Auftaktveranstaltung zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen der Enquêtekommission "Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft - Berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung"
"Die Enquêtekommission hat wegweisende Vorschläge im Bereich der beruflichen Schulen zu aktuellen wie künftigen Herausforderungen unterbreitet. Diese werden in der nächsten Legislaturperiode eine Richtschnur für die bildungspolitische Arbeit bilden. Noch in diesem Jahr werden wir erste Maßnahmen umsetzen", erklärte Kultusministerin Marion Schick heute (26. Januar 2011) im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen der Enquêtekommission "Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft - Berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung" für den Bereich der beruflichen Schulen. Ziel sei es, zahlreiche Maßnahmen zur Sicherung des Fachkräftebedarfs sowie zur Stärkung der Integrationsleistung der Beruflichen Schulen auf den Weg zu bringen. Dazu werde sie kommende Woche dem Kabinett entsprechende Vorschläge unterbreiten, kündigte die Ministerin in Stuttgart vor rund hundert Gästen an.
26.01.2011 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergEnglisch als Unterrichtsfach an den Berufsschulen
"Bereits ab dem nächsten Schuljahr führen wir an den Berufsschulen schrittweise das Fach Englisch als einstündigen Pflichtunterricht ein. In einer globalisierten Welt sind Englischkenntnisse in vielen Berufen unerlässlich. Zugleich steigern wir damit die Attraktivität des dualen Systems", erklärte Schick. Den Auszubildenden solle im Fremdsprachenunterricht insbesondere die erforderliche Fachterminologie des jeweiligen Berufes vermittelt werden. Parallel ist geplant, zur Vorbereitung der Lehrkräfte Qualifizierungskonzepte insbesondere hinsichtlich fachspezifischer Begriffe und Inhalte zu entwickeln.
Weitere Maßnahmen der Weiterentwicklung des beruflichen Schulwesens und der dualen Ausbildung sind u.a. die Einrichtung von 100 neuen Klassen am beruflichen Gymnasium sowie der neuen Profile "Umwelttechnik" an Technischen Gymnasien und "Internationale Wirtschaft" an Wirtschaftsgymnasien.
Profil "Umwelttechnik" ab Herbst an zehn Technischen Gymnasien im Land
"Insbesondere der Wachstumsmarkt der Umwelttechnologie bedarf hochqualifizierter Fachkräfte im gewerblich-technischen bzw. naturwissenschaftlichen Bereich. Mit dem neuen Profil Umwelttechnik sprechen wir gezielt junge Menschen mit einem Interessenschwerpunkt im Bereich des Umweltschutzes an", betonte Schick. Im sechsstündigen Profilfach "Umwelttechnik" werden ausgewählte Themen der Umwelttechnik unter technischen und naturwissenschaftlichen Aspekten beleuchtet. Das Profilfach greife Themen auf wie zum Beispiel Mobilität, Gebäudetechnik, regenerative Energien sowie den Bereich Abfall und Recycling, so die Kultusministerin. "Dahinter stehen handfeste naturwissenschaftliche Grundlagen aus der Biologie, Chemie und Physik." Nach dem dreijährigen Schulbesuch erwerben die Schülerinnen und Schüler mit der allgemeinen Hochschulreife die bundesweite Studienberechtigung für alle Studiengänge an Hochschulen und Universitäten.
"Umwelttechnik" soll ab Herbst 2011 an zehn Technischen Gymnasien im Land unterrichtet werden, die das Profil inhaltlich entwickeln. Später wird das Profil auf weitere Technische Gymnasien im Land ausgeweitet. Derzeit gibt es in Baden-Württemberg 69 Technische Gymnasien, zum nächsten Schuljahr kommen bis zu 13 weiteren Standorte hinzu.
Elf Standorte bieten neues Profil "Internationale Wirtschaft" an
"Zunehmende Herausforderungen im Zuge der Globalisierung im Industrie-, Handels- als auch Dienstleistungsbereich erfordern darüber hinaus, dass wir das schulische Angebot im Bereich der Wirtschaftsgymnasien weiterentwickeln", erläuterte die Ministerin. Um der stark gestiegenen Nachfrage in diesem Bereich und der überdurchschnittlichen Exportorientierung der baden-württembergischen Wirtschaft Rechnung zu tragen, wird zum Schuljahr 2011/12 das neue Profil "Internationale Wirtschaft" am Wirtschaftsgymnasium zunächst an elf Standorten eingeführt.
Kern des neuen Profils bildet das sechsstündige Profilfach "Internationales Management", hier werden fundierte betriebs- und volkswirtschaftliche Grundlagen vermittelt. Diese werden durch das profilergänzende Fach "Economics" ergänzt und vertieft. Darüber hinaus wählen die Schüler eines der Wahlfächer "Global Studies" oder "Business Communications". Sowohl im Profilfach als auch dem profilergänzenden Fach werden wirtschaftsbezogene Inhalte bis zu einem Drittel in Englisch unterrichtet. Neben der fachlichen Grundlagenvermittlung ist der Erwerb von internationalen, interkulturellen und sozialen Handlungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler wesentlicher Bestandteil des Bildungsplans. Das neue Profil "Internationale Wirtschaft" richtet sich insbesondere an sprachlich begabte Schülerinnen und Schüler.
