Schulversagen – in Deutschland ein Dauerbrenner!
Die meisten Kinder freuen sich auf ihren ersten Schultag und wollen Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Bereits in der ersten Schulklasse zeigen sich allerdings bei einigen Kindern Auffälligkeiten, d.h. sie lernen langsamer Lesen, Schreiben oder Rechnen als der Klassendurchschnitt und machen viele Fehler. In der zweiten Klasse verstärken sich bei diesen Kindern die Probleme, in der dritten Klasse haben sie oftmals den Anschluss an die Klasse und jeglichen Spaß am Lernen verloren. „Kein Kind macht mit Absicht Fehler, eigentlich wollen alle Kinder zeigen, dass sie was können“, so Christine Sczygiel, Vorsitzende des BVL - Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. „Würden die Lehrkräfte an unseren Schulen mehr über Teilleistungsstörungen wie Legasthenie und Dyskalkulie wissen, dann könnte diesen Kindern frühzeitig geholfen werden.“
29.03.2006 PressemeldungCa. 5% der Schüler haben eine Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung) und ebenso viele Kinder eine Dyskalkulie (Rechenstörung). Die Kinder sind nicht weniger intelligent als ihre Mitschüler, sie brauchen nur eine gezielte Förderung sowie Akzeptanz und Toleranz in der Schule. Leider erfahren diese Kinder heute nur selten Unterstützung in den Schulen, sondern werden oftmals als dumm und faul abgestempelt. Die Klassenarbeitshefte sind übersät mit roten Fehlermarkierungen und demotivierenden Hinweisen wie: „Du hast wieder nicht geübt oder du musst noch mehr üben!“ Wie soll ein Kind aber ohne fachkundige Anleitung richtig lernen, wenn es das aufgrund seiner Teilleistungsstörung gar nicht leisten kann. „Ein Brillenträger wird auch nicht besser ohne Brille lesen können, je mehr er liest. Genau hier liegt das Problem, denn von unseren Kindern wird in der Schule etwas erwartet, was sie ohne Unterstützung von erfahrenen Pädagogen gar nicht leisten können, denn mit einfachem Üben ist es nicht getan“, erklärt Sczygiel. Die vielen Eltern, die sich Hilfe suchend an den BVL wenden, beschreiben Leidensgeschichten ihrer Kinder, die absolut nicht mehr in die heutige Zeit passen. Das führt zum Teil soweit, dass Kinder den Schulbesuch ganz verweigern und nur mit medizinischer und psychologischer Hilfe wieder „schulfähig“ gemacht werden können.
Der BVL weist erneut darauf hin, dass die Schuld beim Schulversagen nicht bei den Schülern zu suchen ist, sondern in unserem Bildungssystem liegt, das nicht auf Frühförderung und individuelle Lernfortschritte von Schülern fokussiert. „Würde in den Schulen gezielt Förderunterricht stattfinden und würde versucht, alle Kinder im Stoff mitzunehmen, statt sie auszusortieren, dann hätten wir deutlich weniger Schüler ohne Schulabschluss. Dass diese Schüler für die Volkswirtschaft ein Dauerproblem darstellen, liegt auf der Hand. Schulen müssen endlich umdenken und individuelle Förderkonzepte in den Schulprozess integrieren, wie es in anderen Ländern bereits mit Erfolg praktiziert wird“, fordert Christine Sczygiel.
Freies Bildmaterial unter www.bvl-legasthenie.de , Rubrik PRESSE
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