Bayern

Sparpolitik auf dem Rücken der Junglehrer

Erst kürzlich wurde auf der Klausurtagung in St. Quirin trotz wachsender Staatseinnahmen eine Absenkung der Eingangsbesoldung für die bayerischen Beamten beschlossen. "Auch die Beamten sollen ihren Beitrag zur Konsolidierung des bayerischen Staatshaushaltes leisten", hieß es von oberster Stelle. Nun müssen die bayerischen Junglehrerinnen und -lehrer einen erneuten Nackenschlag hinnehmen: Nach Bekanntgabe der Einstellungszahlen werden zum Schulhalbjahr im Februar mehrere hundert hoch qualifizierte Gymnasiallehrkräfte kein Stellenangebot erhalten. Nach Jahren des Studiums und zweijährigem Referendariat ist für sie erst einmal Endstation.

27.01.2011 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Für eine solche Einstellungspolitik fehlt den Betroffenen jegliches Verständnis: Unzählige Stundenausfälle, große Klassen mit häufig mehr als 30 Schülerinnen und Schülern und fehlende Unterrichtsstunden für eine echte individuelle Förderung lassen das Lernen am Gymnasium für Kinder und damit auch für Lehrkräfte immer mehr zu einer Zumutung werden. Wissenslücken der Schülerinnen und Schüler werden in der Folge durch private Nachhilfe finanziert. Diese geht dann nicht mehr auf Kosten des Staates, sondern der Eltern.

Das Ministerium begründet seine Einstellungspolitik mit den begrenzten finanziellen Mitteln, ohne dabei auf die Folgen dieser Bildungspolitik zu schauen. Der Fachkräftemangel, der vor allem der Industrie in den kommenden Jahren zu schaffen machen wird, ist nicht zuletzt eine Folge der Misswirtschaft im Bildungsbereich. Ein Land, dessen einzige Ressource die Bildung seiner Bürger ist, darf auf diesem Sektor nicht sparen. Eine bestmögliche Bildung und Ausbildung für alle Kinder und Jugendlichen muss an erster Stelle stehen! Und was macht die Politik? Entscheiden sich junge Abiturientinnen und Abiturienten für ein Lehramtsstudium, müssen sie nach Beendigung ihres Studiums immer häufiger feststellen, dass sie angeblich nicht gebraucht werden. "Sie werden durch Sparmaßnahmen ihrer Zukunft in Bayern beraubt", so Evelyn Westphal, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) im BLLV. Nicht selten stellen andere Bundesländer diese Lehrkräfte an ihren Schulen ein. Schließlich sparen sie sich deren Ausbildung und bekommen quasi frei Haus hoch qualifizierte Lehrer.

Wenn nur ein Bruchteil der Milliarden Euro, die in den vergangenen Jahren in Banken und andere Kreditinstitute gepumpt wurden, den Bildungseinrichtungen zur Verfügung stünden, müsste einem um die Zukunft des bayerischen Bildungssystems nicht bange sein. Doch anstatt den Bildungseinrichtungen die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, werden finanzielle Zuwendungen an der einen Schulart gestrichen, um die Löcher an einer anderen Stelle notdürftig zu stopfen. Die Schularten dürfen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden! So wäre es beispielsweise fatal, ebenfalls dringend benötigte Stellen an Grundschulen einzusparen, denn gerade hier ist eine intensive Förderung der heterogenen Schülerschaft unverzichtbar, um allen Kindern bestmögliche Startchancen zu ermöglichen. Nicht nachvollziehbar ist, dass im Herbst letzten Jahres über 1600 Grundschullehrerinnen und -lehrer keine Planstelle bekommen haben!


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