Hundt für Erhalt der Hauptschule
Am Montag, den 28. Februar wurde in Stuttgart die didacta 2005 von der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan (CDU) eröffnet. Wegen der vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland müsse Bildungspolitik zunehmend auch einen wirksamen Beitrag zur Integrationspolitik leisten, sagte die Kultusministerin bei der Eröffnung. Im Festvortrag sprach sich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt für den Erhalt der Hauptschule aus, allerdings seien individuelle Förderung und Leistungsstandards in Lesen, Schreiben, Rechnen und Naturwissenschaften unabdingbar.
28.02.2005 Pressemeldung Didacta Verband e.V. / Verband der BildungswirtschaftDie größte europäische Bildungsmesse macht die Landeshauptstadt fünf Tage lang zu Europas Bildungshauptstadt. 641 Aussteller aus 14 Ländern zeigen neue und innovative Produkte aus den vier Bereichen Kindergarten, Schule/Hochschule, Ausbildung/Qualifikation sowie Weiterbildung/Beratung. Zu der Bildungsmesse werden rund 70.000 Fachbesucher erwartet. Neben der Ausstellung gibt es ein umfangreiches und hochkarätiges Rahmenprogramm mit etwa 1.000 Veranstaltungen.
"Wir müssen die Bildung vom Kopf auf die Füße stellen", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bei der Eröffnungsveranstaltung der Bildungsmesse. Die Prioritäten seien entgegen der bisherigen Praxis in der Frühförderung zu setzen, statt in Oberstufe und Studium. "Im internationalen Vergleich", so Hundt weiter, "werden in Deutschland zu wenig öffentliche Mittel in die ersten, grundlegenden Bildungsjahre eines jungen Menschen investiert." Hundt sprach sich ausdrücklich für den Erhalt der Hauptschule aus, allerdings seien individuelle Förderung und Leistungsstandards in Lesen, Schreiben, Rechnen und Naturwissenschaften unabdingbar. "Bei allen Strukturdebatten wird gerne übersehen, dass bei einer Auflösung der Hauptschule die Schüler nicht verschwinden. Sie sind da und brauchen Förderung, Beratung und Betreuung."
Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan sieht die didacta 2005 "in einer Zeit der tiefgreifendsten Reformgeschichte unseres Bildungssystems in Deutschland. Wir stellen die Weichen für bessere Bildung und nachhaltigere Lernkultur." Für Schavan gehören Reformdebatte und Wertedebatte zusammen, denn Bildung brauche ein Fundament der Werte und Maßstäbe. Wegen der vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland müsse Bildungspolitik zunehmend auch einen wirksamen Beitrag zur Integrationspolitik leisten. "Der Schlüssel für den schulischen Erfolg ausländischer Jugendlicher liegt in der Sprache." Deshalb sei eine Sprachförderung, die bereits vor der Schule einsetze, zwingend erforderlich. Wichtig ist für Schavan darüber hinaus die Einführung von Bildungsstandards in den 16 Bundesländern. Damit verbindet sie die Erwartung, dass "das erschreckend hohe Gefälle zwischen den einzelnen Ländern abgebaut" wird. Damit verschwinde ein wesentliches Mobilitätshindernis.
Für Horst Kleinpeter, Präsident des Didacta Verbandes, kann sich das Zwischenergebnis der Reformen durchaus sehen lassen. "Bildung steht heute wieder im Fokus des öffentlichen Interesses, ja sie ist wieder Chefsache. Alle, die für Bildung Verantwortung tragen, haben die Zeichen der Zeit erkannt." Bei der Debatte jedoch stehe man sich selbst im Weg. "Bevor wir etwas tatsächlich in Angriff nehmen, diskutieren wir nahezu endlos über Konzepte, Zuständigkeiten und nicht zuletzt über das liebe Geld." Gerade über den so wichtigen Angeboten zu Bildung und Betreuung von Kleinkindern schwebe "einmal mehr das Damoklesschwert einer ungeklärten Finanzierung". Politik und Verwaltung zeige den größten Reformeifer im Bereich Schule. Allerdings seien hier nicht alle Vorschläge zu Ende gedacht. Sehr hoch dagegen sei die Bildungsplanreform zu bewerten, die gerade in Baden-Württemberg umgesetzt werde. "Die neuen Bildungspläne", so Kleinpeter, "schreiben verbindlich fest, über welche Kompetenzen die Schüler am Ende der Klassen zwei, vier, sechs, acht und zehn verfügen sollen."
Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster ist der Meinung, "dass die didacta und Stuttgart gut zueinander passen". Schließlich habe die Landeshauptstadt eine lange Tradition im Verlags- und Buchwesen. Darüber hinaus habe erst die konsequente Investition in Bildung den Großraum Stuttgart zu dem gemacht was er heute ist, Europas Exportregion Nummer eins. "Das arme Schwaben, lange ein klassisches Auswanderungsland, hat sich durch das konsequente Sammeln von Informationen und Erwerben von Know How zu einem Einwanderungsland mit hoher Wirtschaftsmacht entwickelt." Damit das so bleibe, müsse Bildung schon vor der Schule stattfinden. "Der Kindergarten muss eine Bildungseinrichtung mit Betreuungsaufgaben sein und nicht umgekehrt." Als Investition in die Zukunft will Schuster aus Stuttgart die kinderfreundlichste Großstadt in Deutschland machen. "In den letzten acht Jahren haben wir den Etat für Kinder und Jugendliche deshalb um 50 Prozent aufgestockt."
Die didacta, Europas größte Bildungsmesse, hat ihre Pforten noch bis zum 5. März geöffnet. Hier präsentieren sich alle wichtigen Anbieter aus dem Bildungsbereich. Namhafte Verlage, führende Soft- und Hardware-Unternehmen und Medienproduzenten sind genauso vertreten wie Bildungseinrichtungen, Verbände sowie Einrichtungs- und Ausstattungsunternehmen. Die didacta wird von der Messe Stuttgart in Zusammenarbeit mit den ideellen Trägern - Deutscher Didacta Verband e.V., Darmstadt, und VdS Bildungsmedien e.V., Frankfurt - ausgerichtet.
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