Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: "Wir wollen die Bildungspotenziale der Kinder besser nutzen und Bildungschancen gerechter verteilen"

"Wir schöpfen die Bildungspotenziale unserer Schülerinnen und Schüler nicht genügend aus. Die Bildungschancen sind ungerecht verteilt. Denn viele Kinder und Jugendlichen könnten aufgrund ihrer Fähigkeiten eine höhere Schulart besuchen." Mit diesen Worten präsentierte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute das vierte und letzte Eckpunktepapier zur geplanten Schulgesetznovelle. In dem Papier wird der Weg skizziert, wie das Bildungsministerium in den kommenden Jahren das allgemein bildende Schulwesen in Schleswig-Holstein weiterentwickeln will und wie Gemeinschaftsschulen entstehen können.

06.12.2005 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Erdsiek-Rave nannte sowohl die zurückgehenden Schülerzahlen im Land als auch die Ergebnisse bei den PISA-Studien als Gründe für den weiteren Bedarf an Veränderungen im Schulsystem. Im Einklang mit dem Koalitionsvertrag bekräftigte sie, dass die Landesregierung das dreigliedrige Schulsystem nicht in Frage stelle, gleichzeitig aber die Voraussetzungen dafür schaffen wolle, dass Gemeinschaftsschulen entstehen könnten.

Die Bildungsministerin erinnerte daran, dass in Schleswig-Holstein zu viele Kinder von der Einschulung zurückgestellt, schon einmal eine Klasse wiederholt oder in eine andere Schulart schräg versetzt wurden. Ebenso wie in anderen Bundesländern hänge die Schullaufbahn eines Kindes stark davon ab, welcher sozialen Schicht die Eltern angehören.

Als Antwort auf diese Entwicklungen setzt die Ministerin auf den bereits eingeleiteten Perspektivenwechsel in der Pädagogik. "Statt Auslese geht es um individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes bzw. Jugendlichen. Fördern heißt dabei nicht nur das Beheben von Defiziten, sondern auch und vor allem Weiterentwicklung der jeweiligen individuellen Lernkompetenz. Es geht um alle jungen Menschen, nicht nur um Schülerinnen und Schüler mit Lernproblemen."

Jede Schule solle künftig ein Förderkonzept entwickeln und damit verbindlich arbeiten, so Ute Erdsiek-Rave. Die Arbeit mit Lernplänen, eine stärkere Einbindung der Eltern und eine engere Zusammenarbeit mit den Förderzentren, dem schulpsychologischen Dienst sowie gezielte Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte und der Förderfonds sollen helfen, das veränderte Lernen und Arbeiten Stück für Stück an allen Schulen in Schleswig-Holstein zu etablieren.

PISA hat gezeigt, dass in Schleswig-Holstein besonders viele Kinder eine verzögerte Schullaufbahn haben. Deshalb sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Versetzungen, Schulartwechsel und Abschlüsse verändert werden. Die Ministerin sagte: "Um dieses Problem werden wir uns besonders kümmern. Hier geht es um Lebenszeiten und Lernmotivation junger Menschen. Wir wollen Wiederholungen und Schulartwechsel nach unten deutlich reduzieren." Wiederholungen soll es nach Auskunft der Ministerin künftig nur noch am Ende der Orientierungsstufe und zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe geben. Die Schulartentscheidung solle nach der Orientierungsstufe abgeschlossen sein und danach werde es keinen Schulartwechsel "nach unten" mehr geben. Auf Antrag der Eltern blieben Ausnahmen von diesen Regeln möglich.

Weiterhin gelte künftig, so Erdsiek-Rave, dass es grundsätzlich keine Schulabschlüsse ohne Prüfungen mit zentralen Elementen mehr geben wird. Das 10. Hauptschuljahr wird ersetzt durch die Flexible Übergangsphase und die Möglichkeit für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler, an Realschulen oder Berufsschulen den Mittleren Abschluss zu erwerben.

Auf Antrag der Schulträger soll es künftig möglich sein, Gemeinschaftsschulen einzurichten. Diese können sowohl aus bisherigen Gesamtschulen wie auch aus Schulen der Sekundarstufe I des gegliederten Schulsystems entstehen. "In der Gemeinschaftsschule können der Hauptschulabschluss, der Mittlere Abschluss und der Übergang in die gymnasiale Oberstufe in einem gemeinsamen Bildungsgang erreicht werden", so die Bildungsministerin. Als zentrale Strukturelemente dieser neuen Schulart nannte sie den gemeinsamen Unterricht in den Klassen 5 und 6, unterschiedliche Formen und Angebote der Differenzierung und längeres gemeinsames Lernen von Klasse 7 bis 10. Jede Gemeinschaftsschule muss ein pädagogisches Konzept vorweisen.

Erdsiek-Rave: "Die Erfahrungen aus Staaten mit solchen Schulmodellen zeigen, dass sie damit mehr Schülerinnen und Schüler zu höheren Abschlüssen bringen. Darüber hinaus sind Gemeinschaftsschulen ein wichtiges Instrument, um ein vollständiges Bildungsangebot in der Fläche zu erhalten."

Auf alle neuen Entwicklungen werden sich die Schulen in den kommenden Jahren vorbereiten und einstellen können. Wir werden sie dabei nach Kräften unterstützen. Es geht nicht um Veränderungen auf Knopfdruck.


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