Pauken mit bits und bytes
(Eigenbericht) Das Thema Hausaufgaben und Nachhilfe ist zwar ein zentrales aber nicht gerade allzu beliebtes in den Familien. Nicht genug, dass Erwachsene sich selbst als Kind mit Mama oder Papa dabei gequält haben - mit den eigenen Sprösslingen geht´s dann weiter.
21.04.2004 ArtikelFachleute warnen davor, Eltern konsequent als Nachhilfelehrer einzusetzen. In den ersten Schuljahren mag das zwar noch funktionieren, aber spätestens ab Klasse fünf endet die zunächst gut gemeinte Unterstützung nicht selten in Tränenausbrüchen, Wutanfällen oder schlicht in Resignation. Außerdem sind Eltern wohl kaum Experten in allen Schulfächern und scheitern schnell mal in Französisch bei der Frage, "Wie lautet die 1. Person Imperfekt von aller?" oder verzweifeln am Satz des Pythagoras. Nicht zuletzt um diesen familiären Dramen zu entgehen, lassen sich Eltern das Stopfen der Lernlücken ihrer Sprösslinge etliches kosten. Knapp 20 Millionen Euro wandern Woche für Woche aus den familiären Portemonnaies in die Taschen privater Nachhilfelehrer. Kein Wunder, dass Eltern auch nach preiswerteren und dennoch effizienten Lernhilfen suchen: Lernprogramme für den Computer, in denen der gesamte Lehrstoff eines Faches für mindestens ein Schuljahr steckt – und das für etwa 30 bis 80 Euro. Doch weil es unterdessen ein großes Angebot an Lernsoftware gibt, haben Eltern wie Schüler die Qual der Wahl: nämlich, welches Programm ist denn zum Lernen und zum Aufholen des versäumten Schulstoffes geeignet?
Passend zum Schulbuch
Für beinahe alle Themen haben die großen Schulbuchverlage die passende Software entwickelt. Da gibt es – besonders für die Sprachen Englisch, Französisch und Latein – Schulbuch begleitende Programme mit allen Lektionen aus dem jeweiligen Buch. So kann am PC parallel zum Unterricht gelernt aber auch Versäumtes gezielt nachgeholt werden. Die Programme übersehen weder einen vergessenen Akzent noch die falsch gesetzte Zeit oder einen Rechtschreibefehler. Vokabeln und Texte der einzelnen Lektionen werden außerdem vorgelesen, zum Beispiel beim Vokabel- und Grammatiktrainer von Klett. Auch mit dem neuen English Coach von Cornelsen wird parallel zum Schulbuch gelernt. In der 3D Welt können die Schüler außerdem ihre Talente als Karaoke-Sänger unter Beweis stellen. Daneben gibt es Fotostorys, Mitmachgeschichten und einen praktischen Tippkurs.
Schulbuchunabhängig
Daneben gibt es auch für diese Fächer schulbuchunabhängige oft sogar jahrgangsübergreifende Software, die erfolgreich zum Lernen eingesetzt werden kann. Beispiel: Das neue Langenscheidt e-Wörterbuch Lateinisch-Deutsch. Mit seinen 50.000 Stichwörtern ist das Programm zum einen ideale Hilfe für die Latein-Hausaufgaben, dank Konjugations- und Deklinationsübersichten und vielen Beispieltexten aber auch zum Pauken und Nachholen geeignet.
Manche Kinder brauchen eine Motivationshilfe beim Lernen. Gut geeignet: spielerische Lernprogramme mit kleinen Lerneinheiten. Für die Basisfächer Deutsch und Mathematik gehen Emil und Pauline auf der gleichnamigen CD-ROM von USM gemeinsam mit Schülern der fünften Klasse auf Safari. Hier trainieren die Kinder ihre Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse beim Elefantenausflug oder als Fluglehrer für Vogelkinder. Die Rechenkünste hingegen werden beim Regenmachen und Fischefangen unter Beweis gestellt. Und für das Lernen außerhalb von Bildschirm und Tastatur gibt´s Arbeitsblätter zum Ausdrucken.
Ein weiterer Tipp in Sachen Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik: die Reihe Lernvitamine. Sie basiert auf den vielfach ausgezeichneten Erwachsenensprachprogrammen des Münchner Spezialverlages digital publishing. Weiterentwickelt wurde die Schülersoftware vom Cornelsen Verlag. Mit Lückentexten, Antwortsätzen oder Hörübungen trainieren die Schüler Vokabeln, Rechtschreibung und Grammatik. Selbst Klassenarbeiten werden am PC simuliert – und benotet. Wert wird auf die korrekte Aussprache gelegt. Im digitalen Sprachlabor, wo ihre Aussprache mit der eines Muttersprachlers verglichen wird, können die Schüler ungestört üben, bis "ti-eytsch" oder der richtige französische Tonfall sitzen. Wer will, kann sogar das komplette Programm per Spracheingabe steuern.
