Deutscher Städtetag:

In einigen Großstädten bleiben Lücken bei der Kinderbetreuung

Die Städte haben beim Ausbau der Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen und in der Tagespflege große Fortschritte erzielt. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly aus Nürnberg, betonte mit Blick auf die heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes den hohen Einsatz, mit dem die Städte in den vergangenen Jahren und bis heute zahlreiche neue Betreuungsmöglichkeiten geschaffen haben. Gleichwohl müssen die Ausbau­anstrengungen weitergehen. Dies erfordert weitere Kraftanstrengungen von den Städten, aber auch von Bund und Ländern bei der langfristigen Finanzierung.

11.07.2013 Pressemeldung Deutscher Städtetag

"Binnen eines Jahres stieg die Zahl der Kinder unter 3 Jahren, die in öffentlich geförderter Kindertagesbetreuung sind, um mehr als 37.000. Diese Zahl belegt eindrucksvoll die Anstrengungen und den Leistungswillen der Städte. Der Ausbau der U3-Betreuung steht seit langem an oberster Stelle. Zum Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August 2013 kommen viele neue Plätze hinzu und der Deutsche Städtetag geht auch davon aus, dass die Betreuungsquote zum 1. August 2013 nochmals deutlich steigen wird. Dennoch werden vor allem in einigen Groß- und Universitätsstädten, wo der Bedarf sehr hoch ist, Lücken bei der Kinderbetreuung bleiben. In vielen Großstädten liegt der Bedarf mit über 50 Prozent allerdings auch weit über dem vom Bund angenommenen Durchschnitt von 39 Prozent."

Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes zum Stichtag 1. März 2013 ist nur eine Momentaufnahme. Weitere Betreuungsmöglichkeiten sind seither hinzugekommen. Viele neue Einrichtungen sind zudem in der Planungs- und in der Bauphase. Da die Nachfrage ständig steigt, sind in vielen Städten Ausbauprogramme für die nächsten Jahre fest verabschiedet.

"Auch nach dem 1. August 2013, dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs, muss und wird der Ausbau der Kindertagesbetreuung mit Hochdruck weitergehen. Das ist nötig, zumal die hochwertige Betreuung offensichtlich auch immer mehr Eltern überzeugt. Mit immer mehr qualitativ ansprechenden Betreuungs­angeboten steigt in vielen Städten die Nachfrage. Deshalb benötigen die Kommunen auch langfristig ein finanzielles Engagement von Bund und Ländern, das sich an dem steigenden Bedarf bemisst. Nur so lässt sich die anspruchsvolle Aufgabe der U3-Betreuung gesamtgesellschaftlich bewältigen", so Städtetagspräsident Maly.

Die Städte wollen so vielen Eltern wie möglich ihren Betreuungswunsch erfüllen. Sie unternehmen derzeit alles in ihrer Macht stehende, um das Platzangebot auch kurzfristig weiter zu erhöhen. Wo Plätze fehlen, suchen die Städte gemeinsam mit den Eltern nach individuellen Lösungen und bemühen sich, Alternativen anzubieten, wie zum Beispiel Platzangebote in angrenzenden Stadtteilen oder in Spielgruppen. Wichtig ist den Städten, dass bei allen Ausbauanstrengungen und Ausbaudruck die hohe Qualität der Angebote möglichst erhalten bleibt. Wesentlich dafür ist auch eine ausreichende Anzahl an qualifiziertem Betreuungspersonal, betont der Haupt­geschäftsführer des Deutschen Städtetages, Dr. Stephan Articus:

"Vor allem in den Ballungsräumen fehlen aktuell Erzieherinnen und Erzieher. Hier müssen die für die Ausbildung zuständigen Länder mehr tun. Die Deckung des gestiegenen Fachkräftebedarfes hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Die Ausbildung ist qualitativ sehr hochwertig und dauert mit den Praxisphasen 3 bis 5 Jahre je nach Bundesland. Die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher konnte in den vergangenen Jahren nicht entsprechend der Nachfrage gesteigert werden. Zudem haben viele Städte mit angespanntem Wohnungsmarkt Probleme bei der Anwerbung von Erzieherinnen und Erziehern, weil oftmals nicht ausreichend Wohnungen zur Verfügung stehen und die Lebenshaltungs­kosten gerade in den Großstädten, wo der Fachkräftebedarf besteht, vergleichsweise hoch sind."

