Noch weit entfernt von Chancengleichheit
(red/pm) Einer neuen Studie zufolge sind die Bildungschancen in Deutschland weiterhin höchst ungleich verteilt. Von Chancengleichheit kann noch lange keine Rede sein.
12.03.2012 ArtikelWie die Bertelsmann Stiftung heute auf ihrem Online-Portal mitteilt, hat sie gemeinsam mit dem Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund die Schulsysteme aller Bundesländer auf Chancengerechtigkeit untersucht.
Dieser sogenannte Chancenspiegel versucht erstmals für Deutschland, Chancengerechtigkeit zu erfassen und vergleichbar zu machen. Dafür haben die IFS-Wissenschaftler um Professor Wilfried Bos für jedes Bundesland analysiert, wie gerecht und wie leistungsstark das dortige Schulsystem ist.
In insgesamt vier Dimensionen werden Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der Schulsysteme bewertet: Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe. An ihnen sei abzulesen, wie integrativ Schulsysteme sind, ob sie soziale Nachteile wettmachen, Klassenwiederholungen und Schulabstiege vermeiden, welche Lesekompetenzen sie vermitteln, wie viele Schüler sie zur Hochschulreife führen oder wie erfolgreich insbesondere Schulabgänger ohne oder nur mit Hauptschulabschluss sind, einen Ausbildungsplatz zu finden.
Für das Ausmaß der Unterschiede werden einige Beispiele genannt: In Sachsen-Anhalt ist der Anteil der Kinder, die auf einer separaten Förderschule unterrichtet werden und keinen Zugang zur Regelschule haben, nahezu drei Mal höher als in Schleswig-Holstein. Und in Sachsen besuchen drei von vier Schülern eine Ganztagsschule, in Bayern nicht einmal jeder zehnte.
Ein regionales Gefälle zeigt sich demnach auch im Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lesekompetenz, der in Bremen fast doppelt so hoch ist wie in Brandenburg. Eine Hochschulzugangsberechtigung erreichen in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, im Saarland und in Baden-Württemberg jeweils mehr als die Hälfte der Schüler – in Mecklenburg-Vorpommern nicht einmal 36 Prozent.
In Sachsen etwa ist das Schulsystem vergleichsweise durchlässig: Die Chancen für Kinder aus unteren Sozialschichten auf einen Gymnasialbesuch sind relativ gut, nur wenige Schüler bleiben sitzen. Sachsen überzeugt aber nicht nur in dieser Gerechtigkeitsfrage, sondern auch bei der Kompetenzförderung. Sowohl die leistungsstärksten als auch die leistungsschwächsten Schüler gehören deutschlandweit zu den Besten ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe.
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- Chancenspiegel
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