Schulische Übergänge und Personalversorgung am Gymnasium: zentrale Themen der Hauptversammlung des Bayerischen Philologenverbandes
Aus Sicht der Lehrerschaft stellt die angespannte Personalversorgung nach übereinstimmender Meinung der 200 derzeit in Bayreuth tagenden Delegierten das Bayerischen Philologenverbandes (bpv) das aktuell drängendste Problem der Gymnasien und beruflichen Oberschulen im Freistaat dar. In der oberfränkischen Stadt hält der Berufsverband der Lehrkräfte an Gymnasien, beruflichen Oberschulen und Hochschulen heuer seine Jahreshauptversammlung ab. Zum Auftakt der dreitägigen Arbeitssitzung forderte der Vorsitzende Max Schmidt: "Schüler wie Lehrer leiden seit Jahren unter dem Mangel an derzeit rund 1.000 Lehrern.
14.11.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Allein an den rund 300 staatlichen Gymnasien können mehr als 20.000 Unterrichtsstunden pro Woche nicht durch qualifizierte Gymnasiallehrer gehalten werden." Es wundere ihn nicht, dass trotz großer Anstrengungen der Lehrkräfte unter diesen Umständen Klagen über die derzeitigen Lern- und Arbeitsbedingungen an den Gymnasien erhoben würden. Schmidt beklagte, dass durch den Lehrermangel positive Ansätze wie die Förderung in den Intensivierungsstunden und der stete Ausbau der Hausaufgabenbetreuung an den Gymnasien überdeckt würden.
Von der Staatsregierung erwartet der Philologenverband, den großen Nachholbedarf der Gymnasien bei der Personalzuweisung in den nächsten Jahren vollständig zu berücksichtigen. "Wir brauchen an unseren Schulen jeden einzelnen der 1.600 Lehrer, die das Auslaufen des neunjährigen Gymnasiums im Jahr 2011 theoretisch freisetzt", sprach sich der Verbandsvorsitzende vehement gegen das Einziehen oder Verlagern dieser Stellen aus. Für diese Forderung erwarte die Lehrerschaft die tatkräftige Unterstützung durch Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Von Kultusminister Dr. Spaenle erwarten sich die Verbandsmitglieder im Rahmen der notwendigen Unterstützung aller Schularten kraftvolle Schritte zu einer Stärkung des Gymnasiums. Bei der Festveranstaltung des Verbandes am Freitagnachmittag wird der neue Kultusminister zum ersten Mal in größerem Rahmen den Kontakt zur bayerischen Gymnasiallehrerschaft suchen.
bpv-Konzept für Übertritt: Ganztagsgrundschulen, Probeunterricht, landesweite Tests und engere Kooperation mit Grundschullehrern als zentrale Elemente
Das Thema "gymnasiale Übergänge" stellt einen weiteren Schwerpunkt der Beratungen dar. Einhelliges Lob zollten die Delegierten dem Beschluss der neuen Staatsregierung, am generellen Übertritt nach der vierten Grundschulklasse festzuhalten. "Wir wollen für jedes Kind die die Wahl der passenden Schulart gewährleisten, in der es die optimale Förderung erfahren kann", betonte Schmidt. Bei der angekündigten Neugestaltung des Übertritts von der Grundschule an das Gymnasium und der Schaffung sogenannter Gelenkklassen sollen nach dem Willen des Philologenverbandes folgende Grundsätze berücksichtigt werden:
- Ausbau der Grundschulen zu Ganztagsschulen, da im Ganztagsbetrieb die Chancen auf den Abbau sozialer Disparitäten bis zum Ende der vierten Grundschulklasse und eine bessere Sprach- und Leseförderung gerade für Schüler mit Migrationshintergrund am größten sind.
- Die weiterführenden Schularten müssen in ihrer Arbeit auf einem verlässlichen Fundament an Kenntnissen und Fähigkeiten der Grundschule aufbauen können. Die Grundschule muss dieses Fundament zukünftig landesweit gewährleisten.
- Wegen ihres hohen Prognosewertes muss an der Bedeutung der Leistungen in den Fächern Deutsch und Mathematik für die Übertrittsempfehlungen festgehalten werden. In diesen Fächern spricht sich der Philologenverband für die Mitheranziehung eines landesweiten, standardisierten Tests aus. Er soll die Vergleichbarkeit und Prognosekraft dieser Leistungsbewertungen zu erhöhen helfen.
- Die Möglichkeit des Probeunterrichts bei Kindern ohne Empfehlung für die gewünschte Schulart soll erhalten bleiben. Beim Probeunterricht sollte zusätzlich zu den bisherigen Alternativen bestanden/nicht bestanden die Möglichkeit zugelassen werden, im Zweifelsfall Schüler auf Probe bis zum Schuljahresende in die fünfte Jahrgangsstufe aufzunehmen.
- Eine vollständige oder überwiegende Freigabe des Elternwillens wird abgelehnt. In dieser Haltung sieht sich der Philologenverband durch den ehemaligen deutschen PISA-Leiter Prof. Dr. Baumert bestätigt: " Die Lehrerempfehlung (ist) sozial gerechter, als wenn Eltern die Übergangsentscheidung allein treffen." Außerdem würde dies die Rückläufer-, Nichtversetzungs- und Abbrecherquoten an den weiterführenden Schulen in die Höhe treiben.
- Das Zusammenwirken von Grundschullehrkräften und Lehrkräften der aufnehmenden Schulen ist deutlich zu verbessern. Dies betrifft zum einen das unbedingt wieder erforderliche persönliche Mitwirken von Grundschullehrkräften am Probeunterricht, zum anderen die engere Vernetzung und Möglichkeiten zum laufenden Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den Lehrkräften der verschiedenen hularten.
Begrenzung der Klassengrößen wichtige Voraussetzung besserer Studienvorbereitung
Fachlich gut vorbereitet sieht sich die bayerische Gymnasiallehrerschaft auf die neue gymnasiale Oberstufe. In ihr soll ab 2009 mit dem sogenannten W-Seminar der wissenschaftspropädeutische Ansatz des Gymnasiums noch stärker als bisher dadurch sichtbar werden, dass hochschultypisches Arbeiten bis hin zum möglichst selbstständigen Erarbeiten und Erforschen von Themen Einzug in die Oberstufe finden. Allerdings steht und fällt das Konzept mit den Rahmenbedingungen, unter denen Schüler und Lehrer arbeiten können. Der Philologenverband fordert daher Obergrenzen bei den Teilnehmerzahlen: Bereits zugesagt hat die Staatsregierung, die Forderung des Verbandes nach der Begrenzung der Seminare auf maximal 15 Schüler. Nach Ansicht der Lehrerschaft muss diesem ersten Schritt die Verpflichtung auf maximal 20 Schüler in den Abitur- und 25 Schüler in den anderen Fächern folgen. "Der Kampf um kleinere Klassen am Gymnasium muss in den oberen Jahrgangsstufen ansetzen", betonte Schmidt im Hinblick auf die angestrebte Verbesserung des Übergangs an die Hochschulen.
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