Neue Übertrittsbedingungen – Segen oder Fluch?

"Wir erwarten, dass die heute beschlossenen Neuerungen endlich Licht ins Dunkel des falsch verstandenen "Übertrittskampfes" bringen. Wir hoffen, dass die bayerische Landesregierung die Schüler und die Realität bei ihren Entscheidungen im Auge behalten und nicht den unreflektierten, ideologisierten Druck von außen.", so Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes anlässlich der heute stattfindenden Kabinettssitzung mit Beratungen zum Übertrittsverfahren.

03.03.2009 Pressemeldung Verband Reale Bildung

Die jüngsten Informationen zur Weiterentwicklung der Übertrittsbestimmungen lassen befürchten, dass noch mehr Schülerinnen und Schüler an die für sie nicht geeignete Schulart gelangen. Bereits jetzt sei laut Huber festzustellen, dass ein Teil der Neuzugänge an Realschulen besser an der Hauptschule gefördert werden könnte und den Anforderungen der Realschule nicht gewachsen sind. Wenn jetzt die Übertrittsbedingungen weiter gelockert werden, beziehungsweise der Elternwille gestärkt wird, sei zu erwarten, dass zusätzliche Kinder unnötigerweise mit einer großen Enttäuschung, häufig in der sensiblen Phase der Pubertät, Misserfolge erleben werden, die ihre Einstellung zur schulischen Arbeit nachhaltig prägen. "Das sollten wir unseren Kindern und Jugendlichen ersparen", so der Vorsitzende.

Ein weiteres Problem bei den Vorschlägen des Kultusministeriums sieht Huber darin, dass künftig pro Jahrgangsstufe mindestens 2 000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler die Realschule besuchen als bisher, was zu ungeahnten Problemen führt: Lehrermangel, Raummangel bis hin zur Abnahme der Qualität der Realschule.

"Es wäre doch viel vernünftiger, die Schullaufbahnentscheidung, die im Übrigen jetzt zu 80 % zu einer richtigen Entscheidung führt, so auszurichten, dass die Schwachpunkte beseitigt werden. Das Konzept des Bayerischen Realschullehrerverbandes sieht hierfür neue Elemente vor, welche mehr Objektivität und Transparenz brächten und vom Grundsatz des Aufstiegs durch Zusatzförderung ausgehen. Leider werden diese Vorschläge nicht beachtet, vielmehr gibt man Stück für Stück einer angeblich modernen Bildungspolitik nach", bedauert Vorsitzender Huber.

Einen Lichtblick sieht der Vorsitzende des brlv in der Grundüberzeugung von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, nämlich an der Leistungsorientierung festzuhalten und den Übertritt an Leistungskriterien auszurichten. Auch die Ablehnung der verlängerten Grundschulzeit, die laut Huber einem Irrweg gleiche, wird vom Bayerischen Realschullehrerverband begrüßt.

Sollten die neuen Übertrittsbedingungen allerdings in der schon angekündigten aufgeweichten Form beschlossen werden, benötigen die Realschulen sofort Tausend zusätzliche Planstellen. Diese dienen dazu, die Schülermehrung aufzufangen und gleichzeitig die vom Kultusministerium angekündigten Förderpakete umzusetzen. Im Übrigen ist damit zu rechnen, dass zusätzliche Klassenraumkapazitäten geschaffen werden müssen. Das Ziel, die großen Klassen abzubauen und somit die Lernatmosphäre und die individuelle Förderung zu verbessern, rückt damit in weite Ferne", schließt Huber.

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Verband Reale Bildung

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