Ahnen: Sprachförderung in Kindertagesstätten wird flächendeckend ausgebaut

"Sprache ist der Schlüssel für schulischen Erfolg und spätere berufliche und persönliche Zufriedenheit. Deswegen ist im Rahmen eines Acht-Millionen-Euro-Programms vorgesehen, Maßnahmen zu fördern, um allen Kindern eine optimale Vorbereitung auf die Schule und bei Bedarf eine intensive Sprachförderung vor allem im letzten Kindergartenjahr zu ermöglichen", erklärte Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen bei der Vorstellung der Eckpunkte für die künftige landesweite Förderung von Sprachfördermaßnahmen in Kindergärten.

06.01.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Ein wesentliches Ziel des Landesgesetzes zur frühen Förderung, das am 1. Januar 2006 in Kraft getreten ist, sei der umfassende quantitative und qualitative Ausbau von Angeboten zur Sprachförderung für Kinder. Ein besonderer Schwerpunkt liege hierbei auf dem letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung. In einer entsprechenden Verwaltungsvorschrift seien nun Art und Umfang der Förderung geregelt. "Auf dieser Grundlage können die Kindertagesstätten und Jugendämter ihre Fördermaßnahmen planen und beantragen", erklärte Ahnen bei einem Besuch in der städtischen Kindertagesstätte Aubachstraße in Mainz-Finthen. Maßgebliche Veränderungen gegenüber dem bisherigen Sprachförderprogramm bestünden in der massiven Steigerung der Anzahl der Maßnahmen, einer Erhöhung des zeitlichen Umfangs und in einer Heraufsetzung des Personalkostenzuschusses. "Die Intensität der Sprachförderung nimmt somit in den Kindertagesstätten noch einmal deutlich zu", unterstrich die Ministerin.

Die Träger von Kindertages-Einrichtungen können zukünftig beim zuständigen Jugendamt, dem pädagogischen Bedarf entsprechend, zwei unterschiedliche Sprachfördermaßnahmen beantragen:

  • Eine Basisförderung, bei der pro Gruppe mit mindestens 5 Kindern 2000 Euro für 100 Zeitstunden Sprachförderung und ein Materialkostenzuschuss in Höhe von 50 Euro gewährt werden.
  • Eine Intensivförderung, bei der pro Gruppe mit mindestens 4 und höchstens 6 Kindern 4000 Euro für 200 Zeitstunden und ein Materialkostenzuschuss in Höhe von 50 Euro gewährt werden.

Ziel dieser Fördermaßnahmen sei es, dass alle Kinder bis zum Eintritt in die Schule aktiv und passiv an einem Gespräch auf Deutsch teilnehmen und zum Beispiel einer Erzählung oder einer vorgelesenen Geschichte auf Deutsch folgen könnten, wie dies in den seit 2004 geltenden Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten vorgegeben sei, unterstrich Doris Ahnen. Um wirklich allen Kindern gerecht zu werden – zum Beispiel auch denjenigen, die nicht in Deutschland aufgewachsen seien – biete man diese zwei unterschiedlichen Module an. "So gewährleisten wir eine individuelle und am jeweiligen Kenntnisstand der Kinder orientierte Förderung", sagte die Ministerin. Deshalb lege das Land auch Wert darauf, dass die Förderkurse von fachlich geeigneten Kräften gehalten würden.

Dieses Förderinstrumentarium ist Bestandteil des Landesprogramms "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an", das unter anderem auch die Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung vorsehe, damit möglichst alle Kinder eine Kindertagesstätte besuchen. Um wirklich alle Kinder erreichen und fördern zu können, werde der Anmeldetermin für die Grundschule auch deutlich nach vorne, vom Dezember auf einen Zeitpunkt unmittelbar nach Schulbeginn des laufenden Schuljahrs, gezogen. Erstmals gelte dies im Herbst 2006 für das Schuljahr 2007/2008. Beim Anmeldegespräch werde ein besonderes Augenmerk auf die Einschätzung des Sprachvermögens der künftigen Erstklässlerinnen und Erstklässler gerichtet, sagte die Ministerin. Für Kinder, die in einer Kindertagesstätte seien, erfolge Beobachtung, Feststellung und Förderung des Sprachvermögens in der Kindertagesstätte. Für Kinder, die keine Kindertagesstätte besuchten, erfolge die Überprüfung im Rahmen des Anmeldeverfahrens an der Grundschule. Zeige sich bei dieser Überprüfung ein Förderbedarf, so empfehle die Schule den Eltern den Besuch des Kindergartens mit den entsprechenden Angeboten zur Sprachförderung. Sollten sich trotz einer intensiven Beratung die Eltern nicht für den Besuch des Kindergartens entscheiden können, könne eine verbindliche Teilnahme an einem Sprachförderkurs ausgesprochen werden. Hierfür hielten die Kindertagesstätten entsprechende Plätze in den Kursen frei.

"Das neue Sprachförderkonzept für das letzte Jahr vor der Einschulung kann auf einer guten pädagogischen Basis aufbauen", betonte Ahnen. Sprachförderung stelle eine zentrale und dauerhafte Aufgabe in allen Kindertagesstätten dar. Dieser Auftrag sei in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen von 2004 noch einmal ausdrücklich betont und verstärkt worden. Bereits Anfang 2005 hätten alle Kindertagesstätten den Spracherhebungsbogen SISMIK (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen) kostenlos erhalten, um die individuelle Sprachförderung zu verstärken und gezielte Elterngespräche zu führen. Mehr als 1200 Erzieherinnen und Erzieher hätten allein in den vergangenen beiden Jahren an Fortbildungsveranstaltungen zur Sprachförderung teilgenommen. "Das zeigt das hohe Interesse in den Kindertagesstätten sowohl an alltäglicher Sprachförderung als auch an Angeboten für Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf", erklärte die Ministerin und unterstrich: "Sprachförderung und Schulvorbereitung sind in den Kindertagesstätten gut aufgehoben."

"Die Landesregierung hat bereits frühzeitig gezielte Angebote zur Sprachförderung, insbesondere für Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache, in den Kindertagesstätten auf den Weg gebracht". Seit 2002 seien in mehr als 630 Gruppen über 5600 Kindern durch zusätzliche Sprachförderkurse gefördert worden. "Die flächendeckende Ausdehnung der Sprachförderung ist nun der nächste logische Schritt in unserem Konzept der frühen Förderung und wird durch die Bereitstellung erheblicher zusätzlicher finanzieller Mittel innerhalb des Landesprogramms ,Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an´ möglich", betonte Doris Ahnen. Bei der Umsetzung des Programms habe man darauf geachtet, dass sich das Antragsverfahren für die Kindertagesstätten möglichst einfach gestalte. So erhalte jedes Jugendamt zu Beginn eines Kalenderjahres ein Budget zur Einrichtung von Sprachförderkursen und von speziellen Maßnahmen zur Vorbereitung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule. Dieses orientiere sich jeweils zur Hälfte an der Zahl der Fünfjährigen und der Zahl der Grundschüler nicht-deutscher Muttersprache im jeweiligen Jugendamtsbezirk. "Ich bin überzeugt, dass die Beteiligten die neuen Förderangebote in einem hohen Maße in Anspruch nehmen, damit möglichst alle Kinder mit guten Sprachkenntnissen die Schule beginnen", sagte die Bildungs- und Jugendministerin abschließend.


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