Geschichtsunterricht an Gedenkstätten in Baden-Württemberg

Im Jahr 2004 besuchten mehr als 20.000 baden-württembergische Schülerinnen und Schüler eine der rund 50 Gedenkstätten im Land über die Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Das Land förderte die Studienfahrten mit Zuschüssen in Höhe von insgesamt 80.000 Euro.

08.08.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Dieser Geschichtsunterricht vor Ort soll dem Aufbau einer historischen Erinnerungskultur dienen. Wir wollen junge Menschen an die besondere Verantwortung heranführen, die sich aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte für jede nachfolgende Generation ergibt", sagte Kultusstaatssekretär Helmut Rau am Montag (8. August) in Stuttgart. Die Vielfalt der Gedenkstätten im Land verdeutliche die damalige Allgegenwart des NS-Regimes und den damit verbundenen "Schrecken vor der Haustüre", so der Staatssekretär weiter. Durch die Exkursionen erhielten junge Mensche Einblicke in die Mechanismen und Auswirkungen der nationalsozialistischen Gleichschaltungs- und Vernichtungspolitik. Der Besuch von Gedenkstätten ergänze die Vorgaben des Bildungsplanes. Ziel sei es, Zeugnisse der Lokal- und Regionalgeschichte über außerschulische Lernorte in den Unterricht einzubeziehen.

Die Gedenkstätten stellen, jeweils bezogen auf einen authentischen historischen Ort, unterschiedliche Aspekte der NS-Geschichte in den Mittelpunkt. Jede dieser Gedenkstätten ist dazu geeignet, die Nazi-Herrschaft generell, vor allem aber unter dem besonderen Aspekt des jeweiligen Verfolgungskomplexes, exemplarisch darzustellen. Die Schwerpunkte bilden die Themen Jüdisches Leben, Deportation und Holocaust, Konzentrationslager 1933-34 und 1944-45, Todesmärsche, Euthanasie, Rassismus, Zwangsarbeit, politisch Verfolgte, Widerstand sowie Kriegsgefangenschaft.

Alle Gedenkstätten in Baden-Württemberg verfügen über didaktisch aufbereitetes Material. Diese Ausarbeitungen werden durch zahlreiche weitere Materialien von Seiten der Schulverwaltung, des Landesinstituts für Schulentwicklung (LS) und der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) ergänzt. Das Kultusministerium hat 2004 mit zwei Pilotprojekten, "Der 27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" und "Der 20. Juli 1944 - 60 Jahre danach", die vielfältigen Aktivitäten der Gedenkstätteninitiativen mit den landesgeschichtlichen Arbeitskreisen und den Aktivitäten der Schulen vernetzt.

Seit 1989 fördert das Land Studienfahrten zu Gedenkstätten nationalsozialistischen Unrechts. Die Mittel sind im Landesjugendplan verankert und für Schulklassen, Jugend- und Studentengruppen bestimmt. Fahrten zu den Gedenkstätten, die bis zu 100 Kilometern von der Landesgrenze Baden-Württembergs liegen sowie der Besuch der Gedenkstätte Dachau, können ebenfalls mit Landesmitteln gefördert werden. Der derzeitige Fördersatz liegt bei 30 Prozent der Fahrtkosten.

Weitere Informationen sind unter www.gedenkstaetten-bw.de abrufbar.


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