Typische Beispiele für die Anstrengungen beim Ausbau der Kindertagesbetreuung in Großstädten

Frankfurt am Main: Ausgehend von knapp 4000 Plätzen für Kinder unter 3 Jahren im Jahr 2008 (Betreuungsquote von 18 Prozent) stehen zum 1. August 2013 mehr als 8000 öffentlich geförderte Plätze in Kindertagesstätten und Tagespflege zur Verfügung. Damit wird in Frankfurt am Main bei den 0-3-jährigen Kindern im neuen Kindergartenjahr am 1. August 2013 eine Betreuungsquote von rd. 38 Prozent erreicht. Bis zum Jahr 2017 sollen weitere 3000 Plätze gebaut werden. Bereits im Jahr 2016 werden 50 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe betreut werden können. Daneben werden auch die ganztägigen Betreuungsangebote für Schulkinder von 6-10 Jahren weiterhin massiv ausgebaut, von derzeit 55 Prozent auf insgesamt 60 Prozent im Jahr 2016.

Nürnberg: Ausgehend von gut 1400 Plätzen für Kinder unter 3 Jahren im Jahr 2008 (Betreuungsquote von 11,3 Prozent) stehen zum 1. August 2013 insgesamt 3500 öffentlich geförderte Plätze in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege zur Verfügung. Damit wird in Nürnberg zum neuen Kindergartenjahr am 1. August 2013 wahrscheinlich eine Betreuungsquote von fast 30 Prozent erreicht. Bis zum Jahresende 2013 steigt die Betreuungsquote voraussichtlich durch weitere Plätze in neuen Einrichtungen auf 35,4 Prozent. Bis zum Jahr 2020 soll das Platzangebot auf insgesamt 6100 Plätze in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege erhöht werden, angestrebt wird eine Betreuungsquote von 46 Prozent. Daneben werden auch die ganztägigen Betreuungsangebote für Schulkinder von 6-10 Jahren weiterhin massiv ausgebaut. Aktuell stehen 5400 Hortplätze für 36 Prozent aller Grundschulkinder zur Verfügung, diese Quote soll bis zum Jahr 2010 auf 50 Prozent gesteigert werden. Zusätzlich sollen weitere 20 Prozent der Grundschulkinder bis zum Jahr 2010 durch Angebote an gebundenen Ganztagesschulen und in der Mittagsbetreuung versorgt werden.

Düsseldorf: Ausgehend von gut 3500 Plätzen (Versorgungsquote 21,9 Prozent) zu Beginn des Kindergartenjahres 2008/2009, die größtenteils in öffentlich geförderten Kindertagesstätten und Tagespflege, zum geringeren Teil aber auch in geförderten Spielgruppen und in nicht geförderten Tageseinrichtungen angeboten wurden, wird zum 1. August 2013 mit insgesamt mindestens 6613 Plätzen eine Betreuungsquote von 38,3 Prozent erreicht. Bis zum Ende des Kindergartenjahres 2013/2014 werden sogar rd. 7300 Plätze zur Verfügung stehen, was einer Betreuungsquote von 41,5 Prozent aller Kinder von 0-3 Jahren entspricht. Der Ausbau wird in den nächsten Jahren unvermindert fortgesetzt. Wenn der Bedarf bestätigt wird, ist eine Versorgungsquote von 60 Prozent in den nächsten Jahren angestrebt. Durch den bereits erfolgten Ausbau der offenen Ganztagsschulen wurde bereits eine Versorgungsquote von 63 Prozent der Kinder von 6 bis 10 Jahren gesichert.

Bielefeld: Ausgehend von 1320 Betreuungsplätzen in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder unter 3 Jahren (Betreuungsquote 16 Prozent) im Jahr 2008 wird zum 1. August 2013 mit 3514 Plätzen in Kitas und Tagespflege eine Betreuungsquote von knapp 44 Prozent erreicht (berechnet auf der Basis neuer Bevölkerungsprognosen), Derzeit können die Bedarfe der Eltern – auch unterjährig – gedeckt werden, bei steigenden Anmeldezahlen werden jedoch mittelfristig zusätzliche Plätze geschaffen. Durch den bereits erfolgten Ausbau der offenen Ganztagesschulen wurden 6000 Betreuungsplätze für Grundschulkinder in Bielefeld geschaffen.

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