Ahnen: Neues Schuljahr – Stärkung der Schulqualität
"Mehr Chancengleichheit im Bereich der Bildung zu schaffen, die Qualität der Bildungsangebote stetig zu verbessern und damit auch alle Kinder und Jugendlichen möglichst gut auf die wachsenden Herausforderungen in der Arbeits- und Berufswelt vorzubereiten, diese Ziele verfolgt die Landesregierung auf verschiedenen Wegen. Ein wichtiger Beitrag dazu ist es, die Gleichstellung von schulischer und beruflicher Bildung weiter voranzutreiben. Die 2004 eingeleitete Reform des Systems der berufsbildenden Schulen (BBS) hat hier eindeutig Wirkung gezeigt." Das unterstrich Bildungsministerin Doris Ahnen zum Start des Schuljahres 2007/2008 bei einem Besuch in der Berufsbildenden Schule Mainz I.
20.08.2007 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzDurchlässigkeit – ein Beitrag zu mehr Chancengleichheit
"Mehr als 13 Prozent aller rund 13.300 Schulabgängerinnen und Schulabgänger im Land mit der allgemeinen oder der fachgebundenen Hochschulreife im Jahr 2006 kamen aus dem BBS-Bereich. In zehn Jahren ist die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten in der BBS damit von knapp 860 auf fast 1.800 gestiegen", hielt Doris Ahnen fest. Der Anteil der BBS-Abgängerinnen und -Abgänger an der Zahl aller Absolventinnen und Absolventen mit Fachhochschulreife landesweit – das waren zuletzt mehr als 4.300 junge Menschen – lag bei mehr als 86 Prozent. Und von allen Schulabgängerinnen und -abgängern mit dem qualifizierten Sekundar-I-Abschluss (umgangssprachlich Mittlere Reife) seien 2006 immerhin fast 19 Prozent aus berufsbildenden Schulen gekommen. Diese Zahlen seien zum einen ein eindeutiger Beleg dafür, dass das Prinzip des lebenslangen Lernens und das Ziel hoher Durchlässigkeit im Bildungssystem von der Bildungspolitik im Land sehr ernst genommen würden.
Qualität wird groß geschrieben
"Wir wollen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen über ein zwischen den jeweiligen Bildungsgängen und Schulformen abgestimmtes System bestmögliche persönliche und berufliche Bildungs- und Entwicklungschancen anbieten", unterstrich Doris Ahnen. Dabei liege der Schwerpunkt auf der qualitativen Weiterentwicklung des Bildungsangebots. Als gemeinsame Basis dafür sei allen Schulen landesweit zu diesem Schuljahr der neue Orientierungsrahmen Schulqualität (ORS) zur Verfügung gestellt worden, sagte die Ministerin. Er solle die Schulen durch die Benennung entscheidender Merkmale für eine "gute Schule" in ihrer eigenen Qualitätsarbeit unterstützen. Das sei zugleich eine gute Vorbereitung auf die Zusammenarbeit mit der Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen (AQS), deren Teams in diesem Schuljahr ihre Schulvisitationen im Standardverfahren durchführen, nachdem die Pilotphase abgeschlossen worden sei. Neben Bereichen wie dem Schulmanagement, der Unterrichtsentwicklung, der Fortbildungsplanung und Weiterbildungskonzepten oder der Kooperation innerhalb der Schule spiele dabei auch die Kommunikation zwischen Schule und Eltern eine sehr wichtige Rolle.
Elternarbeit wird weiter gestärkt
"Die funktionierende Partnerschaft zwischen Schule und Eltern trägt maßgeblich zum schulischen Erfolg bei", sagte die Ministerin. Die "Koordinationsstelle für Elternarbeit" im Bildungsministerium biete Schulen und Eltern hier konkrete Unterstützung, sei es durch die neue Elternseite www.eltern.bildung-rp.de oder durch die Ausweitung der Elternfortbildung, die gemeinsam mit dem Landeselternbeirat (LEB), dem Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) und der Schulaufsicht in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) durchgeführt werde. Im neuen Schuljahr stünden im Mittelpunkt der Fortbildungsveranstaltungen die empfohlenen jährlichen Lehrer-Schüler-Eltern-Gespräche. Geplant sei beispielsweise ein Elternforum am 1. Dezember 2007 in Speyer, zu dem auch Lehrkräfte herzlich willkommen seien. Neu sei zudem, dass Schulen über die Koordinationsstelle für Elternarbeit eine finanzielle Unterstützung von bis zu 500 Euro für schuleigene Fortbildungsmaßnahmen erhalten könnten, die vorrangig der Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern dienen. Damit auch Eltern mit Migrationshintergrund über entsprechende Informationen verfügten, sei außerdem der Flyer "Elternmitwirkung in Rheinland-Pfalz" in die türkische und die russische Sprache übersetzt und an die Schulen verteilt worden.
