Rau: Keine Zusammenlegung von Haupt- und Realschule

Kultusminister Helmut Rau MdL hält am dreigliedrigen Schulsystem fest. Bei der ersten landesweiten Hauptschulmesse am Montag (30. Januar) in Ludwigsburg lehnte Rau die Forderungen nach einer Zusammenlegung von Haupt- und Realschule erneut ab. Die Einführung so genannter "Regionalschulen" sei die "falsche Antwort" auf den demografisch bedingten Rückgang der Schülerzahlen. Die Schließung von 600 Hauptschulen im ganzen Land wäre die Folge. Dies würde vor allem den ländlichen Raum treffen.

31.01.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Den Rufen nach einer längeren gemeinsamen Lernzeit erteilte er ebenfalls eine Absage. Dies laufe auf die Einführung einer Gesamtschule "durch die Hintertür" hinaus. Baden-Württemberg habe aber mit seinem dreigliedrigen Schulwesen bei der PISA-Studie weitaus erfolgreicher abgeschnitten als Bundesländer, die auf die Gesamtschule gesetzt hätten. In Baden-Württemberg gebe es eine nach Schularten differenzierte Förderung, die sich an den spezifischen Talenten und Begabungen der Kinder orien-tiere. Der Kultusminister rief zu "mehr öffentlicher Wertschätzung" für die Hauptschulen auf. Die dort geleistete pädagogische Arbeit sei von herausragender Qualität, das Engagement der Lehrkräfte vorbildhaft.

Als Beleg für die Innovationskraft dieser Schulart in Baden-Württemberg verwies Rau auf den alle zwei Jahre ausgelobten Hauptschulpreis der Deutschen Wirtschaft, der Hertie-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung. 2003 seien der 1. und der 3. Preis, zwei Jahre später der 2. Preis sowie fünf Sonderpreise an Hauptschulen aus dem Land gegangen. Auch die Hauptschulmesse selbst zeige, "was für eine enorme Entwicklungs-dynamik in dieser Schulart steckt".

Rau sagte, er wolle eine Debatte anstoßen, die den Wert einer nicht-akademischen Ausbildung hervorhebe. "Ein guter Hauptschulabschluss oder eine erfolgreich bestan-dene Lehre müssen auf genauso große Anerkennung stoßen wie ein gutes Abitur oder ein Hochschulabschluss", sagte der Minister. Gerade Baden-Württemberg brauche gut ausgebildete junge Menschen, die ihre Begabungen in Handwerk, Industrie und Dienstleistungsberufe einbrächten. "Der Mensch fängt nicht beim Abitur an und die Berufswelt besteht nicht nur aus Jobs für Hochschulabsolventen", betonte er. Dass Baden-Württemberg die europaweit niedrigste Jugendarbeitslosigkeit habe, sei neben dem System der dualen Berufsausbildung auch den Hauptschulen zu verdanken.

Die Zukunft der Hauptschule liege im weiteren Ausbau differenzierter Förderangebote. Eine ganztägige pädagogische Betreuung könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Zu den rund 200 Ganztagshauptschulen sollen deshalb noch einmal so viele hinzu-kommen, kündigte der Kultusminister an. Auch im Grundschulbereich gebe es Hand-lungsbedarf. Es dürfe keinen Bruch in der Förderung und Betreuung zwischen Grund- und Hauptschule geben. Rau verwies auch auf das von der Kultusministerkonferenz als "innovativ" gewürdigte Reformkonzept "Impulse Hauptschule". Dieses habe zum Ziel, alle Schülerinnen und Schüler zu fördern und vor allem deren Ausbildungsfähigkeit zu verbessern. Das Konzept beinhalte Maßnahmen zur Sprach- und Leseförde-rung ebenso wie die enge Kooperation mit außerschulischen Partnern.

Die über 1.500 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet auf der Hauptschulmesse ein vielfältiges Informationsangebot. An über 100 Messeständen, in Bistros und Werkstätten präsentieren die Stadt- und Landkreise die Schwerpunkte ihrer Hauptschularbeit.

Die vorgestellten Projekte reichen von der Sprachförderung und neuen Unterrichtsfor-men über die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft und die Kooperationsklas-sen zwischen Hauptschule und Berufsvorbereitungsjahr bis hin zu Modellen der Suchtprävention und Konfliktschlichtung. Im Begleitprogramm wird Professor Dr. Gunther Klosinski von der Universitätsklinik Tübingen einen Vortag unter dem Motto "Fokus Hauptschule – Kinder- und Jugendpsychiatrische Wahrnehmungen und Anregungen" halten. Für Unterhaltung sorgen die Hauptschule Burladingen mit einem Auszug aus dem Musical "König der Löwen", die Zirkusgruppe der Uhlandschule aus Schwäbisch-Gmünd, das Salier-Percussion-Ensemble der Salierschule Waiblingen und der Bläserklasse der Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim.


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