Neue Lehrer braucht das Land!

"Der seit langem absehbare Mangel an Bewerber/-innen für ein Lehramtsstudium, besonders für einzelne Fächerkombinationen an Gymnasien, Real- und Berufsschulen, ist Ergebnis einer kurzsichtigen und verfehlten Ausbildungs- und Einstellungspolitik des Bayerischen Kultusministeriums", kommentiert Gele Neubäcker, stellvertretende Vorsitzende der GEW Bayern, die derzeitige Suche des Ministeriums nach Diplom Biologen/-innen für den Biologie- und Chemieunterricht an Gymnasien. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert diese Politik scharf und erneuert ihre Forderung nach einer durchgehenden Reform der Ausbildungs- und Einstellungspolitik von Lehrerinnen und Lehrern.

18.01.2007 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

So wurden beispielsweise an bayerischen Realschulen zu Beginn des Schuljahres Diplom Mathematiker/-innen ohne jede pädagogische und berufswissenschaftliche Ausbildung eingestellt. Von Arbeitslosigkeit bedrohte Grundschullehrer/-innen erhalten Beschäftigungsangebote an Gymnasien und an Berufsschulen werden seit Jahren Quereinsteiger/-innen angeworben. Dieser willkürliche Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern zeugt von völliger Konzeptionslosigkeit bayerischer Schulpolitik.

Die GEW fordert, dass künftige Pädagogen/-innen ein gemeinsames erziehungs- und berufswissenschaftliches Grundstudium absolvieren und sich dann im Haupt- bzw. Masterstudium auf eine bestimmte Altersgruppe und jeweilige Fachschwerpunkte festlegen können. Dieses Konzept entspricht auch der entwicklungspsychologischen Realität bei Kindern. Denn es gibt keine Grundschulkinder, die sich nach vier Jahren plötzlich zu Haupt-, Realschul- oder Gymnasialkindern entwickeln, und die dann jeweils eine spezielle Pädagogik und Didaktik brauchen. Lehrer/-innen, die nach dem Vorschlag der GEW ausgebildet werden, sind darüber hinaus flexibler einsetzbar, Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Mangel an Lehrkräften wäre vermeidbar. Außerdem sind diese Lehrer/-innen gut für die Schule der Zukunft, die gemeinsame Schule für alle Kinder bis zum Ende der Schulpflicht, vorbereitet.

Gele Neubäcker: "Bislang orientiert sich das Bayerische Kultusministerium am so genannten ´Schweinezyklus´, d. h. wenn die Aussichten auf Übernahme in den Staatsdienst gut sind, entscheiden sich viele Abiturient/-innen für den Lehrerberuf. Nach fünf bis sieben Jahren stehen dadurch weit mehr erfolgreich ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung, als Planstellen eingerichtet werden. Ein erheblicher Anteil wird in die Arbeitslosigkeit entlassen. Daraufhin warnt das Kultusministerium vor einem Lehramtsstudium … bis plötzlich wieder ein Bedarf entdeckt wird."

Im Sinne der Schüler und der jungen Lehrerkräfte muss eine zukunftsfähige Schul- und Bildungspolitik die dazu erforderliche Personalausstattung vorausschauend planen und flexible Ausbildungswege ermöglichen, die sorgsam mit den wertvollen Potenzialen der hoch motivierten Berufsanfänger umgeht.

Ansprechpartner

GEW Bayern

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