliche präsentieren in 15-minütigen Beiträgen ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von digitalen Medien in der betrieblichen Bildung. Vorbildliche Ansätze werden auf der didacta mit dem eLearning-AWARD ausgezeichnet. Insgesamt 50 Gewinner in 24 Kategorien hat das Fachmagazin "eLearning Journal" für das Jahr 2014 ausgewählt. Mit der Hilfe von Bildungsexperten werden in Podiumsdiskussionen verschiedene Aspekte des Leitthemas der eLearning SUMMIT Tour 2014 beleuchtet: "Herausforderung Lernkultur in Zeiten von Web 2.0." Immer stärker setzt sich die Erkenntnis durch, dass für den betrieblichen Alltag vor allem das informelle Lernen eine große Relevanz für das Lernen der Belegschaft besitzt. Um dieser Einsicht Rechnung zu tragen, bietet der eLearningSUMMIT @ didacta2014 zudem drei Formate, die ganz speziell die Vorteile des praxisnahen Erfahrungsaustausches unterstützen sollen: die World Cafés, BarCamp-Foren und Tagesstände. Halle 8, Stand C52

26.03.2014

handysektor – smart + mobile

Die Medienwelt der Jugendlichen ist geprägt von ständiger Erreichbarkeit. Smartphones, Tablets und Apps sind der ständige Begleiter. Das Onlineportal www.handysektor.de nimmt die mobilen Alleskönner speziell für Jugendliche genauer unter die Lupe. Im Vordergrund steht dabei die sichere Nutzung, ebenso im Fokus stehen aber auch der Datenschutz, versteckte Kosten oder die kreative Nutzung. Der Vortrag bietet neben Informationen zum Projekt auch ganz praktische Tipps für die eigene Nutzung. 10:00 - 10:45 Uhr, ICS, Raum C6.2.2

27.03.2014

Medien in der Schule I: Von Cyber-Mobbing, Facebook und Bildschirmzeiten als Thema von Bildung und Erziehung

Referent: Jörg Kabierske (Medientrainer). 10:00 - 10:45 Uhr, ICS, Raum C3.2

Hochschultag 2014: Soziale Medien und Schule – von der Facebook-Nutzung für Lehrer bis zum Internet als realer Lebenswelt

Der diesjährige Hochschultag auf der didacta widmet sich dem Thema Soziale Medien und Schule. In den vergangenen Jahren hat es gehäuft Diskussionen darüber gegeben, wie sich Lehrer im "Netz" verhalten dürfen und sollen. In Baden-Württemberg wurde festgelegt, dass Lehrer soziale Netzwerke nicht dienstlich nutzen sollen. Schulen dürfen aber Fanpages bei Facebook pflegen. Zu diesem Themenkomplex stellen sich vielfältige Fragen des Datenschutzes für Lehrer und Schüler. Handreichungen zum Umgang mit sozialen Medien in der Schule, wie der Leitfaden "Social Media", sollen vorgestellt und diskutiert werden, um Lösungsvorschläge für den Schulalltag zu bieten. Abschließend soll in der Diskussion die Frage beleuchtet werden, welche sozialen Medien bereits erfolgreich im Unterricht und in der Lehrerbildung eingesetzt werden.

Referenten: Rolf Busch, Verband Bildung und Erziehung e. V. - Thomas J. Eckert, Ministerium für Kultur, Jugend und Sport Baden-Württemberg Salomon, Stellvertretender Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums Ludwigsburg; Thomas Floß, Initiative "Datenschutz geht zur Schule", Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) e. V. Richard Heinen, Learning Lab der Universität Duisburg-Essen; Wolfgang Kraft, Landesmedienzentrum Baden-Württemberg; Diemut Kreschel, Projekt "Medienarbeit an der Schule mit Social Media"; Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Moderation: Rechtsanwältin Birgit Ufermann, Deutscher Hochschulverband. 12:00 - 13:45 Uhr, Forum didacta aktuell, Halle 4, Stand C48

Medien in der Schule II: Apps und Interneteinsatz in der Schule. Chancen und Grenzen

Referent: Jörg Kabierske (Medientrainer). 13:00 - 13:45 Uhr, ICS, Raum C3.2

Interaktive Bildungsmedien – Wunschdenken oder Realität?

Die sinnvolle Nutzung attraktiver "Interaktiver Bildungsmedien" führt zu der Fragestellung in Bildungseinrichtungen, wie sich das Zusammenspiel von Content, Technik/Technologie und Mensch gestaltet und ist deutlich mehr als die Nutzung von PDF und ähnlichen statischen Formate. Die darunter liegende Technik und Technologie muss verschiedene Levels der Interaktivität aktiv unterstützen und den Nutzer als dritte Komponente in die Lage versetzen, personalisiert genau den Content auszuwählen, der für die aktuelle Aufgabe erforderlich ist. Referenten: Dr. Anita Stangl (MedienLB, Bereich interaktiver Content); Volker Jürgens (AixConcept, Bereich interaktive Technik / Technologien); Herr Peter Pharow (Fraunhofer IDMT, Bereich Nutzer / Digital Natives vs. Digital Immigrants). Moderatoren: Matthias Degen / Jan Hofer, WDR, 17:00 - 17:45 Uhr, Forum eLearning, Halle 8, Stand C52

28.03.2014

Internet-ABC – Mit Spaß und Sicherheit ins Netz. Unterrichtshilfen für die praktische Medienarbeit

