Ministerin stellt Ergebnisse der Lernstandserhebungen in Klasse neun vor:

"Niemals zuvor hat es in Deutschland so detaillierte und umfassende Informationen an die Eltern und damit an die Öffentlichkeit über den Leistungsstand der Kinder, das Niveau einer Klasse und das einer Schule gegeben wie seit diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen mit den Lernstandserhebungen im vierten und im neunten Schuljahr." Mit diesen Worten stellte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer heute die Ergebnisse einer landesweiten Untersuchung zu den Lernstandserhebungen in Klasse neun vor.

15.03.2005 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Auswertung der Lernstandsergebnisse bestätigt unter anderem, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Schulformen, darüber hinaus aber auch innerhalb der Schulformen gibt - je nachdem, in welchem sozialen Umfeld die Schule liegt. "Diese Unterschiede sind uns vom Prinzip her seit der PISA-Studie bekannt. Unsere Lernstandserhebungen zeigen nun aber jeder Schule, allen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern, welche Leistungen die Jugendlichen gemessen an den Standards der Lehrpläne tatsächlich erreichen. Hierin liegt der eigentliche Sinn der Lernstandserhebungen, denn genau das konnte eine Stichproben-Untersuchungen wie PISA nicht leisten", erklärte Schäfer.

Die Ministerin betonte, die Lernstandserhebungen allein seien sicher kein Garant für ein besseres Bildungssystem - aber sie lieferten eine wichtige Grundlage dafür, nämlich klare Standards und Transparenz über den erreichten Leistungsstand.

Im November 2004 hatten alle Schülerinnen und Schüler in den neunten Klassen aller Schulformen - insgesamt knapp 200.000 Jugendliche - Lernstandserhebungen in Deutsch, Mathematik und Englisch geschrieben. Dabei gab es zwei verschiedene Testversionen mit einem gemeinsamen Kern von Aufgaben. Für Gymnasiasten, Realschüler und Gesamtschüler in den Erweiterungs-Kursen (E-Kursen) kamen überwiegend anspruchsvolle Aufgaben hinzu, für die anderen Gesamtschüler sowie die Hauptschüler zusätzlich Aufgaben vor allem auf grundlegendem Niveau.

Schüler, Eltern und Lehrer haben bereits eine Rückmeldung über das Ergebnis der Lernstandserhebungen erhalten. Sie zeigt unter anderem, welche Aufgaben die Schülerinnen und Schüler gelöst haben, wie viel Prozent in der Klasse die jeweiligen Aufgaben lösen konnten und wie viele Jugendliche an der gesamten Schule.

Mit Hilfe einer Untersuchung von Wissenschaftlern um Prof. Detlev Leutner (Universität Duisburg-Essen) ist es nun möglich, auch ein Gesamtergebnis für NRW zu präsentieren, Schülerinnen und Schüler Kompetenzniveaus zuzuordnen sowie den Schulen die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen Schulen, die ähnliche soziale Rahmenbedingungen haben, zu vergleichen.

Die Forscher haben dafür einen wichtigen Teilbereich aus jedem Fach näher untersucht - in Englisch und Deutsch die Lesekompetenz, in Mathematik das anspruchsvolle "Modellieren", womit die Anwendung mathematischer Kenntnisse in unterschiedlichen Alltagssituationen gemeint ist.

Die Schülerinnen und Schüler wurden in Deutsch und Englisch fünf, in Mathematik vier Kompetenzniveaus zugeordnet. Dabei wird deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen den Schulformen sind. So erreichen beispielsweise in Englisch 80 Prozent der Gymnasiasten die beiden oberen Niveaustufen, 29 Prozent der Realschüler, 12 Prozent der Gesamtschüler und 6 Prozent der Hauptschüler. Umgekehrt wird auch klar, dass beispielsweise in den Gesamtschulen und Hauptschulen 25 bzw. 36 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht über der Niveaustufe 1 liegen. In Mathematik und Deutsch sieht das Ergebnis vom Prinzip her ähnlich aus.

Ministerin Schäfer betonte, dass es aus ihrer Sicht wenig Sinn mache, beispielsweise eine Schule aus einem sozialen Brennpunkt mit einer Schule im ländlichen Raum zu vergleichen. Deshalb untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die Ergebnisse von Schulen, die ein anderes soziales Umfeld haben, von einander unterscheiden. Die Leistungen der Jugendlichen an Schulen mit einem weitgehend unproblematischen sozialen Umfeld sind demnach an allen Schulen, vor allem aber an den Gesamtschulen, klar besser als die Leistungen von Jugendlichen in einem Umfeld mit hoher Arbeitslosigkeit, vielen Zuwanderfamilien und geringen Einkommensverhältnissen.

"Unsere Lernstandserhebungen machen noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, einerseits Kinder früh so zu fördern, dass sie unabhängig von ihrem Umfeld an Bildung herangeführt werden, andererseits Schulen in sozial schwierigem Umfeld zu unterstützen", sagte Schäfer. Das Land habe in diesem Bereich unter anderem mit dem Ausbau der vorschulischen Sprachförderung und der Ganztagsplätze in der Grundschule, aber auch mit gezielten Hilfen vor allem für Hauptschulen und Gesamtschulen (570 Lehrerstellen für Sprachförderung, 400 Sozialpädagogen für die Hauptschulen) sowie mit Projekten für benachteiligte Schüler beim Übergang in den Beruf klare Akzente gesetzt.

Die Ministerin kündigte an, alle Haupt- und Gesamtschulen dabei zu unterstützen, die sprachliche Entwicklung ihrer Schüler mit Hilfe geeigneter diagnostischer Materialien zu analysieren. 400 Hauptschulen - also mehr als die Hälfte - sollen zudem an einem internetgestützten Sprachförderprojekt teilnehmen können. Das Projekt eFit ist mit den Verlagen Klett und Cornelsen entwickelt worden und setzt damit die Zusammenarbeit beispielsweise bei Abi-online fort.

Entscheidend, so Ute Schäfer, sei aber, dass in den kommenden Jahren in allen Schulformen der Sekundarstufe I schrittweise die Unterrichtszeit ausgeweitet werde. Was im Gymnasium notwendig sei, um eine Schulzeitverkürzung zu ermöglichen, mache das Land freiwillig in den Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen, um hier bessere Rahmenbedingungen für die Förderung von leistungsstarken wie leistungsschwachen Jugendlichen zu ermöglichen. Insgesamt lasse sich das Land diese Ausweitung der Unterrichtszeit bis zum Jahr 2010 rund 2400 Lehrerstellen kosten, davon 1750 für Schülerinnen und Schüler außerhalb des Gymnasiums.

Außerdem sollen mehr als 3000 Lehrerstellen, die im Haushalt für die Integration von Zuwanderkindern ausgewiesen sind, nach einem neuen Modus an die Schulen verteilt werden. So soll künftig ein Stellenzuschlag an die Bedingung geknüpft werden, dass die Schule ein geeignetes Förderkonzept für Kinder aus Zuwanderfamilien und sozial benachteiligten Familien vorlegt.

(Weitere Informationen zu den Lernstandserhebungen finden Sie auf der Homepage des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder in NRW unter www.bildungsportal.nrw.de)


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