Jugendstaatssekretär Thomas Härtel eröffnet Tagung zu Integrationspolitik in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 26. September 2006

(Auszug aus der Eröffnungsrede von Jugendstaatssekretär Thomas Härtel - Achtung: Es gilt das gesprochene Wort!)

26.09.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

"In Berlin leben Menschen 184 verschiedener Nationalitäten. Alleine in Neukölln ist ein Drittel aller Bewohner nichtdeutscher Herkunft. Jugendliche Migrantinnen und Migranten fühlen sich oft hin- und hergerissen zwischen den Kulturen, in denen sie leben. Probleme der kulturellen Identität führen bei ihnen oft entweder zu einer Entfremdung von der traditionellen Lebensweise oder aber zu ihrer Überhöhung. Zudem leben Migrantenfamilien überdurchschnittlich häufig in schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen. Dieses Bündel von miteinander gekoppelten Komponenten belastet so die Entwicklung von Migrantenkindern.

(...)

Das Kriminologische Forschungsinstitut in Niedersachsen (KFN) untersucht bereits seit mehreren Jahren die Gewaltneigung von jugendlichen Migranten: Dazu führt das KFN seit 1998 Befragungen in Schulen durch. Die Schülerbefragungen zeigen:

  1. Auf hundert türkische Jugendliche entfallen pro Jahr nach eigenen Angaben fast dreimal so viele Gewalttaten wie auf gleichaltrige Deutsche. Die Opferangaben hinsichtlich der ethnischen Zugehörigkeit der Täter bestätigen weitgehend diese Daten der selbstberichteten Delinquenz.
  2. Sozial stark benachteiligte Jugendliche sind drei- bis viermal so häufig Mehrfachtäter wie die Privilegierten. Türkische Jugendliche sind zu zwei Dritteln, Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien und sonstige Ausländer zu 58 Prozent zu den sehr Benachteiligten zu rechnen. Im Gegensatz dazu: Junge einheimische Deutsche zählen nur zu einem Viertel zu den sehr Benachteiligten.

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Das Berliner Integrationskonzept "Vielfalt fördern - Zusammenhalt stärken" basiert auf dem Grundsatz "Fördern und Fordern". Wir verbessern die Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund - über Sprachförderung, schulische Bildung, berufliche Ausbildung und Qualifizierung, Erwerbstätigkeit sowie jugendspezifische Orientierungs- und Unterstützungsangebote. Sie bilden Schlüsselfunktionen für die Integration junger Menschen, z. B.

  • stärken wir die Sprachkompetenz bei Migranten durch Sprachkurse

 

  • beginnen wir mit der Förderung und Bildung von allen Kindern schon vor der Schule. Aus der PISA-Studie wissen wir, dass die Förderung der Lesekompetenz ein wirkungsvoller Ansatzpunkt ist, um die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund zu reduzieren.

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Damit tut Berlin so viel zur Integration wie noch nie zuvor. Und dennoch: Auf vielen Ebenen muss noch vieles anders und besser werden.

  • Wir müssen z. B. Mütter mit Migrationshintergrund zu Multiplikatorinnen qualifizieren und damit Stadtteilmüttern als Bindeglied zwischen Familie, Kita und Stadtteil schaffen.

 

  • Wir brauchen ein kostenfreies Angebot von Elternkursen zur Steigerung der Erziehungskompetenz in Kooperation mit den Migrantenorganisationen Berlins.

 

  • Wir müssen die Moscheen und Kulturvereine als Kooperationspartner für Veranstaltungen zu den Themen gewaltfreie und geschlechtsbewusste Erziehung gewinnen. (...)

 

  • Wir brauchen in der Jugendhilfe und in den Schulen mehr Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund.

(...)

Sie werden heute wichtige Leitfragen über das Selbstverständnis von Migranten und über die Ziele der Integration diskutieren. Klar ist: Wenn wir Benachteiligung und Gewalt vorbeugen wollen, brauchen wir Antworten auf diese Fragen. Dieser Open Space ist ein wichtiger Teil des Dialoges über die Integration. Ich bin gespannt auf die Arbeitsergebnisse."


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