Wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland hat sich mit der großen BAföG-Reform in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn zog am Mittwoch im Kabinett eine positive Bilanz: "Mit der Verbesserung der Studienförderung können jetzt deutlich mehr junge Menschen studieren und sich für die Zukunft unseres Landes gut qualifizieren." Dies bestätigten auch die Zahlen der am gleichen Tag vorgestellten 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Deutschland. Demnach gaben 69 Prozent der befragten BAföG-Empfänger an, erst mit der finanziellen Förderung zur Aufnahme eines Studiums in der Lage gewesen zu sein.
16.06.2004 Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und ForschungBulmahn bezeichnete die Entwicklung des BAföG seit Übernahme der Regierungsverantwortung 1998 als Erfolgsgeschichte. Die Zahl der Geförderten sei von 1998 bis 2003 von nur 341.000 nach aktuellen Schätzungen auf rund eine halbe Million gewachsen. Gleichzeitig sei der Anteil der Vollgeförderten, die mit dem BAföG-Höchstsatz gefördert werden, sprunghaft von knapp 34 Prozent auf fast 47 Prozent gestiegen. Die Aufwendungen des Bundes und der Länder für das BAföG sei im gleichen Zeitraum von 1,2 Milliarden Euro auf 2,03 Milliarden Euro im Jahr 2003 nahezu verdoppelt worden.
Nach den Daten der repräsentativen Befragung des DSW erhielten im Sommersemester 2003 rund 33 Prozent der in der Regelzeit Studierenden eine BAföG-Förderung. Das waren vier Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2000. Dabei lag der durchschnittliche Förderbetrag mit 352 Euro um 15 Prozent höher als im Jahr 2000. Der durchschnittliche Anteil des BAföGs am Einkommen der Studierenden stieg im gleichen Zeitraum von 10,9 auf 13,2 Prozent.
Bulmahn hob hervor, dass gut die Hälfte der BAföG-Empfänger die Förderung als angemessen und sichere Planungsgrundlage betrachten. Die Zufriedenheit sei seit der Reform von 2001 um 10 Prozentpunkte gestiegen. "Die Daten dokumentieren eindrucksvoll, wie ernst die rot-grüne Bundesregierung die Chancengleichheit im Bildungswesen nimmt", sagte die Ministerin. So sei es in den vergangenen drei Jahren gelungen, mehr junge Menschen für ein Studium zu motivieren als je zuvor. Nach OECD-Zahlen sei die Studierenden-Quote eines Altersjahrgangs seit 1998 um acht Punkte auf 36,5 Prozent gestiegen.
Allerdings hätten Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien immer noch eine viermal kleinere Chance darauf, eine Zugangsberechtigung für das Studium zu erwerben als Kinder der hohen sozialen Herkunftsgruppe, kritisierte Bulmahn. "Nur wenn wir unsere ganze junge Generation bestmöglich ausbilden, sichern wir die Leistungsfähigkeit Deutschlands für die Zukunft." Hierbei seien die Vorschulen und Schulen gefordert. Sie müssen noch mehr Schülerinnen und Schüler fit für das Abitur und damit für das Studium machen und nicht auf Auslese setzen. Die Bundesregierung setze dafür mit dem Vier-Milliarden-Euro-Programm zum Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen auf eine stärkere individuelle Förderung. "Hier sind die Länder gefordert, vernünftige pädagogische Konzepte zu entwickeln und zu fördern", sagte Bulmahn.
Zugleich forderte sie dringende Reformen an den Hochschulen. Nach den Daten der Studie liege der Anteil der Unterbrecher bei 15 Prozent. Dabei gaben mit 29 Prozent als häufigsten Grund Zweifel am Sinn des Studiums an. "Die Hochschulen müssen den Studierenden eine bessere Orientierung im Studium geben und mehr für die Studienberatung tun", forderte Bulmahn.
Verbesserungen seien aber auch im Rahmen der Reform der Studiengänge und ihre Internationalisierung im Bologna-Prozess zu Bachelor und Master-Abschlüssen zu erwarten. Diese Reformen würden schon jetzt von den Studienanfängern zugenommen. Nach der DSW-Statistik haben sich fünf Prozent von ihnen für ein Bachelor- oder Masterstudium entschieden.
Die Studie des Deutschen Studentenwerkes finden Sie im Internet unter:
Keine Kommentare vorhanden