Kindertagesbetreuung

Betreuungsstudie des DJI 2010 - Große Unterschiedlichkeiten im Angebot und Niveau der Kindertagesbetreuung

20.06.2011 Artikel

.

Das Deutsche Jugendinstitut hat Anfang Juni den aktuellen Betreuungsaltas 2010 vorgestellt. Darin werden - wie in dem Vorläuferbericht des Jahres 2008 Daten zur Inanspruchnahme und Qualitätsmerkmale aus der regionalen Perspektive zusammengestellt.

Anmerkungen:

Die Feststellung aus der Zusammenfassung des DJI, dass "in Deutschland ... erhebliche regionale Disparitäten im Angebot und im Niveau der Kindertagesbetreuung (bestehen)", ist ebenso nicht neu, aber bedrückend, dass "für Kinder nicht nur unterschiedliche Zugänge zur frühkindlichen Bildung, sondern für deren Eltern auch günstigere oder ungünstigere Voraussetzungen, um Familie und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren". Bedeutung haben sie im Zusammenhang mit dem Unterschied im U3-Ausbau und u.a. auch in Bezug auf die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit von pädagogischen Mitarbeiterinnen.

In dem Bericht wird u.a. darauf aufmerksam gemacht, dass beim U-3-Ausbau die bestehen Voraussetzungen in Sachsen bestehen, dem einzigen Bundesland mit einem bereits bestehenden Rechtsanspruch und dass die regionalen Bedingungen entscheidender sind, als die durch Bund und Länder geschaffenen Bedingungen, zumal vor allem in den Verdichtungsräumen, in denen ansonsten eine gute Versorgung besteht, auch ein umfangreicheres und differenzierteres Angebot für Kinder unter 3 Jahren besteht. Bezogen auf die Situation der Mitarbeiterinnen wird darauf aufmerksam gemacht, dass in Westdeutschland der Anteil an Vollzeitstellen weiter rückläufig ist.

In einem Interview stellt der Leiter des DJI, Prof. Rauschenbach die Ergebnisse in einen Zusammenhang und weist u.a. abschließend auf eine "leise Revolution" hin, die sich daraus ergibt, dass Kinder ab dem zweiten Lebensjahr mehr Zeit in einer öffentlichen Einrichtung verbringen als in der Grundschule:

"Für mich lautet die Botschaft, die wir aus den Zahlen und Ergebnissen der Befragungen ablesen können: Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr künftig viel Zeit ihres Kindseins in öffentlichen Einrichtungen verbringen werden. Und die Kita wird mit vier bis fünf Jahren Besuchsdauer dann noch vor der Grundschule liegen. Das ist historisch eine kleine, leise Revolution, die sich gerade in Deutschland – vor allem im Westen – abzeichnet. Das aber erfordert auch, dass diese Institutionen die entsprechende Verantwortung für das gedeihliche Auswachsen von Kindern übernehmen und mit entsprechenden Ressourcen auch zugesprochen bekommen und dass sie sich dafür auch zugleich die Frage beantworten: Was müssen wir tun und allen Kindern bieten, damit die Entwicklung dieser Kinder so gestaltet wird, dass sie nicht nur gut versorgt werden, sondern sich wirklich gut entwickeln können?"

Die Feststellungen der Betreuungsstudie sind erneut ein Indiz dafür, dass Kinder in verschiedenen Ländern und Kommunen unterschiedliche Lebenschancen haben und daher strukturell benachteiligt werden, obwohl sie diejenigen sind, die "am wenigsten" dafür verantwortlich gemacht werden können. Endlich müsste der Bund, der nach Art. 72 Grundgesetz verpflichtet ist, "gleichwertige Lebensverhältnisse" im Bundesgebiet herzustellen, tätig werden. Dabei dürfte nicht erst darauf gewartet werden, dass das "Kooperationsverbot" wieder aus dem Grundgesetz entfernt wird, dass die Zuständigkeit der Bundesländer in Bildungsfragen nach der Föderalismusreform erst noch abgesichert hatte. Auch Bildungsgipfel reichen nicht aus. Es müsste gehandelt und die gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen z.B. durch eine Bundesratsinitiative aus NRW angestoßen werden.


Weiterführende Links

  • Bildungsklick Information
  • DJI Information
  • Übersicht
  • Ergebnisse
  • Interview mit Prof. Rauschenbach

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden