GEW Bayern

Wollen wir zusammen arbeiten anstatt zusammen zu leben?

Kultusminister Spaenle bekennt sich dazu. Gleich zu Beginn der Pressekonferenz heute setzte er sich wieder einmal in Position: Von Gemeinschaftsschule oder "Einheitsschule" (ein Begriff, den er gern strapaziert), hält er nichts. Er spricht vom "Wohlfühlbegriff der Gemeinschaftsschule" und stellt für sich und wen auch immer klar: "Wir wollen zusammen arbeiten statt zusammen leben!"

10.09.2011 Pressemeldung GEW Bayern

Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: "Aus diesen Worten spricht ein seltsames Verständnis von Schule und Lernen. Sind arbeiten und leben zu trennen? Sollen Kinder sich in der Schule nicht wohl fühlen? Der Minister will es offensichtlich nicht wahrhaben: es ist wissenschaftlich abgesichert, dass Lernen in entspannter Atmosphäre, also wenn man sich wohlfühlt, eher gelingen kann, als unter Druck."

Überraschungen gab es heute nicht. Zurückgehende SchülerInnenzahlen führen nicht zu spürbar kleineren Klassen. Während die Klassenstärken mit 21,3 an Volksschulen im Durchschnitt erfreulich sind, sind sie mit 27,1 an Realschulen und 26,9 an Gymnasien gleich bleibend und unvertretbar hoch. Außerdem sagen Durchschnittszahlen allein nicht viel aus:

Wie viele kleine Klassen in Grund-, Haupt- und Mittelschulen (die kleinste Klasse dort besuchten im vergangenen Schuljahr 9 SchülerInnen) müssen durch große und sehr große kompensiert werden? Wie groß sind die Eingangsklassen an Realschulen und Gymnasien, wo in der Mittelstufe viele SchülerInnen die Schulart wechseln und die Klassen dadurch kleiner werden?

Wie immer, konnte auch heute nicht eindeutig gesagt werden, wie viele der Neueinstellungen tatsächlich zusätzliche Stellen sind.

Auch konnte nicht beantwortet werden, wie viele der SchülerInnen, die den mittleren Bildungsabschluss an der Haupt- oder Mittelschule erwerben, "AbsteigerInnen" aus anderen Schularten sind, also, ob die Mittelschule auch ein "Auffangbecken" für an höheren Schulen gescheiterte Jugendliche ist. Zumindest in Schulstädten mit breitem Angebot stellt sich die Situation so dar.

Die gerade erfolgte Änderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes zum Thema Inklusion ist aus der Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ein kleiner Schritt hin zu mehr Integration von Kindern mit einer attestierten Behinderung in Regelschulen. Sie hat mit Inklusion, wie die GEW sie versteht, wenig zu tun.

An gerade einmal sechs Schulen in ganz Bayern wird es sog. "Lehrertandems" geben, d. h. Klassen, in denen zwei Fachkräfte, eine aus der Volksschule und eine aus einer Förderschule, arbeiten.

Neubäcker: "Wie jedes Jahr ist der Minister stolz auf kleine Verbesserungen der aktuellen Situation. Wie jedes Jahr wird an kleinen und kleinsten Stellschräubchen gedreht.

Wie jedes Jahr fordern auch wir eine wirkliche Reform von Schulkultur und Schulstruktur. Wir brauchen eine Schule, die alle Kinder und Jugendlichen bis zum Ende der Pflichtschulzeit gemeinsam besuchen, in der SchülerInnen leben, und lernen, unterstützt von LehrerInnen und weiteren pädagogischen Fachkräften. Nur so kann Chancengleichheit realisiert werden. Es ist höchste Zeit, Schulstrukturen aus der vordemokratischen Zeit vergangener Jahrhunderte durch ein zeitgemäßes, demokratisches Schul- und Bildungssystem zu ersetzen!

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