Verordnung für Gemeinschaftsschulen kann in Kraft treten

Das Kabinett hat heute (6. März) abschließend die Landesverordnung für Gemeinschaftsschulen (GemVO) beraten. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave sagte anschließend: "Mit dieser neuen Schulart legen wir den Grundstein für ein längeres gemeinsames Lernen." In den künftigen Gemeinschaftsschulen könnten Schülerinnen und Schüler in einem Bildungsgang den Hauptschulabschluss, den Mittleren Abschluss und die Befähigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe erreichen. Mit der Verordnung sei der rechtliche Rahmen geschaffen, innerhalb dessen Schulträger und Schulen tragfähige Konzepte für die künftigen Schulen entwickeln müssten. "Die Basis jeder Gemeinschaftsschule ist das pädagogische Konzept." Es gelte, schrittweise neue Formen des längeren gemeinsamen Lernens, der inneren und äußeren Differenzierung einzuführen und die für die jeweiligen Bedingungen geeignete Ausgestaltung zu entwickeln.

06.03.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Verordnung schreibt fest, dass eine Gemeinschaftsschule sechs Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I umfasst. Sie kann eine dreijährige gymnasiale Oberstufe führen und mit einer Grundschule organisatorisch verbunden sein. Das bedeutet, dass das Abitur an einer Gemeinschaftsschule nach 13 Schuljahren abgelegt wird. (Im Unterschied dazu wird die Schulzeit an den Gymnasien auf zwölf Jahre verkürzt.)

Der Unterricht an der Gemeinschaftsschule soll weitestgehend gemeinsam stattfinden. Die Schülerinnen und Schüler bleiben bis zum Abschluss der Sekundarstufe I in ihrer Lerngruppe. Ein Überspringen oder Wiederholen ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Durch Differenzierung der Leistungsanforderungen im gemeinsamen Unterricht wird auf die individuellen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler eingegangen und Unter- oder Überforderung vermieden. Über die geeigneten Formen innerer und auch äußerer Fachleistungsdifferenzierung nach den Jahrgangsstufen 5 und 6 entscheidet die jeweilige Schule im Rahmen ihres pädagogischen Konzeptes. Es können auch klassen- und jahrgangsübergreifende Lerngruppen gebildet werden. Die Berufsorientierung ist integrativer Bestandteil im Unterricht in allen Fächern und Jahrgangsstufen.

Zu jedem Zeugnistermin erhalten die Schülerinnen und Schüler Zeugnisse, die den Leistungsstand in den einzelnen Fächern dokumentieren. Spätestens am Ende der Jahrgangsstufe 8 werden Notenzeugnisse vergeben. Nach Jahrgangsstufe 9 können die Schülerinnen und Schüler den Hauptschulabschluss erwerben. Sie müssen dafür an einer Prüfung mit zentralen Aufgabenstellungen teilnehmen, die sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz orientiert. Dies gilt auch für die Prüfung zum Mittleren Abschluss, die nach der Jahrgangsstufe 10 absolviert wird.

Damit eine Gemeinschaftsschule errichtet werden kann, muss der Schulträger einen entsprechenden Antrag stellen. Er muss nachweisen, dass ein Bedarf für diese Schule besteht und dass die Mindestgröße von 300 Schülerinnen und Schülern dauerhaft erreicht wird. Außerdem muss ein pädagogisches Konzept vorgelegt werden, in dem beschrieben wird

  1. in welchen Schritten welche Formen des längeren gemeinsamen Lernens realisiert werden sollen,
  2. wie die im Hinblick auf die unterschiedlichen Schulabschlüsse erforderliche innere und äußere Differenzierung erfolgen soll und
  3. welche Formen der Leistungsbeurteilung angewendet werden sollen.

Die Verordnung wird mit Veröffentlichung im Nachrichtenblatt des Bildungsministeriums Ende März in Kraft treten.


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