CDU

CDU-NRW: Im Leitantrag zum Landesparteitag am 6.11.2010 wird ein vorschulisches "Lernjahr" gefordert

05.11.2010 Artikel

In dem zum Landesparteitag am 6.11.2010 vorgelegten Leitantrag "Schulvielfalt statt Schuleinfalt" sind zwei für den Elementarbereich des Bildungswesens beachtliche Aussagen enthalten. Es wird ein "Lernjahr" vor dem ersten Grundschuljahr gefordert und Aussagen zur Qualität des Sprachförderprogramms in NRW getätigt.

Zu diesen Aussagen ist anzumerken:

Die Forderung nach einem "Lernjahr" widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen der Forschung über Lernen und nimmt selbst nicht langjährige Erfahrungen zur Kenntnis, die in NRW im Rahmen der Modellmaßnahme festgestellt werden konnten. Die Absicht drückt zudem aus, dass von einem für den Elementarbereich nicht angemessenen Verständnis von Bildung und Lernen ausgegangen wird.

Nach den bisherigen Erfahrungen kann in keiner Weise kann festgestellt werden, dass ein Sonderprogramm für Kinder mit einem besonderen Förderbedarf - nur ein Jahr vor der Einschulung - etwas Wesentliches bewegt. Im übrigen geht ein solches Bild von einem völlig unpassenden Grundverständnis in Bezug auf das voraus, woran Schule anknüpft. Schule müsste doch mit den Kindern "leben", die da sind. Wenn sich die Lebensumstände ändern, muss sich auch Schule ändern. Es kann doch nicht ernsthaft erwartet werden, dass alle Veränderungen, denen sich Familie heute stellen müssen, vor der Schule kompensiert werden können.

Seite 15, Zeile 372 ff: Sprachförderung

Das in und für NRW entwickelte Sprachstandsfeststellungsprogramm und die darauf aufbauende Sprachförderung hat zwar Beachtung gefunden. Es ist aber, genau wie Programme in anderen Ländern, überhaupt nicht "erfolgreich". Es gäbe, und das wurde bereits in einer Landtags-Anhörung zu dem Programm im Dezember 2007 deutlich, ganz andere Ansätze, die viel Erfolg versprechender wären.

Aufwand und Ertrag des Programms stehen zudem in keinem akzeptablen Verhältnis, zumal die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung auch von Erzieherinnen festgestellt werden konnten und zum Sprechenlernen keine punktuellen Programme, sondern grundlegende Verbesserungen für die Begegnung zwischen Kindern und Erwachsenen in der Einrichtung erforderlich sind, zumal Sprechen nur durch Sprechen in sinnvollen Zusammenhängen erfolgen kann. Außerdem müsste für Kinder, in deren Familien nicht Deutsch die Muttersprache ist, die "Primär-Sprache" auch gepflegt und im Sinne von kultureller Identität berücksichtigt werden.

Da in NRW keine Sicherheit besteht, dass das Instrument zur Feststellung der Sprachentwicklung verlässlich ist, ist auch das darauf aufgebaute Förderkonzept fragwürdig.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden