Anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft findet heute bundesweit ein "Europatag" an den Schulen statt
„Bildung im 21. Jahrhundert kann nicht mehr in Landesgrenzen gedacht und organisiert werden. Menschen leben heute in internationalen Zusammenhängen. Ein modernes Bildungswesen muss Europa als politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebensraum vermitteln. Es geht also nicht nur darum, der jungen Generation durch eine gute Ausbildung den internationalen Arbeitsmarkt zu erschließen. Bildung für Europa heißt für mich auch, dass junge Menschen mit ihren kulturellen Wurzeln in Verbindung bleiben“, erklärte Kultusminister Helmut Rau MdL zum "Europatag" (22. Januar).
22.01.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDer bundesweite Projekttag findet anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft statt und fällt mit dem vierten deutsch-französischen Tag zusammen. In Baden-Württemberg widmen viele Schulen den heutigen Unterrichtstag schwerpunktmäßig dem Thema Europa. Mit großen Engagement wurden viele Ideen umgesetzt: Darstellung von europäischem Brauchtum, europäische Gerichte, Rollenspiele, Nationalhymnen und Podiumsdiskussionen stellen nur einen kleinen Ausschnitt der vielfältigen schulischen Aktivitäten am heutigen Tag dar.
Zahlreiche Mitglieder der Landesregierung und Abgeordneten des Landtags, baden-württembergische Bundestagstagsabgeordnete und Mitglieder des Europäischen Parlaments nehmen an diesen spannenden Aktionen teil. Auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EU-Kommission aus Baden-Württemberg besuchen Schulen im Land, um über ihre Arbeit und den Alltag in Brüssel zu informieren. An der Spitze der politischen Prominenz aus Baden-Württemberg steht Ministerpräsident Günther H. Oettinger MdL. Oettinger besucht die Theodor-Heuglin-Schule in Ditzingen. Kultusminister Helmut Rau MdL nimmt zwei Termine wahr. Zunächst diskutiert er mit Zehntklässlern der Mathias-von-Neuenburg-Realschule in Neuenburg über die Bedeutung Europas für die junge Generation. Im Anschluss präsentieren Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Schule für Sehbehinderte Waldkirch dem Kultusminister ein gemeinsames Projekt mit der Sehbehindertenschule Wien und der Blinden- und Sehbehindertenschule Krakau. Auch Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL besucht zwei Schulen. Die Dritt- und Viertklässler der Hebelschule in Hemsbach stellen das Thema Europa in Spiel, Lied und Gedicht vor. Danach diskutiert Wacker mit Hauptschülern der Heiligenbergschule über die Erweiterung der Europäischen Union. Weitere Mitglieder des Landeskabinetts, die am Europatag Schulen besuchen, sind Sozialministerin Dr. Monika Stolz MdL, der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk MdL, Innenminister Heribert Rech MdL, der Minister und Bevollmächtigte des Landes Baden-Württemberg beim Bund, Prof. Dr. Wolfgang Reinhart MdL sowie Gundolf Fleischer MdL, Staatssekretär im Finanzministerium, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum und Rudolf Köberle, MdL, Staatssekretär im Innenministerium. Mit Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan MdB und Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble MdB beteiligen sich auch Mitglieder des Bundeskabinetts aus Baden-Württemberg am Europatag an Schulen.
„Europa ist ein Glücksfall für die junge Generation. Junge Menschen wachsen heute in Frieden, Freiheit und Wohlstand auf und haben Zukunftschancen, wie kaum eine andere Generation vor ihnen. Das ist mit Blick auf die deutsche und europäische Geschichte keine Selbstverständlichkeit. Es ist wichtig, Jugendlichen in der Schule den Wert der gewonnenen Freiheiten zu vermitteln. Dabei muss deutlich werden, welchen herausragenden Anteil der Prozess der Europäischen Einigung an den sicheren Lebensverhältnissen auf unserem Kontinent hat“, sagte Kultusminister Rau.
Deshalb sei Europa in den Bildungsplänen aller allgemein bildenden Schularten als durchgängiges Thema in den Fächern und Fächerverbünden verankert. Den Schülerinnen und Schülern solle ein vielfältiges Bild in historisch-geographischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht vermittelt werden. Neben den Fremdsprachen komme dabei den Fächern Geschichte, Geographie und Gemeinschaftskunde bzw. den entsprechenden Fächerverbünden eine zentrale Rolle zu. Ziel sei es, die Bedeutung historisch gewachsener Traditionen und funktionierender europäischer Strukturen zu vermitteln. Es werde dabei auch besonderer Wert auf die Förderung von Verständigung, interkulturellem Lernen und Wertschätzung für andere Völker und Kulturen gelegt. Die Beschäftigung mit der Vielfalt kultureller und staatlicher Entwicklungen in Europa unterstütze außerdem den Prozess der Identitätsfindung junger Menschen.
„Der Schlüssel zu Europa sind seine Sprachen“, machte Rau deutlich. Die Grundlage der Mehrsprachigkeit werde in Baden-Württemberg durch ein frühzeitiges Fremdsprachenlernen in der Grundschule gelegt. Im Südwesten lernen seit dem Schuljahr 2004/05 alle Schülerinnen und Schüler von der ersten Klasse an eine Fremdsprache. „Fremdsprachenkompetenz heißt aber auch, die Fremdsprache als Arbeitssprache anzuwenden. Das wird von jungen Menschen in Ausbildung, Studium und Beruf zunehmend erwartet“, betonte der Kultusminister. Das Land fördere deshalb seit Jahrzehnten den bilingualen Unterricht. Im Land werden bilinguale Lernangebote in Englisch mittlerweile an 98 Realschulen und 40 Gymnasien, in Französisch an acht Realschulen und 13 Gymnasien unterbreitet. Schwerpunktmäßig wird bislang im Erdkundeunterricht zweisprachig unterrichtet. Auch sechs Grundschulen bieten bilinguale Züge an, davon drei mit deutsch-französisch und drei mit deutsch-italienisch.
An den Gymnasien wird die Weiterentwicklung der bilingualen Züge Deutsch-Englisch hin zu internationalen Zügen angestrebt. Seit Beginn des laufenden Schuljahres beteiligen sich sechs Gymnasien mit bilingualem Zug Englisch am neu eingerichteten Schulversuch "Internationale Abiturprüfung Baden-Württemberg". Schüler des bilingualen Zugs wählen in der Kursstufe Biologie als vierstündiges fremdsprachliches Fach, in dem eine schriftliche Prüfung in englischer Sprache abzulegen ist. Die erste Abiturprüfung im fremdsprachlichen erteilten Fach Biologie wird im Schuljahr 2007/08 durchgeführt. Die Schüler erwerben zusätzlich zum Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife ein Zertifikat über das Bestehen der "Internationale Abiturprüfung Baden-Württemberg".
„Das Netzwerk, das Europa trägt, lebt von den vielen grenzüberschreitenden Begegnungen. Europa wird in vielen Lebenszusammenhängen immer stärker zur gelebten Normalität", so Rau. Die Vielzahl von Begegnungsprogrammen ermögliche den Austausch mit jungen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen. Der Gewinn aus diesen Begegnungen zeigt sich in einem Zuwachs an internationaler und interkultureller Kompetenz. Von besonderer Bedeutung sei dabei das Programm "Jugend für Europa". Es fördert Jugendbegegnungen aus den EU-Staaten und angrenzenden Nachbarländern der EU. Die Schulen in Baden-Württemberg nutzen auch die Möglichkeiten der europäischen Bildungsprogramme intensiv. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl von Anträgen aus Baden-Württemberg auf Förderung lokaler europäischer Schulpartnerschaften im Rahmen des Comenius-Programms kontinuierlich gestiegen. 2006 stellten 181 baden-württembergische Schulen (2005: 172) einen Antrag, von denen 150 genehmigt worden sind. Bei den Maßnahmen handelt es sich nicht um klassische Schüleraustauschmaßnahmen. Vielmehr steht die gemeinsame Arbeit mit mehreren Partnern an einem mindestens dreijährigen Projekt unter europäischer Perspektive im Mittelpunkt.
Keine Kommentare vorhanden