Neue Wege aus der PISA-Misere

Neuntklässler am Gymnasium fabrizieren in ihrem dritten Französischjahr eine viel beachtete deutsch-französische Schülerzeitung im Internet. Grundschüler geben sich in Schreibkonferenzen gegenseitig Tipps für ihre Texte. Mädchen und Jungen einer sechsten Realschulklasse wetteifern im Rezensieren von Büchern. Hauptschüler verfassen umfangreiche Projektberichte und profilieren sich damit gleichzeitig für den Arbeitsmarkt. – Wo sind denn hier die viel zitierte Leseunlust und die Schreibprobleme Heranwachsender, die doch in der PISA-Studie überdeutlich wurden?

21.04.2004 Pressemeldung edition Körber-Stiftung

Dass es eben auch anders geht, zeigt der neue Band der edition Körber-Stiftung: "Schreiben(d) lernen. Ideen und Projekte für die Schule". Der Herausgeber und Schreibpädagoge Prof. Dr. Gerd Bräuer regt darin an, in Deutschland den Umgang mit Texten neu zu gestalten und nach amerikanischem Vorbild schulische Schreib- und Lesezentren einzurichten. Gemeinsam mit erfahrenen Didaktikern und Schulpraktikern präsentiert er erfolgreich erprobte Konzepte und leicht umsetzbare Methoden: Schreiben in der Projektarbeit, Projektprüfungen, Portfolio im Fachunterricht, Schreibkonferenzen, Textfeedback, Schreiben für die mehrsprachige Schülerzeitung oder Schüler als Schreibberater. Entstanden ist so ein motivierendes Grundlagenwerk für Lehrerinnen und Lehrer aller Schultypen und Unterrichtsfächer.

Für sein Konzept des schulischen Schreib- und Lesezentrums wurde Gerd Bräuer 2000 im Transatlantischen Ideenwettbewerb USable der Körber-Stiftung ausgezeichnet. Seine langjährige Erfahrung als Do- zent für German Studies an der Emory University in Atlanta hat er seit 2001 in den Aufbau des Schreibzentrums der Pädagogischen Hochschule Freiburg eingebracht - und nun in die neue Publikation.

Dass neue Wege in der deutschen Schreibpädagogik nötig sind, davon ist Gerd Bräuer überzeugt: "Schreibenkönnen wird bei uns immer noch einfach vorausgesetzt, die Vermittlung von Schreibfähigkeit allenfalls in den Deutschunterricht oder das Germanistikstudium ver- bannt." Im amerikanischen Bildungssystem hingegen, wo Schreiben längst als eine zentrale Schlüsselqualifikation behandelt wird, werden Schreibfertigkeiten grundlegend und fächerübergreifend vermittelt - zum Beispiel in Schreib- und Lesezentren. Schüler und Studenten erhalten hier konkrete Unterstützung beim Verfassen und Überarbeiten von Texten oder Hilfe bei Schreibblockaden. Sie lernen aber auch, ihre Erkenntnisse und Projekterfahrungen gerade während des Schreibens zu reflektieren - und eignen sich damit Wissen schneller, intensiver und nachhaltiger an. Im Mittelpunkt der Schreibpädagogik stehen also nicht, wie oft noch in Deutschland, die Arbeitsergebnisse, sondern auch die Lernerfolge während des Schreibprozesses.

"Schreiben(d) lernen" ist Band 6 der "Amerikanischen Ideen in Deutschland", der Schriftenreihe des Transatlantischen Ideenwettbewerbs USable. Seit 1998 sucht die Körber-Stiftung mit diesem Wettbewerb innovative Projekte und Ideen aus den USA, die auch in Deutschland das gesellschaftliche Miteinander verbessern können. Pro Ausschreibung stellt die Stiftung 150.000 Euro für Preise und die Förderung der "nützlichen" (englisch = usable) Ideen zur Verfügung. Im Juni 2004 findet die Preisverleihung der vierten Ausschreibungsrunde zum Thema "Zusammen leben: Integration und Vielfalt" statt. Infos unter www.usable.de


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