Auf in die Vergangenheit!

"Die heute vom nordrhein-westfälischen Realschullehrerverband vorgestellten Ideen für eine Schulreform stammen zum Teil aus der Mottenkiste des 19. Jahrhunderts", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). " Sie ignorieren gezielt die demografische Entwicklung und bieten keine Lösungsansätze für die drängenden Probleme insbesondere der Schulträger im ländlichen Raum. Mit einer modernen, an Daten und Fakten orientierten Bildungsplanung haben diese Vorschläge nicht das Geringste zu tun."

12.06.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Offenbar will der Realschullehrerverband zurück in die vermeintlich heile Welt des 19. Jahrhunderts. Damals war die Realschule im Unterschied zum humanistischen Gymnasium, das sich an den alten Sprachen orientierte, das "kleine", an den so genannten Realien orientierte Gymnasium des aufstrebenden Bürgertums. Insbesondere Kaufleute schickten ihre Kinder auf diese Schulform, um den eigenen Nachwuchs zu rekrutieren. In etwas modernisierter Form soll also diese Schulform im 21. Jahrhundert sozusagen wiederauferstehen.

"In erster Linie geht es bei dieses Vorschlägen darum, dafür zu sorgen, dass die Realschule sich nicht mit Kindern befassen muss, die Probleme haben", so Beckmann weiter. "Für diese Kinder ist dann die so genannte Aufbauschule gedacht, ein CDU-Modell, über das selbst die CDU nicht mehr spricht."

Diese so genannte Aufbauschule soll "ein pädagogisch-erzieherisches Profil" haben und dann auch gleich auf erzieherische und pflegerische Berufe vorbereiten.

"Abgesehen davon, dass jede Schule per se ein pädagogisch-erzieherisches Profil haben sollte, verbirgt sich hinter diesem Vorschlag ein Schubladendenken, das seinesgleichen sucht", so Beckmann weiter. "Hier wird ein Menschenbild vertreten, das davon ausgeht, dass schon über die berufliche Zukunft von Kindern entschieden werden muss, wenn sie im Alter von neun Jahren zu einer weiterführenden Schule wechseln."

Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen spricht der Realschullehrerverband von "Billiglösungen", die angeblich das fachliche und didaktische Niveau nicht werden halten können. Angesichts der PISA-Ergebnisse fragt man sich, welches fachliche und didaktische Niveau hier gemeint sein könnte. Darüber hinaus wird der Vorwurf der "Billiglösung" an keiner Stelle mit konkreten Daten oder Inhalten gefüllt.

"Die Vorschläge sind eine Panikreaktion auf die aktuellen Entwicklungen", so Beckmann abschließend. " Vor allem in den ländlichen Kommunen werden auch von CDU-Bürgermeistern andere Lösungen wie z.B. die Allgemeine Sekundarschule/ Gemeinschaftsschule forciert. Offensichtlich will der Realschullehrerverband mit allen Mitteln die eigene Schulform von Kindern mit Problemen freihalten und plädiert deshalb auch so massiv für den Erhalt eines strikt gegliederten Schulsystems. Das verteidigen nämlich nur noch diejenigen mit Zähnen und Klauen, die mindestens eine Schulform zum Abschieben brauchen."


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