Startschuss für flächendeckende Einführung des Projekts "Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt"

"Kinder und Jugendliche wachsen heute unter anderen Bedingungen auf, für die in erster Linie wir Erwachsenen verantwortlich sind. Deshalb stehen wir auch in der Pflicht, Einfluss auf diese Rahmenbedingungen zu nehmen und eine effektive Gesundheitsprävention zu betreiben, die vor allem Bewegung, Spiel und Sport einbezieht. Mit der Konzeption der sport- und bewegungsfreundlichen Grundschule kommen wir diesem Ziel ein Stück näher", sagte Ministerialdirektor Thomas Halder am Donnerstag (18. Mai) in Stuttgart und gab den Startschuss zur flächendeckenden Einführung an den baden-württembergischen Grundschulen. Ziel sei es, Bewegung, Spiel und Sport an allen Grundschulen auf Grundlage des Bildungsplans so fest zu verankern, dass alle Schülerinnen und Schüler eine tägliche qualifizierte Bewegungszeit erhielten.

18.05.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Das Konzept der sport- und bewegungsfreundlichen Schule wurde seit 2000 durch die "Schulsportoffensive" des Landes konsequent weiter entwickelt und mündete in das Projekt "Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt" (GSB), in Zusammenarbeit mit der AOK Baden-Württemberg. Das Projekt wurde zunächst an fünf Schulen modellhaft entwickelt. Die Pilotschulen integrierten in der Versuchsphase mindestens 200 Minuten Sportunterricht pro Woche sowie vielfältige ergänzende Bewegungsangebote wie Pausensport, bewegter Unterricht und Kooperationsmaßnahmen mit örtlichen Vereinen in ihren Schulalltag. Die Schulen setzten somit eine tägliche qualifizierte Bewegungszeit beziehungsweise eine tägliche Sportstunde um. Diese Angebote werden bis heute im Rahmen eines Schulentwicklungsprozesses ohne zusätzliche Ressourcen den Schülerinnen und Schülern ermöglicht.

Zur Ausweitung des Modellversuchs wurden alle Grundschulen in Baden-Württemberg sowie Sonderschulen mit Bildungsgang Grundschule zu Beginn 2003 mit einem Faltblatt für eine solche Profilierung beworben. Im Schuljahr 2002/2003 nahmen in einem ersten Schritt landesweit rund 290 Schulen am Projekt teil und entwickelten im Rahmen ihrer Schulentwicklung ein sport- und bewegungserzieherisches Profil. Mittlerweile haben insgesamt über 360 Grundschulen die Konzeption aufgegriffen und an ihren Schulen etabliert.

Das bundesweit einmalige GSB-Projekt erhielt 2004 den "Deutschen Präventionspreis", der damals zum ersten Mal vom Bundesministerium für Gesundheit und der Bertelsmann Stiftung verliehen wurde. Besondere Würdigung seitens der Jury fand die Tatsache, dass Baden-Württemberg das einzige Bundesland ist, welches das Thema "Bewegte Schule" in der Fläche umsetze. Außerdem wurde im Bildungsplan 2004 - auch auf Grundlage des Erfolgs des GSB-Projekts - die Bewegungserziehung in der Grundschule mit dem Fächerverbund "Bewegung, Spiel und Sport" verstärkt verankert. Gleichzeitig wurde im Bildungsplan eine künftige Flächendeckung des GSB-Projekts festgeschrieben.

Eine möglichst früh einsetzende und durchgängige Gesundheits- und Bewegungserziehung, die bereits im Kleinkindalter beginnt, erhöht deren Nachhaltigkeit. Deshalb wird mit der vorschulischen Bewegungserziehung bereits im Kindergarten begonnen. Im neuen Orientierungsplan, der für alle Kindergärten verbindlich wird, sind die Erziehung zum Gesundheitsbewusstsein sowie das Erlernen diverser Bewegungsfertigkeiten als verbindliche Ziele verankert. Außerdem bietet das Landesinstitut für Schulsport und die neuerdings acht Motorikzentren Fortbildungsveranstaltungen an, die die Idee des bewegungsfreundlichen Kindergartens vertiefen. "Wir können nicht früh genug damit beginnen, unsere Kinder für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren und Bewegungsanreize zu schaffen. Mit der flächendeckenden Einführung des Konzepts in den Grundschulen erreichen wir eine sinnvolle Verknüpfung der Gesundheitsprävention zwischen Kindergarten und Grundschule", sagte Halder.

Auch die AOK Baden-Württemberg unterstützt das Projekt. "Für uns als Gesundheitskasse ist es ganz wichtig, dass schon im Kindesalter mit der Prävention begonnen wird", so AOK-Chef Dr. Rolf Hoberg und ergänzt: "Es kann nicht sein, dass Schulkinder den ganzen Tag nur im Sitzen verbringen. Die Kinder sollen wieder Spaß an der Bewegung haben und so aktiv etwas gegen Übergewicht und Haltungsschäden tun können". Laut AOK begleiten rund 80 Präventionsfachkräfte aus den Bereichen Ernährung und Bewegung die Aktivitäten an den Schulen. Hoberg: "Wir investieren in dieses Projekt rund 20.000 Euro. Die Zinsen hieraus sind hoffentlich bewegungsfreudige Kinder".

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von den Sportinstituten der Universität Karlsruhe und Konstanz, insbesondere durch Prof. Dr. Klaus Bös und Prof. Dr. Alexander Woll. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass sich nicht nur die Bewegungsangebote sondern auch das Schulklima und die Konzentrationsfähigkeit der Kinder im Vergleich zu den Werten an den Kontrollschulen signifikant verbessert haben.

Das Landesinstitut für Schulsport übernimmt bei der flächendeckenden Einführung des Projekts die Koordination. Die Stiftung "Sport in der Schule" und die AOK Baden-Württemberg unterstützten die Schulen durch Schulaktionstage, Fortbildungen und Infobroschüren. Als weitere unterstützende Maßnahmen wurden die im Rahmen des Fortbildungsprogramms Sport für 2006/07 zu vergebenden Anrechnungsstunden gezielt an die flächendeckende Einführung der GSB-Schulen gebunden. Außerdem werden in den Stadt- und Landkreisen Schulleiterdienstbesprechungen zum Thema stattfinden.


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