Rede der Niedersächsischen Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann
Es gilt das gesprochene Wort! Anrede, Schule darf nicht krank machen! Das meine ich auch. Und Schule in Niedersachsen macht auch nicht krank! Schule in Niedersachsen hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Wir haben viele gute Reformen (Projekte "Brückenjahr", "Zentrale Abschlussprüfungen", "Eigenverantwortliche Schule") auf den Weg gebracht, die sich positiv an den Schulen auswirken werden.
10.04.2008 Niedersachsen Pressemeldung Niedersächsisches KultusministeriumEine wichtige Entscheidung war die Verkürzung der Schulzeit zum Abitur von 13 auf 12 Jahre. Diese Entscheidung war wichtig, sie war vor allem auch richtig! So haben mittlerweile fast alle Bundesländer eine Verkürzung der Schulzeit ermöglicht und eröffnen damit die Möglichkeit, das Abitur in 8 statt 9 Jahren zu erreichen. Mit Blick in Richtung Thüringen und Sachsen können wir sehen, dass man es mit diesem Schritt im Pisa-Bundesvergleich auf die vorderen Plätze schafft. Es gibt bereits viele gute Erfahrungen mit dem Abitur nach 12 Jahren! Daran wollen wir anknüpfen und dafür sorgen, dass unsere Schul-Absolventen nicht nur gut, sondern jünger ins Berufsleben einsteigen können als bisher.
Anrede,
Veränderungen verursachen Unsicherheiten. Die Landesregierung nimmt die Sorgen der Eltern, Lehrer und Schüler ernst. Dabei machen wir keine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Interessen. Deshalb habe ich als neue Kultusministerin alle Beteiligten gleich nach meinem Amtsantritt zu einem runden Tisch eingeladen; der erste Termin hat bereits vergangenen Montag stattgefunden.
Lehrer, Eltern und Schüler haben zwar durchaus unterschiedliche Vorstellungen von den Einzelheiten der G8-Reform. Aber alle eint der Wunsch nach einem reibungslosen Verlauf und guten Ergebnissen beim Abitur 2011. Dann nämlich werden der jetzige 9. und 10. Jahrgang gemeinsam die Abiturprüfung machen. Mir ist das Gelingen des achtjährigen Gymnasiums ein besonderes Anliegen. Deshalb werde ich gemeinsam mit allen Beteiligten den Dialog fortsetzen, und wir werden uns am 2. Juni zu einer zweiten Gesprächsrunde treffen, um die in der Umsetzung der Reform auftretenden Fragen zeitnah zu erörtern und vor allem auch zu lösen.
Anrede,
seit Beginn der Umsetzungsphase der sogenannten G8-Reform achtet diese Landesregierung darauf, dass die Schülerinnen und Schüler des aktuellen 9. Schuljahrgangs inhaltlich den Anschluss finden an die Schülerinnen und Schüler des jetzigen 10. Schuljahrgangs. Deshalb hat diese Landesregierung zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Damit sollen die Schulen den Schülerinnen und Schülern des 9. Schuljahrgangs besonderen Förderunterricht, z.B. in den Kernfächern Deutsch, Fremdsprachen oder Mathematik, anbieten. Das ist ein wertvoller Baustein zum Gelingen der G8-Reform in Niedersachsen!
Meine Damen und Herren von den Grünen,
Die in Ihrem Entschließungsantrag enthaltenen Hinweise und Forderungen halte ich weder für zutreffend noch zielführend. Im Einzelnen:
- Ein Abitur der zwei Geschwindigkeiten an einer Schule verursacht ein großes Durcheinander und beseitigt jegliche Transparenz.
- Entgegen Ihrem Vorbehalt wurde die Entscheidung für das Abitur nach 12 Jahren in Niedersachsen nicht am grünen Tisch getroffen, sondern nach einer umfassenden Beteiligung der Schüler-, Eltern und Lehrerverbände. Und gemeinsam wollen wir auch in Zukunft am Gelingen des Abiturs nach 12 Jahren arbeiten.
- Die Landesregierung versteht die Sorgen der Schüler, Eltern und Lehrerkräfte im Hinblick auf die Unterrichtsdichte. Deshalb habe ich mich Anfang März 2008 auf der Kultusministerkonferenz dafür eingesetzt, dass die Flexibilität für die Schulen im Rahmen der bis zum Abitur von den Schülern zu absolvierenden Stunden erhöht wird. Künftig dürfen Übungen und Projekte flexibler als bisher angerechnet werden. Das entlastet die Schülerinnen und Schüler im Unterricht und bei den Hausaufgaben.
- Die ebenfalls von der KMK beschlossene Umstellung der Lehrpläne wird in Niedersachsen bereits seit Jahren umgesetzt. Wir wollen, dass nicht alles Denkbare, sondern das notwendige Wissen vermittelt wird. Deshalb werden wir aber nochmals die Kerncurricula daraufhin überprüfen.
- Im Übrigen besteht entgegen Ihrer Annahme die Möglichkeit zu einer neuen Rhythmisierung der Stunden. Denn die Schulen haben sehr wohl die Möglichkeit, über die Stundenverteilung und den Stundenplan eigenverantwortlich zu entscheiden. Sie können z. B. Einzelstunden oder Doppelstunden oder auch Pausenzeiten nach den Bedürfnissen vor Ort festlegen.
- Ein Wort zu Ihrer Forderung nach mehr Ganztagsschulen. Diese Landesregierung hat mehr Ganztagsschulen genehmigt als jede Regierung vor ihr. 2003 gab es in Niedersachsen 155 Ganztagsschulen. Zum Beginn des Schuljahres 2008/2009 werden es 670 Ganztagsschulen sein. Darunter befinden sich dann bereits 100 der insgesamt 224 Gymnasien in öffentlicher Trägerschaft. Unser Konzept werden wir in Zusammenarbeit mit den kommunalen Schulträgern konsequent fortentwickeln.
- Auch noch eine Anmerkung zur finanziellen Seite Ihres Antrags: Sie wollen von der Landesregierung Finanzierungsvorschläge zu Ihren Forderungen nach mehr Ganztagsschulen und warmen Mahlzeiten hören. Es wäre schon ein glaubwürdigerer Antrag gewesen, wenn auch Sie zumindest eine Idee für eine Finanzierung Ihrer Wohltaten gemacht hätten. Das ist aber, wie in den meisten Fällen bei der Opposition, auch bei diesem Antrag ausgeblieben.
Anrede,
ich fasse zusammen:
- Wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler im Wettbewerb auf Augenhöhe mit ihren Freunden aus den anderen Bundesländern stehen.
- Das verlangt von allen Beteiligten, den Schülern, den Eltern, den Schulen, den Kommunen und dem Land Anstrengungen und Einsatzbereitschaft. Ich bin davon überzeugt, das Können und Motivation vorhanden sind und wir die Herausforderungen bestens bewältigen werden.
- Wir werden dafür Sorge tragen, damit G8 in Niedersachsen ein Erfolg wird. Unsere Kinder sollen für Studium und Beruf ideal vorbereitet sein.
- Und zuletzt ein Appell an Sie, meine Damen und Herren! Alle gemeinsam sollten wir das Abitur nach 12 Jahren als Chance sehen. Am Montag am runden Tisch habe ich zumindest festgestellt: Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, dann wird G8 zu einer einmaligen Chance für die junge Generation!
Vielen Dank!
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