Abitur und Baccalauréat gleichzeitig erwerben

Um an einer Universität studieren zu können, machen deutsche Schüler das Abitur, französische Schüler das Baccalauréat. An 83 Schulen in Deutschland und in Frankreich ist das anders: Hier können Schüler gleichzeitig die deutsche und die französische Hochschulreife - kurz: das Abi-Bac - erwerben und erhalten damit freien Zugang zum Hochschulstudium in beiden Ländern.

20.11.2006 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Für rund 150 Lehrerinnen und Lehrer dieser 83 Abibac-Schulen führt das saarländische Kultusministerium im Auftrag der Kultusministerkonferenz gemeinsam mit dem französischen Erziehungsministerium und der Europäischen Akademie in Otzenhausen vom 19. bis 22. November 2006 eine Fortbildungstagung durch.

In zweisprachigen Workshops tauschen sich die Teilnehmer über Erfahrungen bei der Gestaltung des bilingualen Unterrichts, des Sprachunterrichts und der Abi-Bac-Prüfungen aus. Auf dem Programm stehen beispielsweise das 2006 erschienene deutsch-französische Geschichtsbuch, die Shoa sowie das Thema Résistance und Kollaboration in Frankreich während des zweiten Weltkriegs. Beraten wird außerdem die Verwendung von französischen Klassikern wie Molière, Flaubert, Balzac oder Zola im Unterricht. Auch der Einsatz des erfolgreichen Films "Amélie" im Unterricht und der Gebrauch neuer Medien werden in den Arbeitsgruppen diskutiert.

Das Abi-Bac-Programm wurde 1994 im Rahmen eines deutsch-französischen Abkommens ins Leben gerufen. Bei der Gestaltung der Lehrpläne, des Unterrichts und der Abschlussprüfungen arbeiten deutsche und französische Schulbehörden eng zusammen. In Schulen, die an dem Programm teilnehmen, werden Schüler nicht nur im Fremdsprachenunterricht, sondern auch in zwei Sachfächern, z.B. Geschichte und Geographie, bilingual, d.h. weitgehend in der Sprache des Partnerlandes unterrichtet. Jede teilnehmende Schule kooperiert mit einer Schule im Partnerland und bietet so Lehrkräften und Schülern die Möglichkeit, in Austauschprojekten ihre sprachlichen und interkulturellen Kenntnisse zu vertiefen.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden deshalb in diesem Jahr auch die vielfältigen deutsch-französischen Austauschprojekte von Abi-Bac-Schulen. In zweisprachigen Workshops berichten die Schulvertreter von ihren Erfahrungen mit projektorientierter Zusammenarbeit von Schulen im Rahmen des EU-Bildungsprogramms COMENIUS, projektorientierten Gruppenaustauschen, individuellen Schüleraustauschen und mit Betriebspraktika im Partnerland. Geplant werden darüber hinaus neue Kooperationsprojekte.

Im Saarland gibt es seit diesem Schuljahr drei Gymnasien, an denen Schüler das Abi-Bac ablegen können: das Illtal-Gymnasium in Illingen, das Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis und das private Gymnasium Johanneum in Homburg. Kultusminister Jürgen Schreier zeigte sich sehr erfreut über die positive Entwicklung des Abi-Bac-Schulnetzes: "Die Gesamtzahl der Abi-Bac-Schulen in Deutschland und Frankreich hat sich in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt. Dies ist Beleg für den Erfolg dieses hervorragenden Kooperationsprogramms, das Schülern besondere Chancen im Studium und auf dem Arbeitsmarkt "jenseits der Grenze" bietet."


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