Neue Angebote bereichern das Bildungsangebot
"Auf eine Verbesserung der Qualität des schulischen Bildungsangebots im Land zielen noch eine ganze Reihe weiterer Schritte und Projekte, die im heute beginnenden Schuljahr starten", hielt Bildungsministerin Ahnen fest. So werde die Lehrerausbildung zum kommenden Wintersemester an den Universitäten Koblenz-Landau und Kaiserslautern nach den reformierten Ausbildungsplänen mit einem sehr viel höheren Praxisanteil starten. Die Universitäten Mainz und Trier folgten dann im kommenden Jahr. Das Ganztagsschulangebot im Land werde um weitere 43 Schulen auf 403 Schulen und das Angebot an Schwerpunktschulen, die Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine integrative Förderung anbieten, um 18 Schulen auf jetzt 130 Schulen erweitert. "Mit finanzieller Unterstützung des Landes können zudem im jetzt gestarteten Schuljahr landesweit 1.176 Gruppen in betreuenden Grundschulen Kindern über den Zeitrahmen der ,Vollen Halbtagsschule´ hinaus eine Betreuung anbieten – also 116 Gruppen mehr als im Vorjahr. Die Zahl der geförderten Gruppen für Hausaufgabenbetreuung mit spielerischer Sprachförderung für Erst- und Zweiklässler steigt um 26 auf 241 Gruppen landesweit", so Doris Ahnen weiter. Die Unterstützung von allgemeinbildenden Schulen durch Schulsozialarbeit werde auf 178 Schulen ausgedehnt, wobei in Hauptschulen der angemeldete Bedarf flächendeckend gedeckt werde. Die Einrichtung eines wöchentlichen Praxistages starte nach den Herbstferien in allen Hauptschulen in Trier und in Koblenz und solle in den folgenden Schuljahren dann weiter verbreitet werden. In Landau und Frankenthal gingen Klassen in neuen bilingualen Grundschulen an den Start, die zweisprachigen Unterricht anbieten (in Landau mit Deutsch und Französisch, in Frankenthal mit Deutsch und Englisch), womit die Zahl der bilingualen Grundschulen landesweit auf sieben steige. Das Angebot für die Hochbegabtenförderung in den Grundschulen über einen wöchentlichen "Entdeckertag" werde um vier neue Standorte (Brohl, Ellenz-Poltersdorf, Niederbrombach und Neustadt/Weinstraße) auf jetzt fünf Standorte landesweit erweitert. Für alle Schulen gebe es mit dem Projekt "Zeugen der Zeit" zudem ein neues Angebot, um den Geschichts- und Sozialkundeunterricht lebendiger zu machen. Das Multimedia-Projekt "Medienkompetenz macht Schule" laufe in zunächst zehn Pilotschulen an und am Mainzer Ketteler-Kolleg werde erstmals ein Angebot gemacht, das Abitur über den zweiten Bildungsweg auch mit einem hohen Anteil internetbasierter Lernmodule zu erwerben (Abi online).
"Bei der Schulanmeldung für das Schuljahr 2008/2009, die Ende September 2007 in den Grundschulen erfolgt, sind zudem dann alle Kinder, die vor dem 31. August sechs Jahre alt werden, schulpflichtig. Bislang betraf die Schulpflicht nur alle Kinder, die vor dem 30. Juni ihren sechsten Geburtstag feiern konnten", sagte die Bildungsministerin. Zudem gebe es bei diesem Schulanmeldetermin erneut für alle Kinder, die keinen Kindergarten besuchten, ein Einschätzverfahren für den Sprachförderbedarf, das nach den Erfahrungen beim ersten Einsatz 2006 weiterentwickelt wurde.
Schulen, Schulaufsicht und Ministerium hätten sich erfolgreich für einen guten Start in das Schuljahr eingesetzt. 240 zusätzliche Lehrerstellen seien für 2007 im Landeshaushalt zur Verfügung gestellt worden, betonte Bildungsministerin Ahnen. Mit Blick auf das jetzige Schuljahr seien bereits im Februar und Mai rund 170 Neueinstellungen vorgenommen und zum jetzigen Schuljahresbeginn nochmals 650 neue Lehrkräfte eingestellt worden. Mehr als 40 weitere Stellenbesetzungen folgten bis zum 1. November auf jeden Fall – insbesondere in den berufsbildenden Schulen. In den Personalplanungen sei zudem berücksichtigt, dass die von den Lehrkräften der allgemeinbildenden Schulen durch die so genannte "Ansparstunde" in der Vergangenheit erbrachte Mehrarbeit, von diesem Schuljahr an zurückgegeben werde.
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