Ahnen: Mehr Chancen durch Projekt "Keine(r) ohne Abschluss"
"Eine noch bessere Vorbereitung auf die berufliche Ausbildung ist eines der wichtigsten Ziele, das in der neuen Realschule plus verfolgt werden soll. Bewährte Inhalte wie beispielsweise der Praxistag und das Fach Arbeitslehre aus den Hauptschulen, das Fach ,Praxis in der Schule´ aus den Dualen Oberschulen werden künftig mit den in den Regionalen Schulen und Realschulen erfolgreich angebotenen Wahlpflichtbereichen ab der Klassenstufe 6 kombiniert und in drei verpflichtenden Wahlbereichen angeboten. Mit den Bereichen ,Technik und Naturwissenschaften´ sowie ,Hauswirtschaft und Sozialwesen´ und ,Wirtschaft und Verwaltung´ wird dabei ein breites Spektrum abgedeckt. Mit diesen Maßnahmen und dem neuen Projekt ,Keine(r) ohne Abschluss´ soll der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne einen Abschluss in Form der Berufsreife deutlich weiter gesenkt werden." Das unterstrich Bildungsministerin Doris Ahnen heute bei der öffentlichen Vorstellung des neuen Projekts im Rahmen einer Fachtagung in Mainz.
25.08.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzDie aktuellen statistischen Daten zeigten, dass im vergangenen Jahr 7,4 Prozent der Jugendlichen im entsprechenden Altersjahrgang aus den allgemeinbildenden Schulen ohne den Abschluss der Berufsreife (Hauptschulabschluss) abgegangen seien. "Damit liegt der aktuelle Wert im Land um mehr als zwei ganze Prozentpunkte unter dem Landeswert von 1998. Und: Mit der jetzigen Quote liegt Rheinland-Pfalz klar unter dem Bundesdurchschnitt von 7,9 Prozent. Aber damit können wir uns nicht zufriedengeben. Wir wollen den Anteil noch deutlich weiter senken", sagte die Bildungsministerin. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass Jahr für Jahr eine nicht unerhebliche Zahl von jungen Menschen, die die allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss verlassen hätten, über das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) in den berufsbildenden Schulen (BBS) die Berufsreife erlangten. "Mit dem neuen Projekt ,Keine(r) ohne Abschluss´ wollen wir nun in der Realschule plus Schülerinnen und Schülern, die nach der 9. Klasse nicht die Berufsreife erreicht haben, eine neue zweite Chance geben. Im bereits gewohnten schulischen und sozialen Umfeld und mit zusätzlichen Angeboten zur Vorbereitung auf die Berufsausbildung sollen diese Schülerinnen und Schüler mit speziellen Lernarrangements doch noch zu einem Abschluss im allgemeinbildenden Schulsystem geführt werden", hielt Doris Ahnen fest.
Das Projekt "Keine(r) ohne Abschluss" sehe daher eine maximale Klassenstärke von 16 Schülerinnen und Schülern ebenso vor wie eine intensive Verknüpfung mit der Praxis in Betrieben und mit fächerübergreifender Projektarbeit, so die Ministerin. Zusammen mit außerschulischen Kooperationspartnern – beispielsweise Kammern, Arbeitsagenturen oder Unternehmen – sollten konkrete Maßnahmen für berufs- und arbeitsmarktorientierte Qualifikationen entwickelt werden. Die Teilnahme am wöchentlichen Praxistag sei fest für alle Schülerinnen und Schüler der entsprechenden Klassen vorgesehen. Das Projekt werde zudem mit einem verpflichtenden Ganztagsschulangebot verknüpft. "Im Rahmen der Ganztagsschule soll dann die an den Stärken der Schülerinnen und Schüler orientierte, individuelle Förderung ansetzen. Die verpflichtende Ganztagsschulstruktur bietet auch zusätzliche Chancen, soziale Kompetenzen, die im Arbeitsleben erwartet werden, zu betonen und fächerspezifische Schwächen aufzuarbeiten", sagte Doris Ahnen. Die verstärkte Einbeziehung von Eltern in die spezielle Förderung sei ein weiteres Kennzeichen des Projekts "Keine(r) ohne Abschluss", ergänzte sie. "Die Mitarbeit der Eltern ist wichtig, damit die zusätzlich angebotene Förderung in der Schule auch dauerhafte Wirkung entfaltet. Wenn beispielsweise im Rahmen von erweiterten Elternabenden mit Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften, Vertreterinnen oder Vertretern der Agentur für Arbeit die Berufsorientierung in den Blick genommen wird, kann dies dem bereits im Schulalltag durchgeführten Berufswahlunterricht zusätzliche Impulse geben und zugleich die Unterstützung für die Mädchen und Jungen in den Elternhäusern verbessern", sagte Doris Ahnen. In der Test- und Erprobungsphase werde das Projekt "Keine(r) ohne Abschluss" von einem Team der Universität Trier wissenschaftlich begleitet. Besonderer Schwerpunkt der wissenschaftlichen Begleitung sei dabei die empirische Forschung zu den Biographien der Schülerinnen und Schüler in den Projektklassen, um weitergehende Schlussfolgerungen im Hinblick auf zukünftige Unterstützungsmaßnahmen ziehen zu können.
Viele Schulen haben sehr großes Interesse gezeigt, am Projekt teilzunehmen, und von den Erfahrungen mit einigen bereits praktizierten Maßnahmen kann auch die Organisation einer Projektklasse profitieren. Beispiele dafür wurden auf dem Kongress vorgestellt. So präsentierte die Regionale Schule Ransbach-Baumbach, wie über den Einsatz von "Berufswahlpaten" Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit gestärkt und sie zu besseren Leistungen angespornt wurden. Die Regionale Schule Kirchheimbolanden bewies, wie seit dem Start der "arbeitsweltorientierten Klassen" der Anteil der in Ausbildung vermittelten Schülerinnen und Schüler erhöht wurde. Und die Goethe-Hauptschule in Koblenz bilanzierte als Ergebnis des wöchentlichen Praxistags, der im Herbst 2007 an dieser Schule startete, dass ihre Schulabgängerinnen und Schulabgänger eindeutig besser und häufiger als ihre Vorgängerinnen und Vorgänger aus den Vorjahren den Einstieg in die berufliche Ausbildung meisterten. Die Tagung zeigte zudem eindrucksvoll, dass das Projekt "Keiner ohne Abschluss" von der Agentur für Arbeit, den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern im Land unterstützt wird.
Bei diesen Partnern bedankte sich die Bildungsministerin ebenso wie bei den ebenfalls an der Konzeptentwicklung beteiligten Lehrkräften und Wissenschaftlern für ihre engagierte Mitarbeit. "Als hochentwickelte Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte", unterstrich Doris Ahnen abschließend und ergänzte: "Diesen Bedarf für die Zukunft zu sichern, ist eine Begründung für die Schulstrukturreform und für die Einführung der Realschule plus. Wir wollen und müssen jetzt Vorsorge treffen. Deshalb ist es mir besonders wichtig, dass wir nicht nur Strukturen schaffen, die mehr junge Menschen zur Hochschulreife führen, sondern wir müssen auch die Chancen vergrößern, dass alle Schülerinnen und Schülern einen Abschluss erwerben können. Ich bin überzeugt, das Projekt ,Keine(r) ohne Abschluss´ wird einen Beitrag dazu leisten und damit auch mehr Chancengleichheit schaffen."
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