Kritik

„PISA ohne Mehrwert“

Lehrerverbandspräsident Josef Kraus: „Wir brauchen Bildung statt Testeritis.“ PISA als Sozialindikator völlig ungeeignet.

06.12.2016 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)
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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL) Josef Kraus hat sich in einer ersten Stellungnahme zu den aktuellen PISA-Ergebnissen wie folgt geäußert: „Es ist schön, wenn sich die deutschen PISA-Ergebnisse konsolidiert haben. Der Nutzen der PISA-Studien bleibt gleichwohl fragwürdig, denn PISA bildet nur einen minimalen Ausschnitt aus dem Bildungsgeschehen ab. 

Nicht erfasst wird mit PISA: sprachliches Ausdrucksvermögen, literarisches Verständnis, fremdsprachliches Können, historisches, wirtschaftliches, geographisches, religiöses/ethischen Wissen und ästhetische Bildung. Gerade diese mit PISA nicht erfassten Bereiche machen Allgemeinbildung und Persönlichkeitsbildung aus. Wir müssen also wieder den nicht messbaren und über-nützlichen Wert von Bildung betonen. PISA und eine OECD, die diesen Test – wohlgemerkt als Wirtschaftsorganisation! – trägt und propagiert, reduziert nämlich „Bildung“ auf sogenannte Kompetenzen, die man in einem globalisierten Unternehmen vermeintlich braucht. Das ist zu wenig.

Ich warne davor, Schulbildung immer noch mehr auf PISA-Testerei auszurichten. Überfällig wäre längst eine Offensive für Bildungsinhalte, die aus jungen Menschen kulturell und historisch-politisch mündige Bürger machen – durch einen anspruchsvollen, vielseitigen Unterricht sowie Zeugnisse, die keine bloßen Gefälligkeitsatteste sind. Jede weitere mit PISA begründete Reformhektik schadet. Sie verhindert eine nach Jahren der Hektik überfällige Konsolidierung der Schulen, und sie tut am meisten denjenigen jungen Leuten weh, die hinterherhinken.

Im Übrigen ist PISA als Indikator für die soziale Ausgewogenheit eines Bildungswesens völlig un-geeignet, denn PISA testet 15-Jährige. Damit wird aber nicht erfasst, dass in Deutschland aufgrund der vertikalen und damit auch sozialen Durchlässigkeit des Schulwesens fast 50% der Studierberechtigten kein Gymnasium besucht haben. Diese ausgeprägte vertikale Durchlässigkeit ist weltweit einmalig.“


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