PISA-I-Plus - Zum Untersuchungsbericht zur Kompetenzentwicklung im Verlauf eines Schuljahres

Die internationalen PISA-Vergleichsstudien dokumentieren in den getesteten Kompetenzbereichen immer nur den Kenntnis- und Wissensstand der Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt. Alle drei Jahre liefert die Studien Ergebnisse über den Bildungsstand 15-jähriger Schüler, d.h. es sind immer andere Schüler an den Tests beteiligt. Dadurch kann nicht verfolgt werden, wie sich z.B. die am Pisatest 2003 beteiligten 15-jährigen Schüler entwickeln.

20.11.2006 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Aus diesen Gründen hat das PISA-Konsortium Deutschland mit der Kultusministerkonferenz (KMK) verständigt, die 2003 getesteten Schüler unter fast gleichen Bedingungen im Jahr 2004 noch einmal zu testen, um deren Lernfortschritte zu untersuchen. Eine "Stichprobe" von Schülerinnen und Schülern (beziehungsweise von Klassen) wurde also im Verlauf eines Jahres zweimal getestet werden: am Ende der 9. und am Ende der 10. Jahrgangsstufe, also am Ende der Sekundarstufe I.

Die heute vorgestellte, als PISA-I-Plus bezeichnete Teilstudie ergänzt somit die anderen Komponenten der Untersuchung in Deutschland: den internationalen Vergleich (PISA-I) und den nationalen Vergleich.

Da nicht in allen Bundesländern die Hauptschule als alleinige Schulform existiert bzw. keine 10. Klassenstufe beinhaltet, wurden die Hauptschulen in dieser Untersuchung ausgeklammert. Das ist zwar für Thüringen nicht von Bedeutung, bundesweit aber bedenklich, weil dadurch für eine große Risikogruppe der Pisa I und Pisa-E Studie keine Ergebnisse vorliegen. Bedenkt man, dass außerdem die Förder- und die Berufsschulen auch nicht untersucht wurden, dann schränkt diese die Aussagefähigkeit der heute vorgestellten Studie stark ein. Welche Schülerinnen und Schüler wurden überprüft?

Untersucht wurden somit vier Schultypen:

  • Schulen mit mehreren Bildungsgängen (dazu gehört die Regelschule)
  • Realschulen
  • Gymnasien
  • Integrierte Gesamtschulen.

Getestet wurden nur Schüler, die an diesen Schulen innerhalb eines Jahres von der 9. in die 10. Klassenstufe gewechselt sind. Insgesamt waren es insgesamt 6020 Schüler/innen deutschlandweit aus 275 Klassen an 152 Schulen. Es wurden nur Schüler einbezogen, die an allgemein bildenden Schulen innerhalb eines Jahres von der 9. in die 10. Klassenstufe gewechselt sind und die in der besuchten Schulart einen mittleren Bildungsabschluss erwerben konnten. Wie viel Schüler aus Thüringen beteiligt waren, ist der GEW nicht bekannt.

Die drei zentralen Ergebnisse

Wie bei Pisa 2003 wurden hauptsächlich die mathematische und die naturwissenschaftliche Kompetenz untersucht. Vereinfacht ausgedrückt liefert die Studie für Deutschland folgende Ergebnisse:

Mathematische Kompetenz

Rund 60% der Schüler der getesteten Schularten haben sich weiter entwickelt, d.h. sie haben das dazugelernt, was man in einem Schuljahr dazu lernen sollte. Zwei Drittel davon weisen einen deutlichen Leistungszuwachs auf. Die Kehrseite ist, dass 40% der Schüler sich nicht weiter entwickelt haben, teilweise sogar schlechtere Leistungen zeigen als 2003.

Naturwissenschaftliche Kompetenz

Hier ist die Leistungsspreizung nicht so groß wie in Mathematik. Rund 80 % der Schüler konnte mehr oder weniger gute Leistungszuwächse nachweisen (44% haben entwickelten sich "überdurchschnittlich" weiter). Auch hier die Kehrseite: Bei 19% ist eine Verschlechterung der Leistungen nachzuweisen.

Soziale Herkunft und Bildungsergebnisse

Seit PISA 200 ist ja der fatale Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland Thema der öffentlichen Debatte, allerdings bisher ohne greifbare Verbesserungen. Das wird auch nicht eintreten, solange am selektiven Bildungssystem unbeirrt festgehalten wird. Die heute vorgelegte Studie lässt keine Rückschlüsse auf das Problem zu, Verbesserungen der Situation sind aber weiter Fehlanzeige.

Fazit der GEW Thüringen

Die heute vorgelegte Studie PISA–I–Plus verfolgt eine interessantes Ziel, die Entwicklung des Schülers zu untersuchen. Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht aber wenig aussagekräftig weil:

  1. Drei Schularten (Hauptschulen, Förderschule, berufsbildenden Schulen) mit einem teilweise erheblichen Anteil leistungsschwächerer Schüler sind erst gar nicht untersucht worden.
  2. Die Anzahl der beteiligten Schüler und schulen zu gering war. Alarmierend, aber leider nicht neu, ist, dass wieder mehr als ein Fünftel der getesteten Schülerinnen und Schüler keinerlei Leistungszuwachs in einem Schuljahr verzeichnen können.

Insofern werden die Ergebnisse aller Vorgängerstudien bestätigt, neue Erkenntnisse liefert die Studie nicht und die Notwendigkeit des Umbaus des selektiven deutschen Schulsystems ist nach wie vor gegeben.

Auch PISA-I-Plus bietet für keinen Kultusminister einen Grund zur Zufriedenheit.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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