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Ob digital, analog oder hybrid: „Lernen wird mobil“

Lehrkräften kann es helfen, den eigenen Unterricht so konzipieren, als ob dieser in jedem Setting stattfinden könnte, sagt Micha Pallesche. Denn er ist sich sicher: Lernen kann nicht mehr nur im Klassenraum stattfinden.

26.04.2021 Bundesweit Artikel Martin Stengel
  • © Frank Thissen Micha Pallesche ist Medienpädagoge und Mitglied einer Arbeitsgruppe des „Forum Bildung Digitalisierung“. Sie unterstützt und berät die Kultusministerkonferenz beim Prozess zur Strategie “Bildung in der digitalen Welt”.

    Dieses Bild kann unter Angabe der Bildquelle für die redaktionelle Berichterstattung im Rahmen des Interviews verwendet werden.

Herr Pallesche, Sie arbeiten an der Ernst Reuter Schule Karlsruhe, die sich als Medienschule versteht. Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung?
Wir nutzen digitale Medien als zentrales Element in unseren Lernprozessen und haben uns deshalb auch selber als Medienschule benannt. 2017 wurden wir als erste Smartschool in Baden-Württemberg von der Bitkom ausgezeichnet.

Sie haben Medienpädagogik als Zusatzstudium studiert und waren lange Jahre neben ihrem Lehrberuf an das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg abgeordnet. Wie hat das ihren Blick auf den Lehrerberuf verändert?
Als Referent im Landesmedienzentrum war ich an vielen Schulen unterwegs. Das hat mir geholfen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und die Medienlandschaft besser kennenzulernen. Und diese Erfahrungen konnte ich dann auch in unsere Schule einbringen.

Was müsste sich an der schulischen Medienbildung ändern, um diesen Transformationsprozess zum einen zu beschleunigen, aber zum anderen auch die Schülerinnen und Schüler auf den Arbeitsmarkt 4.0 vorzubereiten?
Lehr- und Lernprozesse verändern sich. Lernen findet in gemeinschaftlichen und ko-kreativen Prozessen statt. Das müssen Schülerinnen und Schüler später am Arbeitsmarkt auch machen, nämlich gemeinsam komplexe Probleme lösen. Das bedeutet natürlich auch eine komplette Veränderung des Lernsettings: Lernen kann nicht mehr nur im Klassenraum stattfinden, sondern überall. Lernen wird mobil. Das sind neue Gedanken und die spannende Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer besteht darin, sich dieser Sache zu öffnen. Das heißt aber auch, die Formen der Leistungsmessung zu überprüfen. Wie können wir die Leistung in gemeinschaftlichen Prozessen messen? Wir müssen zeitgemäße, moderne Prüfungsformate im Sinne einer Kultur der Digitalität schaffen.

Was sollte bleiben, wenn diese Pandemie vorbei ist? Was sollten die Lehrkräfte mitnehmen und wo sehen Sie noch Änderungsbedarf?
Ich habe zwei große Learnings aus Corona: Das eine ist, auch in Zukunft Lernorte zu definieren. Schule ist einer davon, aber nicht mehr der alleinige. Das zweite ist, die Nebenfächer sichtbarer zu machen, indem wir sie besser miteinander verknüpfen. Wir haben das sogenannte themenorientierte Arbeiten eingeführt. Dabei bündeln wir verschiedene Nebenfächer, beispielsweise Physik, Biologie und Chemie, und beleuchten Phänomene und Themen aus den unterschiedlichen Fachperspektiven. Dafür lassen wir uns einen ganzen Vormittag Zeit. So wird das Lernen nachhaltig. Allerdings habe ich auch eine Befürchtung für die Zeit nach Corona. Denn es besteht die Gefahr, dass viele Schulen zu alten Mustern zurückkehren und dann auf einmal ganz viel Technik haben, sogar Technikschrott, den sie nicht mehr nutzen.

Haben Sie einen Tipp für die Lehrkräfte, die sich mit der digitalen Transformation noch schwertun und sich vielleicht auch in diese alten, vor-digitalen Zeiten zurücksehnen?
Corona hat es geschafft, dass sich die meisten Lehrerinnen und Lehrer mit Technik befasst haben, und zwar in einer Art und Weise, wie sie es vorher nie gemacht haben und auch nie mussten. Das hat so ein bisschen die Hemmschwelle gesenkt. Konkret könnte es helfen, seinen Unterricht so zu überdenken, dass er eigentlich in jedem Setting stattfinden könnte, egal ob analog, digital oder hybrid. Wenn sie dann noch die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts in den Fokus nehmen und ihren Unterricht darauf ausrichten, also beispielsweise sich die Frage stellen, wie Unterricht kreativer und kooperativer gestaltet werden kann, dann sind sie auf einem sehr guten Weg.

Hier finden Sie das Interview in Bild und Ton: 

Über die didacta 2021
Die didacta 2021 ist das virtuelle Live-Event für die Bildungsbranche. Vom 10. bis 12. Mai 2021 führt Europas führende Bildungsmesse wieder Lehrkräfte, ErzieherInnen, AusbilderInnen sowie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Starke PartnerInnen aus Bildungsinstitutionen, Ministerien, Lehrer- und Fachverbänden und der Bildungswirtschaft sowie innovative BranchenexpertInnen präsentieren auf der Online-Plattform an drei Tagen ihre neuesten Produkte und Bildungskonzepte. Teilnehmende erhalten in Live-Chats Beratung von jedem Ort der Welt. Ein umfassendes Programm mit spannenden Diskussionen, Key Notes und lösungsorientierten Produktpräsentationen thematisiert aktuelle Entwicklungen, bietet Möglichkeiten zum Dialog und zeigt Wege für Gegenwart und Zukunft. Die Veranstaltung wird unterstützt vom Kultusministerium Baden-Württemberg.

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10.05.2021
11 Uhr bis 11:30 Uhr

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2021 finden Sie unter www.didacta.digital und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2021 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de.



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