Pilotphase der Schulinspektion gestartet

Mit dem heutigen Tag ist in Hessen eine neue Qualitätsstufe von Schulentwicklung erreicht: Die Schulinspektorinnen und -inspektoren haben ihre Arbeit begonnen. Als erste hessische Schule unterzieht sich die Gesamtschule Battenberg (Eder) vom 29. November bis 1. Dezember einer umfassenden Qualitätsanalyse. In den folgenden Monaten werden fünf speziell geschulte Inspektorenteams unter Leitung des Instituts für Qualitätsentwicklung (IQ) zunächst rund 50 hessische Schulen besuchen. Die Ergebnisse dieser Pilotphase sind die Grundlage für den flächendeckenden Start der Schulinspektion im Schuljahr 2006/07.

30.11.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Der kritische Blick von außen ist im Hinblick auf die Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen besonders wichtig", erklärte Kultusministerin Karin Wolff am Mittwoch in Battenberg. "Wenn die Schulen schrittweise mehr Entscheidungsfreiheit in pädagogischen, personellen, finanziellen und organisatorischen Fragen erhalten, übertragen wir ihnen damit auch eine größere Verantwortung für die Ergebnisse ihrer Anstrengungen." Um die Vergleichbarkeit schulischer Entwicklung zu gewährleisten, sei nicht nur eine interne Überprüfung der Zielvorgaben notwendig, sondern auch ein externer "Schul-TÜV" nach festgelegten Kriterien und mit Hilfe standardisierter Instrumente.

Ziel der Schulinspektion ist es, die Stärken und Schwächen der einzelnen Schule zu ermitteln und ihnen wichtige Impulse für die weitere Schulentwicklung zu geben. "Dabei geht es nicht um die Leistungen und die Bewertung einzelner Personen, sondern um die Schule als Ganzes", hob die Ministerin hervor. Die Inspektorinnen und Inspektoren bewerten sowohl äußere Rahmenbedingen wie das Schulumfeld, die Zusammensetzung der Schülerschaft, das Bildungsangebot am Standort und die Räumlichkeiten der Schule als auch schulspezifische Merkmale wie die Schulkultur, die Professionalität der Lehrkräfte und die Schülerleistungen.

Die Inspektorenteams der Pilotphase setzen sich aus drei bis vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IQ, der Staatlichen Schulämter sowie Schulleiterinnen und Schulleitern zusammen, die im Vorfeld an entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen haben. Dabei bewerten die Vertreter der Staatlichen Schulämter und der Schulleitungen grundsätzlich nur Schulen außerhalb ihres eigenen Schulamtsbezirks.

Der mehrtägigen Schulinspektion geht ein Besuch des Inspektorenteams voraus, das die Schule über den geplanten Ablauf informiert. Vor dem Schulbesuch werten die Inspektoren zunächst Daten und Unterlagen aus, die ihnen von den Schulen zur Verfügung gestellt werden, um sich u. a. anhand von Schüler-/Lehrerzahlen, den Ergebnissen von Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten oder Absolventenquoten sowie dem Schulprogramm einen ersten Eindruck von der Schule zu verschaffen. Schwerpunkt der Inspektion vor Ort bilden Unterrichtsbesuche, bei denen die Inspektoren die Unterrichtsqualität der gesamten Schule in den Blick nehmen. Weitere Bestandteile sind ein Rundgang durch das Schulgebäude und über das Schulgelände sowie Interviews mit der Schulleitung, den Lehrkräften, Eltern, Schülern und Angestellten der Schule, deren Meinung auch in schriftlicher Form mittels Fragebögen erfasst wird. Die Schule erhält darüber hinaus die Möglichkeit, den Inspektoren ihre Vorzüge und Besonderheiten im Rahmen einer Schulpräsentation vorzustellen.

Grundlage der Qualitätsanalyse sind Erkenntnisse der Bildungsforschung und Qualitätskonzepte anderer europäischer Länder. Der Referenzrahmen "Schulqualität", der den Schulinspektoren als "Maßstab" dient, umfasst insgesamt sieben schulische Qualitätsbereiche: "Voraussetzungen und Bedingungen", "Entwicklungsziele und Strategien", "Führung und Management", "Professionalität", "Schulkultur", "Lehren und Lernen" sowie "Ergebnisse und Wirkungen schulischer Bildungs- und Erziehungsarbeit". Allen sieben Bereichen sind konkrete Kriterien und Indikatoren zugeordnet sowie Methoden und Instrumente, mit denen die jeweiligen Merkmale erhoben werden können. Ein Kriterium des zweiten Qualitätsbereichs ist beispielsweise das Schulleitbild. In Interviews oder bei der Auswertung von Schuldokumenten und -publikationen gehen die Inspektorinnen und Inspektoren der Frage nach, ob ein solches Leitbild existiert, wo es Verbreitung findet und inwieweit es in der Schulgemeinde bekannt ist.

Erste Ergebnisse der Schulinspektion erfahren die Schulen noch vor Ort in einem Abschlussgespräch. Alle Beobachtungen und Analysen fließen in einen Inspektionsbericht ein, der den Qualitätsstand der Schule beschreibt: Dabei werden sowohl Bereiche berücksichtigt, in denen sich die Schule durch hohe Standards auszeichnet und die als "Good-Practice-Beispiele" gewertet werden als auch Bereiche, in denen Verbesserungsbedarf besteht. Auf Wunsch kann der Bericht um eine Stellungnahme der Schule bzw. des Staatlichen Schulamts ergänzt werden. Der Inspektionsbericht ist Ausgangspunkt für konkrete Zielvereinbarungen, die das Staatliche Schulamt mit der Schule erarbeitet. Gemeinsam wird über die erforderlichen Schritte für ein erneuertes Schulprogramm beraten, dessen Umsetzung nach einem vereinbarten Zeitraum wieder vom IQ überprüft wird.

"Die Pilotphase liefert wichtige Erfahrungswerte für die flächendeckende Einführung der Schulinspektion im kommenden Schuljahr", erklärte die Ministerin. Drei- bis fünfköpfige Teams aus haupt- und nebenamtlichen Inspektoren sollen dann alle hessischen Schulen im Abstand von drei bis fünf Jahren regelmäßig bewerten. Neben dem Kernteam aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IQ, der Staatlichen Schulämter sowie Schulleiterinnen und Schulleitern können dann zum Beispiel auch Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft oder Eltern als Inspektoren tätig werden. "Ziel ist eine kontinuierliche Qualitätsanalyse und -verbesserung der hessischen Schullandschaft. Nur wenn wir mit vereinten Kräften eine Kultur der Anstrengung und Leistung etablieren, können wir dieses gemeinsame Ziel erreichen", sagte Wolff.


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