Ohne Förderung 'sprachlos'

"Bayern tut zu wenig für eine erfolgreiche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Flüchtlinge, Aussiedler oder ausländische Mitbürger trifft die Sparwut der Staatsregierung besonders hart. Ihre Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft sind in Bayern sehr gering", so das Fazit von Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, anlässlich des 'Internationalen Tages des Flüchtlings' am 28. September.

27.09.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

In Bayern gelingt es nach Ansicht der GEW nicht, die Potenziale junger Migranten zu fördern und sie zu angemessenen Schulabschlüssen zu führen. Obwohl in Bayern ein deutlich geringerer Prozentsatz von Migranten lebt als in Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg, weist der Freistaat bei den ausländischen Schülern mit 23% einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Schulabgängern ohne jeden Abschluss auf. Die Zahl der Zurückstellungen liegt ebenfalls deutlich höher als im Bundesvergleich.

In Sachen Sprachförderung werden in Bayern die Weichen falsch gestellt. So gab es nie einen verpflichtenden muttersprachlichen Unterricht und selbst der freiwillige Ergänzungsunterricht wird vollständig aufgegeben.

Den Beschluss des Ministerrats, Kinder mit Migrationshintergrund ohne ausreichende Deutschkenntnisse nicht mehr einzuschulen, lehnt die GEW als unangemessen ab. Bislang ist z.B. ungeklärt, was mit den Kindern geschieht, die nach der Rückstellung den Sprachtest erneut nicht bestehen. Frühzeitige Förderung der Sprachfähigkeit ist absolut notwendig - muss aber bereits mit dem Eintritt in den Kindergarten beginnen und konsequent in der Schule fortgeführt werden.

Der Umfang der schulischen Sprachförderung ist in Bayern viel zu gering, die Effizienz der Förderung zweifelhaft. So hat Bayern den bundesweit niedrigsten Anteil ausländischer Schüler an Realschulen sowie der zweitniedrigsten Anteil an Gymnasien. "Damit verspielt man Integrationschancen für zugewanderte Kinder und Jugendliche", so Brückner.

Noch eklatanter sind die Versäumnisse bei Flüchtlingen und deren Familien. Unsicherer Aufenthaltsstatus, Arbeitsverbot und fehlende Angebote geförderter Sprachkurse treiben diese Familien in die soziale und bildungsmäßige Isolation. "Gerade diese Menschen, die oft traumatisiert sind, benötigen die Unterstützung des Staates. Dauerhafte Besserung können die vorwiegend ehrenamtlich getragenen Vereine, wie das Behandlungszentrum 'Refugio München', allein nicht erreichen. Hier muss der Freistaat investieren - nicht zuletzt in die interkulturelle Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte", so Brückner.

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GEW Bayern

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