"Qualifizierungsinitiative für Deutschland"

Die Kultusministerkonferenz und das Bundesministerium für Bildung und Forschung haben am 6. März 2008 in Berlin für die "Qualifizierungsinitiative für Deutschland" Schwerpunkte gemeinsamer Verantwortung festgelegt. Die Qualifizierungsinitiative hatten die Regierungschefs von Bund und Ländern im Dezember 2007 auf den Weg gebracht. Die Einzelheiten des Papiers stellten die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, und die saarländische Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, Annegret Kramp-Karrenbauer, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, heute vor:

06.03.2008 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

Aufstieg durch Bildung - Qualifizierungsinitiative für Deutschland

Die Qualität von Bildung und Ausbildung ist die Basis der persönlichen Lebenschancen jedes Einzelnen, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unseres Landes und des sozialen Zusammenhaltes der Gesellschaft. Die jüngsten internationalen Vergleichsstudien belegen die Qualität unseres Bildungssystems ebenso wie die Leistungen, die unser Land beim Einstieg junger Menschen in ein eigenverantwortliches Leben, beim Qualifikationsniveau der Arbeitnehmer oder bei wissenschaftlichen und technischen Innovationen verzeichnet.

Bund und Länder werden deshalb in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen den eingeschlagenen Weg zum Ausbau von frühkindlicher Betreuung und Bildung, gemeinsamen Bildungsstandards und vergleichbaren Abschlüssen, zu nationalen und internationalen Leistungsvergleichen, zu mehr individueller Förderung, besserer Unterrichtsqualität und mehr Eigenverantwortung der Bildungseinrichtungen sowie der strukturellen Weiterentwicklung der beruflichen Bildung fortsetzen. Die Umsetzung dieser Bildungsreformen muss daran orientiert sein, den Lehrenden und Lernenden bestmögliche Bedingungen zu geben.

Die Bildungsvergleiche zeigen gleichzeitig, dass in Deutschland erhebliche zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind, um alle Begabungen zur Entfaltung zu bringen und Aufstiegschancen für jeden zu eröffnen. Die Zeit drängt. Die demographische Entwicklung, der wachsende Fachkräftebedarf und die Notwendigkeit von mehr Integration und Durchlässigkeit erfordern rasche Weichenstellungen. Bund und Länder haben dafür unterschiedliche Zuständigkeiten, aber eine gemeinsame Verantwortung. Das gilt insbesondere für die Übergänge innerhalb des Bildungssystems und zum Arbeitsmarkt.

Die gewachsene Aufmerksamkeit für die Bildungspolitik ist Aufforderung und Chance zugleich, in diesen Bereichen jetzt einen großen Schritt voran zu kommen.

Deshalb haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder die für Bildung und Wissenschaft zuständigen Fachministerinnen und –minister des Bundes und der Länder beauftragt, in Abstimmung mit den jeweiligen betroffenen Fachressorts bis zum Herbst diesen Jahres die Initiativen von Bund und Ländern zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses in einer "Qualifizierungsinitiative für Deutschland" zu bündeln. Das Ergebnis soll Gegenstand eines Treffens der Regierungschefs im Herbst werden.

Die Kultusminister der Länder und die Bundesbildungsministerin beauftragen eine Arbeitsgruppe auf Amtschefsebene, in folgenden Schwerpunkten konkrete Vereinbarungen zwischen den Ländern bzw. zwischen Bund und Ländern vorzubereiten:

1. Ein guter Schulstart für jedes Kind

  • Ausbau von Instrumenten der Sprachstandsfeststellung und der vorschulischen Sprachförderung mit dem Ziel, ausreichende Sprachkenntnisse bei jedem Kind vor Schulbeginn sicher zu stellen
  • Unterstützung von Modellen für eine bessere Verknüpfung von frühkindlicher Bildung und Betreuung
  • Initiative zur intensiveren, bundesweiten/flächendeckenden Fortbildung und Qualifizierung von Erzieherinnen, Erziehern und Tageseltern
  • Aus- und Weiterbildung im Bereich Krippenpädagogik sowie Multiplikatorenausbildung zur nachhaltigen Verankerung von Bildungsplänen in Kindergärten
  • Verbesserung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule

2. Abschluss und Anschluss für jeden jungen Menschen

  • Deutliche Reduzierung der Zahl der Schulabbrecher, u.a. durch die stärkere Verknüpfung von Schule und Praxis, wenn möglich durch Halbierung der Schulabbrecherzahlen
  • Gezielter Ausbau des Förderunterrichts für junge Menschen, die in ihren schulischen Leistungen den Anschluss an das erforderliche Kompetenzniveau nicht finden
  • Verbesserung des Übergangs in die Berufsausbildung (z.B. durch den Einsatz von Ausbildungsmentoren, durch zusätzliche Ausbildungsplätze für förderungsbedürftige Bewerber und durch bessere Anbindung berufsvorbereitender Maßnahmen an Ausbildungsinhalte)

3. Mehr Aufstiegschancen und Durchlässigkeit

  • Förderung von Migrantinnen und Migranten zur Verbesserung ihrer Ausbildungschancen und Studierfähigkeit
  • Stärkere inhaltliche Verzahnung von Berufsvorbereitung, Berufsausbildung und beruflicher Nachqualifizierung (Sicherung der Konsistenz in der Berufsbildung) durch Einsatz standardisierter und verbindlicher Qualifizierungsbausteine
  • Stärkung der Anschlussmöglichkeiten im Bereich des beruflichen Bildungssystems durch eine Verbreiterung der Angebote zum Erwerb von Studienberechtigungen und Sicherung der Gleichwertigkeit von Abschlüssen der beruflichen Bildung im internationalen Bereich.
  • Fortentwicklung des sog. Meister-BaföG, u.a. durch Einbeziehung von Berufsgruppen wie den Pflegeberufen
  • Verbesserung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte durch konkrete länderübergreifende Verabredungen
  • Ausbau des Stipendiensystems, z.B. durch die Einrichtung von Aufstiegsstipendien für Studienbewerber mit beruflicher Hochschulzulassung

4. Sicherung des Fachkräftenachwuchses

  • Maßnahmen zur Stärkung des Interesses an MINT im frühkindlichen Bereich, im Schulunterricht und in der Berufsorientierung
  • Steigerung der MINT-Kompetenz in der beruflichen Erstausbildung zur Verbesserung der Übergänge in die Weiterqualifizierung an Fachschulen und Hochschulen; entsprechende Fortentwicklung des Fachschulangebotes
  • Steigerung der Studienanfänger- und der Absolventenzahlen, insbesondere in den mathematischen, natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern (MINT) und an Fachhochschulen (Hochschulpakt II/Bologna-Reformen)
  • Vereinbarung zur Umgestaltung der bisherigen ZVS zu einer Serviceagentur für Hochschulzulassung
  • Bund-Länder-Initiative für den Ausbau von Weiterbildungsangeboten an Hochschulen, u.a. einer gezielten Weiterbildungsinitiative für arbeitslose Ingenieure.

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