"Zentrale Prüfungen sichern gleichwertige Abschlüsse auf hohem Niveau"

Zu einem intensiven Erfahrungs- und Meinungsaustausch über zentrale bildungspolitische Fragen trafen heute Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider und Schulministerin Barbara Sommer aus Nordrhein-Westfalen in München zusammen.

29.06.2007 Bayern, Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Uns liegt ein gemeinsames Vorgehen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität des Unterrichts für die Schülerinnen und Schüler sehr am Herzen", so Siegfried Schneider und Barbara Sommer übereinstimmend. "Zentrale Abschlussprüfungen stellen aus den bayerischen Erfahrungen sicher, dass die Schüler tatsächlich gleichwertige Abschlüsse vorweisen können und auch die vorgegebenen hohen Qualitätsstandards eingehalten werden", unterstrich Minister Schneider und verwies auf Abitur, Mittleren Bildungsabschluss und Qualifizierenden Hauptschulabschluss.

NRW-Schulministerin Barbara Sommer informierte ihren Amtskollegen über die Erfahrungen mit dem Zentralabitur, das an Rhein und Ruhr auf der Grundlage des neuen Schulgesetzes in diesem Jahr zum ersten Mal geschrieben wurde.

Die beiden Bildungspolitiker besuchten eine Hauptschule in München, an der mit Hilfe von Ganztagsangeboten eine besondere Förderung der Schülerinnen und Schüler sichergestellt wird. Minister Schneider stellte seine Ziele der Hauptschulinitiative vor. Alle Schülerinnen und Schüler sollen die Hauptschule ausbildungsreif verlassen. Und mehr Schüler als bisher sollen den mittleren Bildungsabschluss erreichen." Dabei setzt Bayern sehr stark auf gebundene Ganztagsschulen und wird sie auf Antrag der Kommunen bedarfsgerecht flächendeckend ausbauen. Erst in der vergangenen Woche hatte Minister Schneider weitere 100 Ganztagshauptschulen genehmigt.

Auch in Nordrhein-Westfalen geht der Ausbau des Hauptschul-Ganztages weiter. Barbara Sommer: "Der Ganztag bietet einen hervorragenden Rahmen für individuelle Förderung, da Schulen ganz neue Spielräume bekommen." Insgesamt 116 weitere Hauptschulen können nach den Worten der Ministerin ab dem Schuljahr 2008/2009 umgewandelt werden. Mit den 34 in diesem Jahr und den 100 im letzten Jahr bewilligten Ganztagshauptschulen werden dann insgesamt 250 Hauptschulen Ganztagsbetrieb anbieten. Dies entspricht im Endausbau 86.000 Plätzen. Die erweiterte Ganztagshauptschule sieht in der Regel Unterricht und ergänzende Angebote an fünf Tagen in der Woche bis 16 Uhr vor.

Darüber hinaus erörterten Schulministerin Sommer und Kultusminister Schneider erste Ergebnisse der in Nordrhein-Westfalen neu eingeführten Sprachstandsfestellung. Dabei wird einzigartig landesweit bereits bei allen Vierjährigen erhoben, wie gut sie die deutsche Sprache beherrschen. "Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Chancengerechtigkeit. Denn wir wollen so sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen schon ab dem ersten Schultag in der Lage sind, die Lehrkräfte zu verstehen und dem Unterricht zu folgen", sagte Barbara Sommer. Die notwendige vorschulische Sprachförderung soll in Nordrhein-Westfalen in den Kindertageseinrichtungen erfolgen, die dafür zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von 340 ? pro Kind jedes Jahr bis zur Einschulung erhalten werden (28 Mio. ? landesweit im Jahre 2008). Als Richtwert für den Umfang der zusätzlichen Sprachförderung in der Kindertageseinrichtung werden 200 Stunden pro Jahr empfohlen.

In Bayern nehmen alle Kinder mit Migrationshintergrund zwei Jahre vor der Einschulung an einer verpflichtenden Sprachstandserhebung teil. Wenn die Kinder nicht über ausreichend Deutsch-Kenntnis verfügen, wird ihnen empfohlen, an einem Vorkurs teilzunehmen. Bei diesem unterrichten Erzieherinnen und Grundschullehrkräfte 160 Stunden altergemäß die Kinder in der deutschen Sprache. "Damit haben wir einen wirkungsvollen Schritt gemacht, um Kindern mit Migrationshintergrund frühzeitig bestmögliche Chancen für den Erfolg in Schule und Beruf einzuräumen", so Siegfried Schneider. Wer bei der Schuleinschreibung nicht über ausreichend Kompetenz in der deutschen Sprache verfügt und nicht den Kindergarten und keinen Vorkurs besucht hat, wird zurückgestellt und zum Besuch eines Kindergartens verpflichtet, an dem eine sprachliche Förderung angeboten wird.

Die beiden Minister werden zu bildungspolitischen Grundsatzentscheidungen im engen Dialog bleiben und den Erfahrungsaustausch regelmäßig fortsetzen, wurde abschließend vereinbart. Ministerin Sommer lud ihren Amtskollegen zu einem Gegenbesuch nach Düsseldorf ein.


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