GEW: "KMK wird gesellschaftlichem Auftrag nicht gerecht"

Als "wenig überzeugend" hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Position der Kultusministerkonferenz (KMK) in der Auseinandersetzung um die Föderalismusreform bezeichnet. "Die KMK wird ihrem gesellschaftlichen Auftrag, in allen Bundesländern für gleiche Bildungschancen zu sorgen, nicht gerecht. Nach dem Motto ´alles geht´, wird der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet. Das deutsche Bildungssystem driftet unter den Bedingungen des ´Wettbewerbsföderalismus´ der Länder noch weiter auseinander – zum Nachteil von Lehrenden, Eltern und Lernenden. Vielfalt haben wir bereits jetzt genug: Wir brauchen stattdessen mehr und vor allem verlässliche Qualität in den Bildungsprozessen", sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer heute mit Blick auf die 314. Plenartagung der KMK in Plön.

01.06.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

In einem Land mit steigenden Mobilitätsanforderungen müsse der Umzug einer Familie möglich sein, ohne dass ein Kind sitzen bleibt, weil 16 Bundesländer meinen, 16 verschiedene Schulsysteme produzieren zu müssen. Deutschland solle sich ein Beispiel an der Schweiz nehmen. Dort habe die Bevölkerung die Zeichen der Zeit erkannt und in einer Volksabstimmung die Harmonisierung des Bildungsraumes Schweiz beschlossen. Die KMK hingegen sei "unfähig zu klaren Konzepten". Sie lasse jetzt den Mittleren Abschluss an Gymnasien sowohl nach neun wie nach zehn Schuljahren zu und ermögliche für die gymnasiale Oberstufe ebenfalls mehrere Modelle. "Da blickt demnächst kein Mensch mehr durch. Die deutsche Schulpolitik ist auf dem Weg ins Niemandsland der Beliebigkeit", sagte Demmer.

Die ebenfalls zur Beratung anstehenden Pläne der KMK zur Beobachtung des Bildungswesens ("Bildungsmonitoring") finden in der GEW ein gemischtes Echo. "Die internationalen Vergleichsstudien wie PISA und IGLU sowie ein alle zwei Jahre erscheinender nationaler Bildungsbericht, der gemeinsam von Bund und Ländern herausgegeben wird, sind vernünftige Instrumente", betonte die Gewerkschafterin. Die flächendeckenden Vergleichsarbeiten in den Bundesländern und die Bundesländervergleiche hält die GEW jedoch "für höchst entbehrlich und gefährlich". "Wir sehen Zeiten entgegen, in denen eine Krankheit namens Testeritis die Schulen heimsucht", unterstrich die GEW-Vize. Weder Wissenschaft noch Schulen können nach Einschätzung Demmers die Fülle der gewonnenen Daten vernünftig verarbeiten. Die Politik nutze die Daten sowieso vor allem zur parteipolitischen Profilierung Auf sinnvolle Förder- und Unterstützungsmaßnahmen hingegen warteten die Schulen bislang vergebens. "Testeritis ist eine Krankheit, weil sie Geld und Zeit kostet, die anderweitig fehlen", sagte Demmer. Sie forderte die Kultusminister erneut auf, verbindlich von öffentlichen Schulrankings Abstand zu nehmen. Sinnvoller als auf Tests und Vergleichsarbeiten zu setzen, seien Instrumente zur Selbststeuerung von Schulen, die die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen verbessern.


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