30 Millionen € mehr im Haushalt 2005 für Bildung in Hessen
Hessen investiert weiter in Bildung. Kultusministerin Karin Wolff sagte heute in einer Regierungserklärung vor dem Hessischen Landtag: "Im nächsten Jahr stellen wir für unsere Schulen 30 Millionen € mehr zur Verfügung. Darin sind netto 220 neue Lehrerstellen enthalten und 18 Millionen € für zusätzliche Lehrerverträge im Angestelltenbereich." Mit dieser umfassenden Investition in wirtschaftlich schwieriger Zeit zeige die Landesregierung, dass "wir unserem hohen Anspruch, Hessen zum Bildungsland Nummer 1 zu machen, gerecht werden." Wolff verwies darauf, dass in den vergangenen vier Jahren die Zahl der Lehrkräfte um sieben Prozent gestiegen ist, die Schülerzahl dagegen nur um zwei Prozent.
14.09.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenNach den Rückmeldungen aus Zuschriften, Presseberichten und dem Elterntelefon stellte Wolff "stolz und zufrieden" fest, dass der Schuljahresbeginn "planmäßig und ohne größere Probleme verlaufen ist". Am Elterntelefon des Kultusministeriums wurden im Zeitraum von drei Wochen 730 Anrufe registriert, wovon sich nur jeder vierte Anruf um Fragen der Unterrichtsorganisation drehte. "All die Mahnungen, Prophezeiungen und Horrorgemälde der Opposition haben sich in Wohlgefallen aufgelöst: Die Unterrichtsgarantie steht auch in diesem Jahr", erklärte sie.
"Ich habe es in meinem Elternbrief geschrieben, da gibt es auch nichts schön zu reden: In unserer Regierungszeit hat es noch kein Schuljahr gegeben, das derart schwierig vorzubereiten war", sagte Wolff. Als Gründe nannte sie die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland und, daraus resultierend, die schwierige Lage auf dem Lehrstellenmarkt. "Diese Bundesregierung ist ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für die Unterrichtsversorgung in den Ländern", lautete ihr Fazit.
Sorgen bereiten Wolff aber auch demographische Veränderungsprozesse, die in einigen Teilen Hessens zu einer deutlichen Zunahme der Schülerzahlen, in anderen zu signifikanter Abnahme führten. In der Folge hätten erstmals Lehrerstellen in einem Umfang von 300 aus Nordhessen in den Ballungsraum Rhein-Main verlegt werden müssen. "Das löst nicht überall Freude aus, das kann auch zu Härten führen. Dennoch war es notwendig, weil die Lehrkräfte zu den Schülern müssen und nicht umgekehrt", sagte die Ministerin.
Wolff erklärte, dass die durchschnittliche Klassengröße zwar nicht gestiegen sei, aber infolge des demographischen Wandels heute manche Klassen "bis an die Schmerzgrenze voll sind". Die Landesregierung werde mit dem neuen Schulgesetz dafür sorgen, dass die Klassengrößen im Durchschnitt sinken. "Wir wollen eine gerechte Verteilung von Bildungschancen und können nicht zulassen, wie Schulträger an Bildungsangeboten, die nicht mehr nachgefragt werden, mit Macht festhalten", sagte Wolff mit Hinweis auf die neuen Richtwerte für Klassengrößen, die sie mit dem "Dritten Gesetz zur Qualitätssicherung" im kommenden Jahr einführen wird. "Für uns ist der demographische Wandel ein dringender Handlungsauftrag. Wer jetzt nicht die Weichen stellt, der nimmt in Kauf, dass aus erkennbaren Schieflagen bei der Lehrerversorgung eine gefährliche Rutschbahn ins Aus erwächst."
Zum Schuljahresbeginn 2004/05 seien lediglich 48 Stellen nicht besetzt gewesen. "Sie werden freigehalten, um spezifischen Fachbedarf mit jungen Lehrkräften, die ihr Referendariat in den nächsten Wochen abschließen werden, abdecken zu können", sagte Wolff. Sie räumte ein, dass trotz aller Bemühungen nicht jeder Fachbedarf sofort gedeckt werden könne; in den bekannten Mangelfächern seien die Ranglisten schlicht und ergreifend leergefegt.
Erfreut hat Wolff zur Kenntnis genommen, dass nun auch der Landeselternbeirat in seiner Sitzung am Samstag der Stundentafel für die verkürzte gymnasiale Schulzeit ohne Gegenstimmen gebilligt hat. "Das Abitur nach zwölf Jahren stößt in der Bevölkerung auf breite Zustimmung. Das ist ein klares Signal, dass unsere Anstrengungen zur Verkürzung der Schullaufbahn notwendig und sinnvoll sind", sagte die Ministerin. Schon ein Schuljahr vor der offiziellen Einführung setzen heute bereits 15 Prozent der Gymnasien in Hessen freiwillig das Abitur nach zwölf Jahren um.
Solide Grundlagen für eine bessere Lehrerbildung und hohe Qualitätsstandards für eine gesicherte Schulbildung in ganz Hessen nannte die Ministerin als Vorgaben , die sie mit dem "Dritten Gesetz zur Qualitätssicherung in hessischen Schulen" verfolgt. "Unbestritten ist, dass niemand gegen das neue Gesetz ist", zitierte Wolff aus einem Information der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom August 2004. Dass selbst die GEW nicht in grundsätzlicher Opposition verharrt, gab die Ministerin der SPD im Landtag als kleinen Denkanstoß mit auf den Weg. "Wir werden die Ausbildung unserer Lehrkräfte schon an den Hochschulen stärker auf die Schulwirklichkeit ausrichten. Die Studierenden werden früher in die Schule geschickt, damit sie gleich sehen, ob das der richtige Beruf für sie ist", skizzierte Wolff die neue Linie.
"Qualität aber bildet sich nicht an Planspielen ab, sondern im Inhalt, im Unterricht, in der Lehrerbildung, in der Kooperation Schule und Elternhaus. Und genau diese Weichen werden mit Beginn dieses Schuljahres in die richtige Richtung gestellt", so die Ministerin abschließend.
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