Naturwissenschaften, Mathe und mehr
Ähnlich schulbuchübergreifend funktionieren Lernprogramme für Fächer wie Geschichte, Physik oder Mathematik. Wer zum Beispiel im 7. Schuljahr den Dreisatz nicht verstanden hat oder mit der Prozent- und Zinsrechnung nicht klar kommt, kann sich in einem Lernprogramm wie Mathebits von Westermann das notwendige Wissen aneignen – egal mit welchem Buch in der Schule gearbeitet wird. Denn mit Mathebits werden mathematische Grundlagen von der Pieke auf gelernt und geübt.
Echtes Grundlagenwissen verspricht die Reihe Basiswissen der Verlage Duden und Paetec. Für insgesamt 15 verschiedene Fachgebiete – von Astronomie über Geschichte bis Wirtschaft - wurden praktische Komplettpakete aus Buch, CD-ROM und Internetangebot geschnürt, die über mehrere Schuljahre genutzt werden können – meist von Klasse 5 bis 10. Ein Kompendium mit dauerhaftem Nutzwert.
Was aber, wenn die Lust am Lernen erst geweckt werden muss? Dafür eignen sich am ehesten Edutainmentprogramme oder – um im Jargon der PC-Gamer zu bleiben: Lernadventures, wie Mathica von Heureka Klett.
In diesem Lernabenteuer, das in seiner Optik durchaus mit echten PC-Spielen mithalten kann, müssen komplexe mathematische Rätsel und Aufgaben gelöst werden, bis die schöne Mathica aus ihrem Gefängnis befreit ist. Damit bereiten sich Schüler zwar nicht auf die nächste Mathearbeit vor, erkennen aber mathematische Zusammenhänge und können ihre Erkenntnisse praktisch anwenden. Der ausführliche Lernteil versorgt die Schüler mit verständlichen Erklärungen und Antworten. Ähnliche Lernadventures hat der Verlag auch für die Fächer Geschichte, Physik, Chemie und Biologie entwickelt.
Fazit
Mit Software kann parallel zum Unterricht gelernt, Versäumtes aufgeholt oder sogar die Lust am Lernen geweckt werden. Zum Testen vor dem Kauf eignen sich Demo-CD-ROMs. Wer im Buchhandel nicht fündig wird, kann die Probescheiben auch direkt beim Verlag bestellen, oft sogar direkt von deren Homepage herunterladen. Ein weiterer Tipp: Lehrer können ganze Klassensätze ordern und an die Schüler verteilen. Auch Vollversionen kann man testen, denn viele Stadtbüchereien haben Lernsoftware in ihr Angebot aufgenommen. Eins sollten aber weder Schüler noch Eltern vergessen. Beim Lernen am PC gilt, was fürs Lernen grundsätzlich Voraussetzung ist: nur wer lernen will, wird erfolgreich sein. Auch ein multimediales Lernprogramm ist keine funktionierende Variante des Nürnberger Trichters.
Die vorgestellten Programme
Vokabeltrainer kompakt Englisch und Französisch für die Klassen 5 10 Heureka Klett,
CD-ROM für PC, empf. Preis je 20 Euro
English Coach 3D 5. Klasse, Cornelsen-Verlag,
CD-ROM für PC, empf. Preis 80 Euro
Emil und Pauline auf Safari, 5. Klasse,
United Soft Media, CD-ROM für PC und Mac, empf. Preis 30 Euro
E- Wörterbuch Lateinisch-Deutsch, Langenscheidt,
CD-ROM, empf. Preis 35 Euro
Lernvitamine für die Fächer: Englisch (Klasse 5 -8), Französisch (1. und 2. Lernjahr),
Deutsch (Klasse 5 und 6), Mathematik (Klasse 5 und 6) Corneseln Verlag,
CD-ROM, empf. Preis je 25 Euro
Schülerlexikon, Duden und Paetec, für die Fächer: Astronomie, Biologie, Chemie, Deutsch, Geographie, Geschichte, Informatik, Informatik Abi, Literatur, Mathematik, Mathematik, Abi, Physik, Physik Abi, Technik, Wirtschaft, Buch und CD-ROM, empf. Preis je 21 Euro
Mathica, Heureka Klett,
ab 12 Jahre, CD-ROM oder DVD-ROM, empf. Preis 50 Euro
Mathebits, Westermann,
7.-8. Schuljahr, CD-ROM, empf. Preis 25 Euro
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