Bayern

Zwangs-G8 mit Flexibilisierung, G9 oder Wahlfreiheit zwischen G8 und G9?

Mindestens 40 Prozent aller Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs treten nach der Grundschule in das Gymnasium über. Das Gymnasium ist die am häufigsten besuchte weiterführende Schulart. Deshalb muss das Gymnasium ein zukunftsorientiertes, dem 21. Jahrhundert entsprechendes Lern- und Lehrsystem bieten. Die Frage, ob die gymnasiale Ausbildung acht oder neun oder auch nur sechs Jahre dauert, ist unwichtig. Vorrangig ist die sinnvolle inhaltliche Ausgestaltung der gymnasialen Schulzeit.

17.02.2014 Pressemeldung Gymnasialeltern Bayern e. V.

Die Gymnasialeltern Bayern halten deshalb ein Volksbegehren zu der Frage, ob das Gymnasium acht oder neun Jahre dauern soll, für ebenso überflüssig wie ein Ressourcen raubendes paralleles Angebot von G8 und G9.

1. Die andauernde G8-Misere muss überwunden werden.

In der jetzigen Form hat das G8 die Probleme des vorherigen G9 verschärft. Am Ende des Gymnasiums sind Schülerinnen und Schüler nicht auf das Leben und auch nicht auf das Studium vorbereitet. Acht Jahre lang hat man ihnen bis ins Kleinste vorgeschrieben, was sie zu tun und zu lernen haben. Zum selbstbestimmten Lernen fehlte ihnen in der Schule die Möglichkeit und außerhalb meist die Zeit. Nach dem Abitur stehen viele ratlos vor der eigenen Zukunft. Über die Struktur der Gesellschaft und das Rechts- und Wirtschaftssystem wissen sie wenig. Demokratische Entscheidungsfindung haben sie in der Schule nicht erfahren. Teamarbeit, Empathie, Musisches und Sport kommen im derzeitigen System permanenter Leistungsmessung zu kurz. Der Noten- und Versetzungsdruck begünstigt Frontalunterricht und Auswendiglernen und lässt für Kreativität zu wenig Raum. Die moderne Gesellschaft braucht aber kreative Leistung, und zwar die beste Leistung jedes Einzelnen.

2. Die Gymnasialeltern Bayern fordern deshalb für das Gymnasium:

  • vernetztes und eigenständiges Lernen in Projekten
  • Frontalunterricht ausschließlich in kleinen, entsprechend dem Stand der Lernforschung maximal 20-minütigen Einheiten
  • Lerneinheiten jenseits des 45-Minuten-Takts
  • Aufheben der Fächerzersplitterung
  • Kürzung der Fachinhalte, damit nachhaltiges und gründliches Lernen möglich wird
  • eine räumliche und personelle Ausstattung der Schulen und Unterrichtskonzepte, die neue Lernformen voraussetzen statt sie zu verhindern
  • bis zum Ende der Mittelstufe individuelle Leistungsrückmeldung statt Ziffernnoten und damit zwangsläufig kein Sitzenbleiben, sondern stattdessen Intensivierung einzelner Lerninhalte bis das Niveau des mittleren Schulabschlusses erreicht ist
  • flächendeckend gut ausgestattete rhythmisierte Ganztagsgymnasien als Angebot
  • echte Mitbestimmung für Schülerinnen und Schüler über die innere Schulentwicklung, die Schulorganisation und den eigenen Lernprozess
  • Ausrichtung der gesamten Lehrerbildung und Lehrerfortbildung auf Teamarbeit und neue Lernformen
  • ein den Führungsaufgaben entsprechendes Ausbildungs- und Auswahlverfahren für Schulleitungen.

Um die Fixierung auf die gymnasiale Ausbildung und den Druck in der vierten Grundschulklasse zu verringern, ist außerdem eine zweite attraktive Schulart erforderlich, die ohne Brüche und ohne den Umweg über verschiedene Schularten alle Abschlüsse bis zum Abitur ermöglicht.


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