Hausaufgaben für die Ferien: Schulreform immer noch am Anfang

Das deutsche Schulsystem bringt zu viele Schulabgänger hervor, die den Anforderungen einer beruflichen Ausbildung nicht gewachsen sind. Das droht zur Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft zu werden. Im Jahr 6 nach PISA entfalten die eingeleiteten Schulreformen noch immer keine spürbaren Wirkungen. Die bisherigen Einzelmaßnahmen haben nur punktuell zu Leistungsverbesserungen geführt. Pünktlich zum Ferienbeginn in vielen Bundesländern formuliert der DIHK 13 schulpolitische Forderungen als Ferienaufgabe für die Verantwortlichen. Eine Auswahl:

12.07.2007 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Schulreformen benötigen eine schlüssige Konzeption

Die Bildungspolitik muss eine Gesamtstrategie für das Schulsystem entwickeln: Was soll unser Schulsystem erreichen? Welche Instrumente und finanziellen Mittel brauchen wir dafür? Welche Zwischenziele setzen wir uns auf dem Weg dorthin? Wer ist wofür verantwortlich? Wie messen wir die Erfolge? Ein solches Konzept fehlt bisher!

Lernen schon im Kindergarten

Kindergärten müssen Schulreife sichern. Dafür brauchen sie frühpädagogische Lehr- und Lernkonzepte, z.B. für sprachliche und soziale Fähigkeiten, für die Motorik und die Freude an Bewegung und Sport, für musische und ästhetische Kreativität sowie für erste spielerische naturwissenschaftliche Erfahrungen. Jeder Kindergarten sollte über auf Fachhochschulniveau qualifizierte Erzieher und Erzieherinnen verfügen.

Kindern die Naturphänomene früher erklären

Der DIHK fordert bundesweit die Einführung eines Faches "Naturphänomene" in der Grundschule. So kann das Interesse der Kinder für Natur und Experimente geweckt werden. Diese Begeisterung ist der Grundstein für gut qualifizierten Fachkräftenachwuchs in Naturwissenschaft und Technik.

Berufsorientierung in jedem Schulprogramm verankern

Alle Lehrer müssen aktiv fachübergreifend Berufsorientierung vermitteln. Spätestens ab der 7. Klasse ist es erforderlich, die Kinder stetig an die Arbeitswelt mit verschiedenen Berufen heranzuführen – z.B. über Praktika. Schule muss Anforderungen in Ausbildung und Beruf kommunizieren und erlebbar machen.

Lehrerbildung an der Schulwirklichkeit orientieren

Individuelle Förderung ist der Schlüssel zur Entfaltung der Potenziale jedes Kindes. Die PISA-Studien haben die Schwächen der Lehrer auf diesem Feld offenbart. Auch Erziehungskompetenz muss in der Lehrerbildung eingeübt werden, etwa durch Trainings zur Konfliktbewältigung oder zum Umgang mit Lernbeeinträchtigungen durch Stress (z.B. familiäre Probleme, Mobbing).

Eltern zu Partnern machen

Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern ist elementar für gute Lernergebnisse und erzieherischen Erfolg. Um mehr Eltern zu erreichen, sollten Schulen Eltern auch pädagogische Angebote machen, z.B. Vorträge zu "Lerntypen und Lernstrategien", "Persönlichkeitsentwicklung", zu "Konfliktbewältigung und Kommunikation in der Familie" oder zum Umgang mit problematischen Lebenssituationen. Dadurch wird die Erziehungskompetenz der Eltern gestärkt und die Schule entlastet.

Übergänge systematischer begleiten

Lehrkräfte sollten Kontakt halten zu den Kindergärten und Schulen, aus denen ihre Schüler kommen. Notwendig wäre, dass jeder Schüler aus der vorhergehenden Bildungsstätte eine "Profilmappe" mitbringt – und zwar mit Einschätzungen über Stärken, Schwächen und Neigungen, mit Lernbeispielen der Kinder, mit begründeten Schulempfehlungen sowie mit Selbsteinschätzungen, Wünschen und Zielen der Schüler und Bescheinigungen z.B. über Praktika.

Das DIHK-Papier "Zukunft heute gestalten – Hausaufgaben für die Kultusminister" ist zu beziehen unter verlag.dihk.de

Ansprechpartnerin Berit Heintz, Tel: (030) 20308-2513


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden