Olbertz: Weitere Profilierung der Sekundarschule steht jetzt im Mittelpunkt
"Die Organisation und Durchführung des Doppelabiturs war ein Meisterstück der Gymnasien des Landes im vergangenen Schuljahr", sagte Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz heute bei seiner Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn. "Ich möchte deshalb allen Beteiligten, insbesondere den Schulleiterinnen und Schulleitern, allen Lehrerinnen und Lehrern in den Gymnasien, den Verantwortlichen der Schulabteilung im Landesverwaltungsamt und des LISA für die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderung danken."
22.08.2007 Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-AnhaltWie Olbertz informierte, haben an den Abiturprüfungen in den Gymnasien, Gesamtschulen, Abendgymnasien und Kollegs insgesamt 14.705 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Hiervon haben 13.969 (95%) das Abitur bestanden. Die erzielten Noten des diesjährigen Doppelabiturjahrgangs reichen von 1,0 (135 Schülerinnen und Schüler) bis 3,8 (4 Schülerinnen und Schüler). Ein " sehr gutes" Abitur (1,0 bis 1,4) haben 914 Schülerinnen und Schüler geschafft. Der Landesdurchschnitt liegt bei 2,45. Damit liegen die Ergebnisse nur leicht über dem Landesdurchschnitt des Abiturjahrgangs 2006 (2,41).
Interessant sei die Tatsache, dass sich die Durchschnittsergebnisse der Schülerinnen und Schüler, die nach der 12. oder der 13. Klasse ihr Abitur abgelegt haben, kaum voneinander unterscheiden. So erzielten die Abiturienten nach 12-jähriger Schulzeit eine Durchschnittsnote von 2,47 und die Abiturienten der 13. Klassen einen Durchschnitt von 2,43. Olbertz: "Das zeigt, mit welcher Sachkenntnis, Umsicht und Präzision die gesamte Systemumstellung von 13 auf 12 Jahre in Sachsen-Anhalt, die mit einer Reform der gymnasialen Oberstufe verbunden war, durch alle Verantwortlichen bewältigt wurde."
Olbertz informierte auch über Schwerpunkte der Arbeit des Ministeriums im kommenden Schuljahr. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stünde weiterhin die Profilierung der Sekundarschule. " Zum Einen arbeiten wir intensiv an einer grundlegenden Erneuerung der Lehrpläne der Sekundarschule, und zum Anderen geht es darum, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler diese Schulform erfolgreich abschließen können. In Sachsen-Anhalt verlassen gegenwärtig 7 % der Schülerinnen und Schüler die Sekundarschule ohne Abschluss. Insgesamt liegt die Quote der Schulabgänger, die gar keinen Abschluss erlangen, bei 5,5 % (Schuljahr 2005/2006). Damit sei eine positive Entwicklung zu den Vorjahren deutlich erkennbar, doch bestünde insgesamt noch kein Anlass zur Zufriedenheit, so Olbertz. Umso wichtiger sei es, die Berufsorientierung an den Schulen zu verstärken, aber auch mit einer Ausweitung des so genannten Produktiven Lernens den Schülerinnen und Schülern neue Möglichkeiten zu eröffnen, einen Schulabschluss zu erwerben. "Dabei spielt eine enge Verzahnung zwischen Schule und Wirtschaft eine Schlüsselrolle. Im Herbst wird sich deshalb ein 'Bildungsgipfel Schule-Wirtschaft' mit dieser Thematik beschäftigen.
Es müsse wieder stärker ins Bewusstsein auch der Eltern gerückt werden, dass die Sekundarschulen gegenüber dem wissenschaftlich geprägten Profil der Gymnasien ein modernes Konzept praktischer Allgemeinbildung bieten. "Hier stehen wir vor der Aufgabe, die dafür bedeutsamen "Realien" neu zu bestimmen", so der Minister. Dazu gehörten neben den muttersprachlichen Grundfähigkeiten z.B. Medienkompetenz, Kenntnis von Naturgesetzen, kaufmännisches Grundwissen, handwerkliches Können, Kommunikationsgeschick und moderne Fremdsprachen. Voraussetzung dafür sei eine stärkere Konzentration auf diese Kompetenzbereiche in den Lehrplänen, um mehr Zeit für das Wiederholen, Üben und Festigen zu gewinnen. "Deshalb ist die Entlastung der Lehrpläne zu Gunsten des Erwerbs elementaren Wissens und grundlegender Handlungskompetenzen eine so wichtige Aufgabe im Rahmen der laufenden Lehrplanreform."
Als ein weiteres Schwerpunktthema bezeichnete Olbertz die Schulentwicklungsplanung der kommenden Jahre. "Die besonders geburtenschwachen Jahrgänge der frühen 90er Jahre", so der Minister, "werden die Schulen zum Ende des Planungszeitraums 2008/09 durchlaufen haben. Daher liegt auch der größte Teil der Schulfusionen und -schließungen von Schulen inzwischen hinter uns. Im Bereich der berufsbildenden Schulen aber ist noch eine Menge zu tun, denn dort werden in den nächsten Jahren die letzten geburtenstarken Jahrgänge das System verlassen. Außerdem müssen bis 2008/09 die derzeitigen Schulentwicklungspläne zügig und konsequent umgesetzt werden. Um so schneller kann sich das so entstehende Netz der Standorte der einzelnen Schulformen stabilisieren. Das wird sich auch positiv auf die längerfristige Planung der pädagogischen Arbeit an den Schulen auswirken", so der Minister.
Die Stabilisierung des Schulnetzes nach 2008/09 könne nicht einfachen statistischen Ableitungen aus der demografischen Entwicklung folgen, sagte Olbertz. Zum Einen stehe der politische Wille der Koalitionsfraktionen sowie der Landesregierung hinter dem Ziel des Erhalts möglichst vieler Schulstandorte. Zum Anderen könne man diese Stabilisierung nur erreichen, wenn in besonders dünn besiedelten Regionen differenzierte Möglichkeiten eröffnet würden. Olbertz: "Das heißt, dass in bestimmten Regionen im Lande, die über reine geringe Besiedlungsdichte und schon heute wenige Schulen verfügen, nach 2008/09 für weiterführende Schulen an Einzelstandorten Kriterien festgelegt werden müssen, die ein Abweichen von der heute verbindlichen zulässigen schulischen Mindestgröße erlauben. Dieses Modell einer regional differenzierenden Schulentwicklungsplanung soll Grundlage einer überarbeiteten Schulentwicklungsplanungsverordnung bis 2013/14 werden."
Weiterhin informierte Olbertz über Initiativen zur Stärkung der Demokratieerziehung an den Schulen Sachsen-Anhalts, über Grundzüge des bevorstehenden Schulbauprogramms aus europäischen Strukturfondmitteln sowie über ein Programm zur Vermeidung von Schulversagen/Schulverweigerung und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs, das gemeinsam mit dem Sozialministerium vorbereitet wird.
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