Einführung von Ganztagsangeboten an beruflichen Schulen
Ebenfalls geplant sei, zeitnah auch im Berufsvorbereitungsjahr, im Berufseinstiegsjahr und im Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf eine Ganztagesbeschulung einzuführen. In einem ersten Schritt soll von den insgesamt rund 730 Klassen rund ein Drittel die Möglichkeit zur Ganztagesbeschulung erhalten, sagte Schick. In einem Modellversuch bis zum Schuljahr 2013/14 solle zudem das Ganztagesangebot am Berufskolleg I unter der Fragestellung erprobt werden, ob dadurch der Übergang in das Berufskolleg II besser gelingt und so mehr Schülerinnen und Schüler die Fachhochschulreife erwerben können. Um Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr, im Berufseinstiegsjahr und im Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf (VAB) einen besseren Start in das Berufsleben zu ermöglichen, solle der bereits vorhandene betriebliche Praxisanteil in diesen Schularten weiter erhöht und systematisiert werden. "Dafür ist eine pädagogisch sinnvolle Einbindung betrieblicher Lernanteile in das pädagogische Lern- und Förderkonzept der drei Bildungsgänge notwendig", erläuterte die Ministerin.
Interaktiver Bildungsnavigator zur individuellen Beratung Jugendlicher
Ein Bildungsnavigator soll entwickelt werden, mit dem das vielfältige Bildungsangebot in Baden-Württemberg für Schülerinnen und Schüler transparenter werden soll und sie passgenaue Lösungen für ihren weiteren Bildungsweg finden sollen. Zudem sollen Wirtschaftsbeiräte für die beruflichen Schulen zur engeren Kooperation zwischen Wirtschaft und beruflichen Schulen geschaffen werden.
Infos für die Redaktionen:
In den Räumen der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart stellte Andrea Krueger MdL, die Vorsitzende der Enquêtekommission, die Arbeit und das Ergebnis der Enquêtekommission vor. In einer Podiumsdiskussion ging es anschließend um das Thema "Die Handlungsempfehlungen der Enquêtekommission und die Herausforderungen für die berufliche Bildung im Jahr 2030". Podiumsteilnehmer waren Dr. Herbert Müller, Präsident der IHK Region Stuttgart, Joachim Ruth von der DGB Baden-Württemberg, Ingeborge Schoeffel-Tschinke, Vorsitzende Landesschulbeirat Baden-Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Trautwein von der Universität Tübingen, Burhan Uzun, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats Heilbronn, sowie Karl-Heinz Wagner, Sprecher der Direktorenvereinigung berufliche Schulen. Die Teilnehmer der Veranstaltung hatten entweder an der Arbeit der Enquêtekommission persönlich mitgewirkt oder gehörten zu dem Kreis der von den Handlungsempfehlungen betroffenen Institutionen.
Die Enquêtekommission "Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft - Berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung" hatte in der Sitzung des Landtags am 15. Dezember 2010 ihre Handlungsempfehlungen an die Landesregierung vorgelegt. Der Bericht enthält eine aktuelle Bestandsaufnahme sowie einen Katalog von 50 konkreten Handlungsempfehlungen an die Landesregierung mit 160 Einzelvorschlägen für die Zukunft des beruflichen Schulwesens, der dualen Ausbildung sowie der allgemeinen und beruflichen Aus- und Weiterbildung. Zur Finanzierung von Umsetzungsmaßnahmen der Enquêteempfehlungen wurde im Nachtragshaushalt für dieses Jahr 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Anlage
Pilotschulen im Schuljahr 2011/12 für das neue Profil "Umwelttechnik" an Technischen Gymnasien
RP Stuttgart
- Werner-von-Siemens-Schule Stuttgart
- Gottlieb-Daimler-Schule 2, Sindelfingen *
- Friedrich-Ebert-Schule Esslingen
- Gewerbliche Schule Göppingen
RP Karlsruhe
- Carl-Engler-Schule Karlsruhe
- Gewerbeschule Bühl
RP Freiburg
- Friedrich-Weinbrenner-Schule Freiburg *
- Gewerbliche Schule Rheinfelden *
RP Tübingen
- Kilian-von-Steiner-Schule Laupheim*
- Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen
Die mit * gekennzeichneten vier Schulen sind Technische Gymnasien, die zum Schuljahr 2011/12 neu eingerichtet werden und gleich mit dem neuen Profil starten.
2. Pilotschulen für das Profil "Internationale Wirtschaft" an Wirtschaftsgymnasien
RP Stuttgart:
- Kaufmännische Schule Bad Mergentheim
- WG West Stuttgart
RP Karlsruhe:
- Carl-Theodor-Schule Schwetzingen
- Frankenlandschule Walldürn
- Friedrich-List-Schule Mannheim
- Fritz-Erler Schule Pforzheim
RP Freiburg:
- Kaufmännische Schule Lahr
- Kaufmännische Schule Müllheim
- Max-Weber-Schule Freiburg
RP Tübingen:
- Friedrich-List-Schule Ulm
- Humpisschule Ravensburg
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