Der Workshop bietet Einblicke in die Materialien des Internet-ABC zu Themen wie Datenschutz, Chat oder Soziale Netzwerke und gibt Lehrkräften und Pädagogen konkrete Hilfestellungen an die Hand, wie sie die Themen gemeinsam mit der Klasse spielerisch erarbeiten können. Im Workshop werden Themeneinstiege für die Klasse vorbereitet und ein exemplarischer Unterrichtsverlauf erstellt, sodass anschließend die Materialien des Internet-ABC zielgerichtet und je nach Bedarf eingesetzt werden können. 11:00 - 11:45 Uhr, ICS, Raum C6.2.2

explore.create.share: Vernetzendes, mobiles Lernen mit Tablet-PC, Wiki und Social Media in der Schule 2.0 stärkt Medienkompetenz

Der Einsatz von mobilen Endgeräten macht Schule keinesfalls überflüssig, aber sie wird anders. So die Einschätzung nach eineinhalb Jahren Einsatz von 60 iPads durch 40 Kollegen in den Klassen 5-12 an der Kaiserin Augusta Schule (KAS) in Köln. Die Schüler machen - früher mussten sie mitmachen. Produkte der Lernenden sind offene Wikis, Weblogs, Twitterchats, eBooks und Videokonferenzen die kollaborativ und Klassen- und Länderübergreifend erstellt werden. Ein Erfahrungsbericht wie iPad, Wiki, Weblogs und Social Media das Schulleben bereichern, offene Bildungsmaterialien schaffen und Medienkompetenz fördern können. Referent: André J. Spang (Oberstudienrat am Kaiserin Augusta Gymnasium in Köln, Mitinitiator des "Schulwiki" der Stadt Köln). 12:00 - 13:00 Uhr, Forum Unterrichtspraxis, Halle 1, Stand D72

Analog und digital: Welche Zukunft hat das Schulbuch?

Das gedruckte Schulbuch hat Konkurrenz: Das Internet bietet eine Vielzahl von digitalen Unterrichtsmaterialien an; Lehrkräfte greifen auf kostenlose Bildungsmedien online zu, veröffentlichen eigene Materialien als OER oder gehen mit Wikis und iPad-Projekten neue Wege. Welchen Stellenwert hat das Schulbuch heute – und wo liegt seine Zukunft? Referenten: Wolf-Rüdiger Feldmann (Geschäftsführung Cornelsen Schulverlage), Tobias Hübner (Lehrer, Trainer und Blogger zu Germanistik und Neuen Medien), Prof. Dr. Eva Matthes (Lehrstuhl für Pädagogik der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät Universität Augsburg), OStR André J. Spang (Lehrer und Mitinitiator des "Schulwiki" (Köln), Koordinator des "iPad-Projektes" seiner Schule). Moderator: Prof. Dr. Markus Ritter, Ruhr-Universität Bochum. 13:30 - 14:15 Uhr, Forum Bildung, Halle 1, Stand K71

29.03.2014

Schule und Soziale Netze: Kommunikation rund um die Uhr?

Schulen, Lehrkräfte und SchülerInnen sind eingebunden in soziale Netzwerke. Eine dienstliche Kommunikation über Facebook, Twitter und Co. hat das Land Baden-Württemberg jedoch untersagt. Ist dieses Verbot weltfremd oder notwendig? Warum wollen Lehrkräfte mit SchülerInnen über soziale Netzwerke kommunizieren? Liegen die Risiken nur im Datenschutz? Gibt es keine sicheren Alternativen? Und: Soziale Netze beruhen auf ständiger Erreichbarkeit – Wie verändert das die Rolle der Lehrkraft?
Referenten: "Lea Feynberg" (Pseudonym) (Lehrerin und Autorin ("Ich werd sowieso Rapper", 2013)), Wolfgang Kraft (Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg) Luckner (Kommunikationsbeauftragter des Landesschülerbeirates Baden-Württemberg); Ursula Walther (Stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrates). Moderator: Prof. Dr. Markus Ritter, Ruhr-Universität Bochum. 11:30 - 12:45 Uhr, Forum Bildung, Halle 1, Stand K71

Datenschutz und moderne Lernumgebungen – kein Widerspruch!

Viele digitale Angebote von Verlagen und Softwarehäusern unterstützen wesentlich schulische Alltagsarbeit und moderne Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit finden Einzug in das Klassenzimmer. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, welche Fragen des Datenschutzes beim Einsatz dieser Lösungen zu beachten sind. Darüber hinaus muss eindeutig auf die unterschiedlichen Ausprägungen der Geschäftsmodelle der einzelnen Anbieter geachtet werden. Zertifizierung, Sicherheit, Transparenz und Seriosität bilden grundlegende Bedingungen für den Einsatz digitaler Lernumgebungen! Die Diskussionsrunde wird mit ihren Experten das notwendige Wissen zum rechtssicheren Einsatz von modernen Lernumgebungen schaffen. Referenten: Marina Treude (Microsoft Deutschland GmbH); Ulrich Vormwald (Experte im Bereich Datenschutz); Herr Witold Lohmann (bkh Berufskolleg Hattingen). Moderatoren: Jan Hofer, Matthias Degen, WDR, 12:00 - 12:45 Uhr, Forum didacta aktuell, Halle 4, Stand C48

Die Medienkompetenz der Generation Y in Schule und Betrieb nutzen

Sowohl Lehrer der Berufsschulen wie auch Lehrer von Gymnasien etc. als auch Ausbilder kennen das Problem, dass die Jugendlichen ständig mit ihren Smartphones beschäftigt sind. Wie Neue Medien erfolgreich in den Unterricht integriert werden können und auch in die Ausbildung im Betrieb, wird in diesem Vortrag behandelt. Referent: Josef Buschbacher (Smadias – Deutsche Ausbilderakademie) 13:30 - 14:00 Uhr, Marktplatz Beruf ist Zukunft, Halle 6, Stand C22

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