Die PISA-Studie im deutschen Ländervergleich
Bildung ist zu einem wichtigen gesellschaftlichen Thema geworden. Durch den PISA-Schock vor vier Jahren ist Bewegung in die schulische Erziehung und Bildung gekommen. Die Erkenntnis, wie schlecht es um Leistungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der deutschen Schülerinnen und Schüler steht, führte zu konkreten Reformen -aus Sicht der Eltern allerdings noch zu zögerlich.
14.07.2005 Pressemeldung BundeselternratDer Vergleich der PISA-Studien von 2000 und 2003 zeigt, dass es den Lehrerinnen und Lehrern in einigen Ländern gelungen ist, Schülerinnen und Schüler in Mathematik und den Naturwissenschaften deutlich zu fördern. Obwohl sie im Ländervergleich nach wie vor hintere Plätze belegen, haben Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Bremen bewiesen, dass eine signifikante Verbesserung möglich ist und dass ihre 15-Jährigen diesmal merklich bessere Ergebnisse erzielt haben als vor drei Jahren. Gerade Bremen zeigt, wie wichtig und sinnvoll bei der Reform der schulischen Bildung die Zusammenarbeit mit den Eltern ist.
Das relativ gute Ergebnis beim Problemlösen zeigt, dass die Schülerinnen und Schülern in allen Ländern kognitive Ressourcen besitzen. Leider werden diese Stärken in Mathematik, Naturwissenschaft und Lesekompetenz noch nicht entscheidend genutzt. Bedauerlich ist es, dass deutsche Kinder immer noch nicht in allen Ländern die gleichen Chancen haben, ihre Fähigkeiten auszuschöpfen. Bildungschancen hängen offenbar auch von der Wirtschaftskraft und der sozialen Struktur eines Landes ab. Dass alle drei Stadtstaaten nur in wenigen Teilbereichen den OECD-Durchschnitt erreichen, ist ein deutlicher Hinweis auf ihre schwierigen Ausgangsbedingungen.
Aus Sicht des Bundeselternrats ist eine größere gemeinsame Anstrengung von Ländern und Bund erforderlich, um die Leistungsstreuung zwischen den Ländern zu verringern und allen Jugendlichen in allen Regionen Deutschlands zukunftsfähige Bildung zu ermöglichen. Das Sinus-Programm zur Verbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts und das Ganztagsschulprogramm zeigen, wie Bund und Länder effektiv zusammenarbeiten können.
Mit Sorge nimmt der Bundeselternrat zur Kenntnis, dass Deutschland nach wie vor eine im europäischen Vergleich übergroße Gruppe von Risikoschülern hat, in einzelnen Ländern bis zu 30 Prozent; diese Jugendlichen ohne Chance auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt werden die Sozialhaushalte in den nächsten Jahren erheblich belasten. Hier sind Bildungs-, Wirtschafts- und Familienpolitik gemeinsam gefordert, individuelle Förderung und Unterstützung in den Schulen, aber auch im sozialen Umfeld und in den Familien zu initiieren. Mit dem Ganztagsschul-Programm, der Förderung frühkindlicher Bildung und mit Sprachförderung sind Bund und Länder auf dem richtigen Weg. Insbesondere die Familien unterstützenden Maßnahmen sind dringend auszubauen.
Bedenklich ist, dass sich die Lesekompetenz nur wenig verbessert hat. Neun Länder liegen hier unter dem OECD-Durchschnitt. Nur in fünf Ländern gab es eine signifikante Verbesserung. Da auch die Kultusminister erkannt haben, dass die Lesekompetenz im Zusammenspiel von Elternhaus, Nachbarschaft und Schule erworben wird, erwartet der Bundeselternrat ein klares Konzept, wie diese Zusammenarbeit gestaltet werden kann, wie Defizite in den Familien und vor allem in sozialen Brennpunkten abgebaut und alle Kinder und Jugendlichen optimal gefördert werden können. Sprachförderung darf allerdings nicht mit der Grundschulzeit beendet sein, sondern muss in der Sekundarstufe fortgeführt werden.
Oberstes Ziel aller Anstrengungen muss es sein, alle Schülerinnen und Schüler in ihren Stärken zu fordern und in ihren Schwächen zu fördern. Dabei darf kein Kind beschämt oder zurückgelassen werden. Eine selbstständige und eigenverantwortliche Schule, in der alle die Verantwortung für die dort lernenden Kinder und Jugendlichen übernehmen, bietet gute Chancen, zu einem attraktiven Lernort und zu einer gesellschaftlich geschätzten Einrichtung zu werden.
Der Ländervergleich zeigt: Bildung ist eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen dürfen weder im Streit um Schulstrukturen noch im Föderalismusstreit untergehen. Bund und Länder müssen gemeinsam ihre Kompetenzen in die Gestaltung einer zukunftsfähigen Bildung und Erziehung einbringen und für jedes Kind eine gute Schule schaffen.
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