Qualität entsteht nicht zufällig
Das Early Childhood Research Centre in Irland zeigt, was eine gute Kita ausmacht – und warum sie nicht allein in Räumen entsteht. Vernetzung, Spiel und verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit alle Kinder profitieren können. Von Franziska Schuberl
03.08.2026 Bundesweit Artikel Meine KitaGute Frühe Bildung kann Bildungswege, gesellschaftliche Teilhabe und Entwicklungschancen ermöglichen. Doch wie Qualität in der Praxis entsteht, ist komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. Dies zeigt das Early Childhood Research Centre ECRC an der Dublin City University in Irland. Es richtet den Blick nicht nur auf die pädagogische Arbeit in Kitas, sondern auf das gesamte System, in dem Frühe Bildung stattfindet. Seit seiner Gründung im Jahr 2018 erforscht das Zentrum, wie Frühkindliche Bildung gerechter, wirksamer und nachhaltiger werden kann. Im Unterschied zu Studien, die einzelne Programme, Fördermaßnahmen oder Curricula evaluieren, stellt das ECRC eine grundlegendere Frage: Unter welchen Bedingungen kann gute Frühe Bildung überhaupt entstehen? Die Antwort fällt eindeutig aus: Qualität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gut aufeinander abgestimmter Strukturen.
Diese Perspektive zeigt sich exemplarisch in Analysen des irischen Systems der Frühkindlichen Bildung, die das ECRC wissenschaftlich begleitet. Forschende des Zentrums identifizierten dabei eine Vielzahl konkreter Reformbedarfe – darunter ein neues Finanzierungsmodell und eine stärkere Professionalisierung der Fachkräfte. Gleichzeitig unterstreicht die Forschung des ECRC, dass einzelne Reformschritte isoliert kaum Wirkung entfalten. Verbesserte Ausbildung und Qualifizierung etwa greifen nur dann, wenn auch Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Zeitressourcen stimmen. Neue Finanzierungsmodelle wiederum Abbildungen: Lithiumphoto/Shutterstock.com bleiben wirkungslos, wenn sie nicht in der pädagogische Praxis ankommen. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Maßnahmen über mehrere Ebenen hinweg.
Gut vernetzte Systeme
Auch international zeigt sich ein konsistentes Bild. In Kooperationen mit Forschungspartnern aus Europa, Afrika, Amerika und Asien beweist das ECRC, dass Bildungsungleichheit kein nationales Problem ist, sondern ein globales Muster. Kinder profitieren auf sehr unterschiedliche Weise von den jeweiligen Bildungsangeboten – abhängig von sozialer Lage, familiärem Hintergrund und dem Zugang zu unterstützenden Systemen. Vergleichende Studien, etwa im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „RESYS – Resilient Early Childhood Systems“ zeigen, dass gut vernetzte Systeme, in denen verschiedene Akteure zusammenarbeiten, mehr Kinder erreichen und Ungleichheiten wirksamer ausgleichen können. Informationen fließen dort schneller, Angebote greifen besser ineinander und Familien finden leichter Zugang zu Unterstützung. Ein häufig herangezogenes Referenzmodell dafür ist Finnland. Dort arbeiten Kitas, Gesundheitsdienste, soziale Dienste und Schulen eng zusammen, die Übergänge gestalten sie gemeinsam und Verantwort lichkeiten sind klar verteilt.
Das ECRC im Überblick
Das Early Childhood Research Centre ECRC an der Dublin City University wurde 2018 gegründet und ist das erste spezialisierte For schungszentrum für Frühe Kindheit in Irland. Es verbindet Forschung, Praxis und Bildungspolitik mit dem Ziel, die Qualität Frühkindlicher Bildung nachhaltig zu verbessern. Im Fokus stehen Themen wie Chan cengerechtigkeit, Systementwick lung und die Professionalisierung von Fachkräften. Das ECRC arbeitet international und kooperiert mit Partnern aus Europa, Afrika, Amerika und Asien.
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Ein zentrales pädagogisches Thema in der Arbeit des ECRC ist das Spiel. In verschiedenen Forschungszusammenhängen – unter anderem im Rahmen der Initiative „Pedagogies of Hope“ – untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche Bedeutung das Spiel für Kinder in belastenden Lebenssituationen hat. Das ECRC unterstreicht: Gerade diese Kinder haben oft weniger Gelegenheiten zum freien Spiel, obwohl sie besonders stark davon profitieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Spiel eine stabilisierende Funktion haben kann. Es hilft, Stress zu verarbeiten, eröffnet Handlungsspielräume und stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Was Kitas wirklich stärkt
Hohe pädagogische Qualität zeigt sich auch in einer engen Zusammenarbeit mit Familien. Die Forschung – etwa im Rahmen des ECRC-Projekts „TOY to Share, Play to Care“ – macht deutlich, dass Frühe Bildung besonders wirksam ist, wenn sie nicht an der Kita-Tür endet. Kinder profitieren davon, wenn Eltern aktiv einbezogen werden und vertrauensvolle Beziehungen zwischen Fachkräften und Familien entstehen. Besonders erfolgreich sind niedrigschwellige, alltagsnahe Angebote, die Begegnung ermöglichen und Barrieren abbauen.
Hürden entstehen häufig durch komplizierte Verfahren, sprachliche Barrieren oder fehlende Zeit für Zusammenarbeit. Neben Vernetzung, Spiel und Familienarbeit sind zudem die Arbeitsbedingungen der Fachkräfte ein Qualitätsfaktor. Studien des ECRC, etwa im Rahmen von Projekten in Zusammenarbeit mit der International Labour Organization ILO, zeigen, dass die Interaktionen zwischen Fachkräften und Kindern eng mit strukturellen Faktoren wie Personalschlüssel, Zeitressourcen und Arbeitsbelastung verknüpft sind. Schlechte Rahmenbedingungen können sich demnach unmittelbar auf die Qualität der pädagogischen Arbeit auswirken. Gleichzeitig fehle es vielen Ländern weiterhin an verlässlichen Daten, um die Kita-Qualität systematisch weiter zuentwickeln, so das ECRC. Die Forschung des Early Childhood Research Centre macht vor allem eines deutlich: Gute Pädagogik entsteht nicht allein durch einzelne Methoden oder Programme. Sie ist eingebettet in ein komplexes Gefüge aus professionellen Beziehungen, verlässlichen Rahmenbedingungen und einer gemeinsamen Haltung gegenüber Kindern und Familien.
Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: Magazin Meine Kita, Ausgabe 02/2026, S. 26-27, www.meinekita.de
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