Fachkräftemangel

Quickstart Sachsen: Berufliche Ausbildung nach Studienabbruch

Kultusstaatssekretär Wolff: „Wir wollen Studienabbrecher für eine Ausbildung gewinnen. Das stärkt die Wirtschaft und die Chancen der Hochschulabbrecher.“

19.09.2018 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Kultus
  • © GaudiLab/Shutterstock

Kultusstaatssekretär Herbert Wolff hat heute den Startschuss für das neue Landesprojekt „Quickstart Sachsen“ gegeben. „Ziel ist es, Studienzweifler und Studienabbrecher für eine Berufsausbildung zu gewinnen“, erklärte Wolff. Der Staatssekretär machte zudem deutlich, warum das Projekt so wichtig ist. „Auf der einen Seite leidet die Wirtschaft unter dem Fachkräftemangel. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Studienabbrecher zu hoch. Beide Probleme müssen wir lindern. Wir wollen in Zukunft die Studienabbrecher mit den Unternehmen noch besser zusammen bringen.“ Als Vertreter der Bundesregierung war Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in Radebeul dabei, denn die Bundesregierung (BMBF) fördert mit rund 1,4 Millionen Euro im Zeitraum 2018 bis 2020 das Vorhaben. 

Im Rahmen seiner Auftaktrede betonte der Kultus-Staatssekretär Wolff, dass ein Fehlschuss im Studium keinen Untergang bedeute, sondern eine Ausbildung neue Türen für die berufliche Karriere öffne. „Gründe für einen Studienabbruch gibt es viele und es ist sicher kein schönes Gefühl. Aber entscheidend ist, wie geht es dann weiter. Quickstart Sachsen hilft beim Umstieg vom Hörsaal in die berufliche Ausbildung. Das stärkt die Wirtschaft und die Chancen der Studienabbrecher“, machte Wolff deutlich. Im Bundesdurchschnitt brechen rund 29 Prozent ihren Bachelorstudiengang ab. Das ist knapp jeder Vierte.

Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange mahnt: „Es ist wichtig, Studienabbruch nicht als Scheitern junger Menschen zu begreifen, sondern als Korrektur einer Weichenstellung in einem durchlässigen Bildungssystem. Im dualen System eröffnen sich Studienzweiflern und -abbrechern häufig neue Optionen, die besser zu ihren Talenten passen. Das führt letztlich auch zu höherer Lebenszufriedenheit. Ich habe dabei das mutige Korrigieren nie als Schwäche, sondern als große Stärke der Betroffenen wahrgenommen. Mein Haus unterstützt aber nicht nur das Leuchtturmprojekt Quickstart. Um Studierenden frühzeitig zu helfen, bevor sie ein Studium beginnen oder wenn sie in Schwierigkeiten kommen, fördern wir viele Maßnahmen an den Hochschulen, die den Studieneinstieg erleichtern und den Studienerfolg erhöhen sollen, damit es gar nicht zu Zweifeln oder zum Abbruch kommt.“   

Um die Lücke zwischen dem Studienabbruch und Ausbildungsstart zu schließen, werden zukünftig spezielle Mitarbeiter an den Hochschulen eingesetzt. Ihre Aufgaben sind unter anderem Netzwerkarbeit, Weiterentwicklung von Werbematerialien und „Best-Practices“ zu finden und zu multiplizieren. Hinzu kommen Messeteilnahmen, Frühwarnsysteme an den Hochschulen, Workshops, Coachings sowie eine Begleitevaluation, um zu sehen wie die Maßnahmen des Projekts wirken. Des Weiteren wurde eine Website entwickelt, auf der sich Studienzweifler und Studienabbrecher sowie Unternehmen und Netzwerkpartner zum Projekt informieren und passende Beratungsstellen finden können. 

Die Berufsberater der Arbeitsagenturen helfen den Studienzweiflern und Studienabbrechern bei der beruflichen Neuorientierung – direkt an den sächsischen Hochschulen. Sie kennen die Berufe, deren Anforderungen, die Zukunftsaussichten und wissen, welche Unternehmen in der Region freie Ausbildungsstellen anbieten. „Die Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Seit Jahren gibt es tausende unbesetzte Lehrstellen, weil sich keine geeigneten Bewerber gefunden haben. Studium und Ausbildung sollten mit dem Blick auf die hohen Fachkräftebedarfe zum Start eines Berufslebens als gleichrangig angesehen werden. Dann ist auch die Ausbildung nach einem Studienabbruch eine gute Wahl. Für alle, die anschließend weiterkommen wollen, gibt es heute viele Aufstiegsmöglichkeiten“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Die Leitung des Projektes erfolgt durch das Kultusministerium und die TU Bergakademie Freiberg. Sie arbeiten mit vier weiteren Ministerien und acht sächsischen Hochschulen zusammen. Ebenfalls Netzwerkpartner sind die Regionaldirektion Sachsen der Agentur für Arbeit und alle Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern und Kammern für freie Berufe des Freistaates.

Weitere Informationen zum Projekt


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden