PRO & CONTRA: Pädagogen light?

Die Umstellung auf die neuen Studiengänge Bachelor und Master wird nicht nur von Euphorie begleitet. So befürchtet der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, eine Verschlechterung der Lehrerausbildung, Prof. Dr. Klaus Jenewein von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hingegen fordert, dass sich die Lehrerausbildung den neuen Universitätsstrukturen nicht verschließen darf. Über „Pädagogen light? Der Bologna-Prozess und die pädagogischen Studiengänge“ werden beide Experten auf dem HOCHSCHULTAG der didacta diskutieren.

12.01.2006 Artikel
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Inhalt und Qualität entscheiden

Taugen die neuen Studienabschlüsse für die Lehrerausbildung?
Jenewein: Neue Abschlüsse taugen im Prinzip genauso gut für die Lehrerausbildung wie die alten. Eine moderne Lehrerausbildung benötigt eine erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Professionalität und fachwissenschaftliche Professionalität – und diese ist abhängig von den Ausbildungsinhalten und der Ausbildungsqualität und nicht von der Art ihrer Abschlüsse.

Ist der Bachelor (light) die einzige Rettung angesichts des hohen Lehrerbedarfs?
Jenewein: Die Diskussion der Verbandsvertreter über den Lehrer light ist aus meiner Sicht auf der Ebene der Studienabschlüsse völlig unangebracht. Wären die Bundesländer der Ansicht, dass ein sechssemestriges Studium für die Lehrertätigkeit reicht, hätten sie schon längst die Lehrerausbildung an die Fachhochschulen verlagern oder etwa FH-Absolventen einstellen können.

Wie sieht eine ideale Lehrerausbildung aus?
Jenewein: Die fachliche Ausbildung muss sich sinnvoll verbinden lassen mit der späteren beruflichen Tätigkeit im Arbeitsfeld Schule. Gleichzeitig ist eine hohe fachdidaktische und erziehungswissenschaftliche Professionalität unabdingbar. Aber: Der Lehramtsabschluss ist auch Voraussetzung für eine wissenschaftliche Karriere, z. B. auf der Grundlage einer Promotion. Auch deshalb ist es wichtig, dass sich die Lehrerausbildung den neuen internationalen Standards nicht verschließt – ansonsten besteht die Gefahr, dass die Lehrer in Zukunft Universitätsabsolventen zweiter Klasse sind und die forschungsorientiert ausgebildeten Master das Arbeitsmarktfeld Hochschule allein unter sich aufteilen.

Lehrermangel

Taugen die neuen Studienabschlüsse für die Lehrerausbildung?
Meidinger: Ich fürchte, dass die neuen Studienabschlüsse eher zu einer Verschlechterung der jetzigen Lehrerbildung beitragen. Denn dabei baut ein berufsorientiertes Studium auf ein Fachstudium auf. In der Lehrerbildung ist aber die durchgängige Verzahnung zwischen Erziehungswissenschaften, Fachdidaktik und den Fachwissenschaften notwendig.

Ist der Bachelor (light) die einzige Rettung angesichts des hohen Lehrerbedarfs?
Meidinger: Man hat in allen 16 Bundesländern versäumt, rechtzeitig Werbung für den Lehrerberuf zu betreiben. Kurzfristig ist dieser Mangel nun nicht behebbar. Aber die richtige Antwort kann nicht sein, die Qualität abzusenken, durch einen Lehrer light etwa, sondern man muss Seiteneinsteiger, Studienumsteiger bestmöglich nachqualifizieren. Das können allerdings nur Notmaßnahmen sein: Wir werden mit dem Lehrermangel die nächsten Jahre leben müssen, und ich fürchte, das wird das größte Problem sein, vor dem andere Probleme, wie etwa die PISA-Reformen, verblassen werden.

Wie sieht eine ideale Lehrerausbildung aus?
Meidinger: Die Lehrerausbildung leidet darunter, dass sie bislang insgesamt sehr unorganisiert war, abhängig davon, an welcher Universität man sie absolvierte. Trotz aller Bedenken sehen wir im Zuge der Diskussion um Bachelor/Master und die Reform der Studiengänge deshalb auch eine Chance in der Modularisierung. Wenn jede Universität ein Programm vorlegt, welche inhaltlichen Module in einer Lehramtsausbildung angeboten werden, dann ist die Ausbildung auch von Universität zu Universität vergleichbar und dadurch die Mobilität erhöht.


Weiterführende Links

  • 'Pädagogik' und 'Bachelor'
  • Homepage Prof. Dr. Klaus Jenewein
  • Deutscher Philologenverband

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