Baden-Württemberg

VBE: Neue Werkrealschule wohl nicht der große Wurf

Mit der neuen Werkrealschule schafft die Lan­desregierung im jetzt begin­nenden Schuljahr de facto die von vielen ungeliebte Hauptschule ab, ohne das so zu benennen und vor allem, ohne bildungspolitisch damit einen "gro­ßen Wurf" gelandet zu haben, be­dauert man beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Würt­temberg.

06.09.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Zustimmung erhält die neue Schulform Werkrealschule vor allem von den Schulbehörden, die das offizielle Credo des Kultusministeriums in das Land hin­austragen müssen, und von den Seiten, die schon befürchtet hatten, dass die in der Außenwirkung schwä­chelnde Hauptschule in der Re­alschule aufgehen wür­de, und die jetzt in der Werkrealschule ein Auffangbecken für Schüler sehen, die man an der eigenen Schulart lieber nicht haben wollte.

Praktiker vor Ort sehen, dass Eltern ganz eindeutig lieber die echte Realschule für ihre Kinder bevorzugen als die hochgelobte Werkrealschule und dass die Rech­nung des Kul­tusministeriums, dass sich Grundschüler mit Realschulemp­fehlung auch an der eher beruflich orientierten Werkrealschule anmelden, wohl nicht auf­gegangen ist.

Wenn schließlich die letzte Hauptschule im Land wegen mangelnder Nach­frage dicht­gemacht haben wird, übernimmt die Werkrealschule die rote Laterne im gegliederten Schulwesen.

Während bei der seitherigen Hauptschule mit Werkrealschule sich positiv ent­wi­ckelnde Schüler die Chance bekamen, mit Zusatzunterricht durchzustarten, die zehnte Klasse "draufzusatteln" und dann dort den mittleren Abschluss zu schaf­fen, wird bei der neuen Werkrealschule das Scheitern der meisten Schüler und damit der Abgang nach der neunten Klasse ohne mittlere Reife bewusst in Kauf genommen.

Während seither Schüler motiviert wurden, bei guten Leistungen weiter zu ma­chen, wird man in der neuen, auf sechs Jahre angelegten Werkrealschule der Mehrzahl der Schüler nach lediglich fünf Schuljahren ein Versagen bescheini­gen und sie mit dem Zeugnis der Hauptschule entlassen. "Das sieht eher nach großer Hilflosigkeit als nach einem großen Wurf aus", so der VBE-Sprecher.


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