Position

Zivilschutzunterricht in der Schule

Als ASD betrachten wir den Vorschlag, zivile Verteidigung verpflichtend in den Schulunterricht zu integrieren, mit großer Aufmerksamkeit – und ebenso großer Skepsis.

23.03.2026 Bundesweit Pressemeldung Allgemeiner Schulleitungsverband Deutschlands e.V.
  • Eine Gruppe von Schülern sitzt in einem Klassenraum, der Lehrer steht vorne. © Adobe Stock Ob Digitalisierung, Gesundheitsprävention, Werteerziehung oder nun Zivilschutz – Schulen sollen zunehmend Probleme lösen, die außerhalb ihres eigentlichen Verantwortungsbereichs liegen.

Zunächst ist klar: Krisenvorsorge und Zivilschutz sind zentrale staatliche Aufgaben. In Deutschland liegt die Verantwortung hierfür bei staatlichen Institutionen wie dem Bund, den Ländern sowie spezialisierten Organisationen wie dem Bevölkerungsschutz, den Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk und weiteren professionellen Einsatzstrukturen. Diese Akteure sind dafür ausgebildet, ausgestattet und demokratisch legitimiert, um Gefahrenlagen vorzubeugen und im Ernstfall zu handeln.

Schulen hingegen haben einen klar definierten Bildungs- und Erziehungsauftrag. Sie sind keine Ersatzstrukturen für staatliches Krisenmanagement – und dürfen es auch nicht werden.

„Krisenvorsorge ist keine pädagogische Lücke, die Schulen schließen müssen, sondern eine originäre Aufgabe des Staates“, erklärt Sven Winkler, Vorsitzender des ASD.

Wir beobachten mit Sorge ein wiederkehrendes Muster in politischen Debatten: Immer dann, wenn gesellschaftliche oder staatliche Defizite sichtbar werden, wird reflexartig der Ruf nach „mehr Schule“ laut. Ob Digitalisierung, Gesundheitsprävention, Werteerziehung oder nun Zivilschutz – Schulen sollen zunehmend Probleme lösen, die außerhalb ihres eigentlichen Verantwortungsbereichs liegen. Diese Entwicklung überfordert das System Schule und verwässert seinen Kernauftrag.

Besonders kritisch bewerten wir zudem die Vorstellung, über Schülerinnen und Schüler gezielt deren Elternhäuser zu sensibilisieren. Schulen sind keine Transmissionsriemen für staatliche Informationspolitik in Familien hinein – die Ansprache der Bevölkerung ist unmittelbare Aufgabe des Staates selbst.

„Schule darf nicht zur Reparaturwerkstatt für politische Versäumnisse werden. Wer strukturelle Probleme hat, muss sie auch strukturell lösen – und nicht ins Klassenzimmer auslagern“, so Winkler weiter.

Natürlich ist es sinnvoll, junge Menschen altersgerecht für Krisensituationen zu sensibilisieren. Doch das rechtfertigt keine verpflichtende, isolierte Maßnahme wie eine „Doppelstunde pro Halbjahr“, die weder nachhaltig noch strukturell durchdacht ist.

Wenn der Staat Handlungsbedarf im Bereich Zivilschutz sieht, dann muss er diesen dort angehen, wo die Verantwortung tatsächlich liegt: Nämlich durch den Ausbau und die bessere Ausstattung der zuständigen Behörden, durch öffentliche Informationskampagnen und durch freiwillige, praxisnahe Angebote in Zusammenarbeit mit professionellen Organisationen.

Eine Verlagerung dieser Verantwortung in die Schulen ist weder zielführend noch gerechtfertigt. Krisenvorsorge ist wichtig – aber sie ist in erster Linie Aufgabe des Staates und seiner spezialisierten Strukturen. Bildung kann ergänzen, aber nicht ersetzen. Auch der aktuell vorliegende Vorschlag verkennt diese grundlegende Rollenverteilung und ist daher ebenso wie der aus 2024 in seiner jetzigen Form abzulehnen.

Der ASD steht für eine Bildungspolitik, die Schulen stärkt – statt sie mit immer neuen Aufgaben zu überfrachten.


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