Musik raus, Musik rein: Zickzackkurs ohne Lehrkräfte
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat mehr Unterricht an Grundschulen angekündigt: zusätzliche Stunden in Deutsch und Mathematik, eine dritte Sportstunde und mehr Musik. GEW Bayern teilt die Sorge um die Basiskompetenzen. Offen bleibt aber die entscheidende Frage: Wer soll diesen Unterricht halten, solange ein Stellenmoratorium gilt?
24.09.2026 Bayern Pressemeldung GEW BayernWie viele Stunden hinzukommen, ab wann und mit welchem Personal, ist bislang offen. Fest steht: Wegen der Sparvorgaben lässt die Staatsregierung derzeit keine neuen Stellen für Lehrkräfte zu, obwohl rund 20.000 Schülerinnen und Schüler mehr unterrichtet werden als im Vorjahr. Schon jetzt sichert das Kultusministerium die Unterrichtsversorgung auch, indem es vorhandenes Personal verstärkt einsetzt.
„Jede zusätzliche Wochenstunde muss jemand unterrichten. Wer mehr Unterricht verspricht und zugleich keine neuen Stellen zulässt, reicht die Rechnung an die Kollegien weiter“, kritisiert GEW-Vize Markus Weinberger. „Eine Ankündigung auf einer Fraktionsklausur ersetzt keinen Haushaltsbeschluss. Jede Ausweitung der Stundentafel muss mit Planstellen hinterlegt sein.“
Dabei hat die Staatsregierung erst mit ihrer „PISA-Offensive“ ab dem Schuljahr 2024/25 mehr Deutsch und Mathematik in die Grundschule geholt – durch Umschichtung: Musik, Kunst sowie Werken und Gestalten wurden dafür zu einem Fächerverbund zusammengefasst. „Mehr Musik ist richtig. Aber warum wurden die musischen Fächer dann vor zwei Jahren erst zurückgefahren? Offenbar entdeckt der Ministerpräsident gerade, wie wertvoll die kreativen Fächer sind. Das ist kein Konzept, sondern ein Zickzackkurs“, sagt Landesvorsitzende Martina Borgendale.
„Und wieder einmal gibt der Ministerpräsident den Kultusminister: erst die Hymnenpflicht für die Abschlussfeier, jetzt der Stundenplan der Grundschule. Vielleicht braucht es ja tatsächlich mehr Musikunterricht – damit bei der Zeugnisfeier die Bayernhymne sitzt“, so Borgendale. „Im Ernst: Schule braucht Zeit, da hat die Kultusministerin recht. Aber mehr Unterrichtsstunden allein werden die immer stärkere Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Elternhaus nicht verringern. Dafür braucht es multiprofessionelle Teams, längeres gemeinsames Lernen – und Menschen, die die Zeit im Stundenplan füllen.“
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